Aktualisiert 14.07.2009 12:33

Charlotte Roche«Ich will nicht die Skandalnudel sein»

Charlotte Roche wünscht sich mehr Aufregung und Skandale in der Talkshow «3 nach 9». Allerdings will die künftige Moderatorin nicht selbst für Krawall sorgen, sondern hofft auf die Gäste.

von
Nadine Pilz

«Ich will nicht die Skandalnudel sein», sagte Roche der Nachrichtenagentur AP. Die langjährige Viva-Moderatorin, die 2008 mit ihrem Bestseller «Feuchtgebiete» für Schlagzeilen sorgte, löst am 11. September nach elf Jahren Amelie Fried als Co-Moderatorin von Giovanni di Lorenzo in der ältesten deutschen Talksendung ab. Als Beispiel für ihre Vorstellung von mehr Leben im Studio erinnerte sie an eine «3 nach 9»-Sendung aus dem Jahr 1978: Damals sorgte der Moderator Wolfgang Menge für Aufsehen, als er Erotik-Unternehmerin Beate Uhse aufforderte, einige ihrer Artikel zu erklären. Dabei sorgte ein Trockengestell für Kondome für grosses Gelächter.

«Als Gastgeberin einer Talkshow bin ich eine völlig andere Person, als wenn ich selbst mit meinem Buch irgendwo zu Gast bin», sagte die 31-jährige Roche. Schon in ihren früheren Sendungen, zuletzt in «Charlotte Roche unter ...» bei 3sat, sei sie zu ihren Interviewpartnern immer «sehr höflich und nett» gewesen, sagte Roche. Von den vollgedröhnten Musikstars aus ihrer Zeit bei Viva sei sie zudem einiges gewohnt. «Es geht darum, das Aufregende aus den Gästen rauszukitzeln, der Gast ist der Star, nicht ich», sagte Roche. Die gebürtige Engländerin, die mit acht Jahren nach Deutschland kam, startete ihre TV-Karriere 1998 beim Musiksender Viva.

Rückkehr zu Wurzeln als Moderatorin

Für ihre unkonventionellen Interviews wurde sie 2004 mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet. All jenen, die nach dem Aufruhr um die «Feuchtgebiete» von ihr erwarten, dass sie ein «Schmuddel-Image» bedient, erteilt sie eine klare Abfuhr. Sie werde in der Sendung «nie über Sex reden». «Ich hab in meinen Vertrag reinschreiben lassen, das Giovanni alle Themen 'untenrum' übernehmen muss», sagte Roche scherzhaft. Dennoch hat sie Verständnis dafür, dass die Leute sie nach dem Medienhype um ihr Romandebüt vor allem damit in Verbindung bringen. «Ich hab dabei ja auch gern mitgemacht. Aber eigentlich bin ich die meiste Zeit meines Lebens Moderatorin gewesen und kehre jetzt zu meinen Wurzeln zurück», sagte Roche.

Am Gesamtkonzept von «3 nach 9» soll sich nichts ändern: «Das ist ja schon Schock genug für die Zuschauer, dass ich da jetzt sitze - da müssen die erst mal mehrere Folgen lang drüber wegkommen.» Dennoch wird es Unterschiede im Vergleich zu ihrer 20 Jahre älteren Vorgängerin Fried geben: «Es ist klar, dass das ganz anders wird, schon weil ich einen ganz anderen Arbeitsstil habe. Zudem sind wir einfach zwei völlig verschiedene Frauen», sagte die 31-Jährige und fügte hinzu: «Natürlich wäre es toll, wenn künftig mehr junge Leute einschalten würden.» Sie selbst schaue die Sendung schon seit Jahren gern und regelmässig, sie sei ein regelrechter «Talkshow-Junkie».

Unvorhergesehenes am besten

Roche arbeitet nach eigener Aussage kaum mit vorbereiteten Fragen: «Für mich sind die besten Momente sowieso immer die, in denen etwas Unvorhergesehenes, Ungeplantes passiert.» Roche würde zukünftig gern «mehr Randale-Menschen», ob prominent oder direkt von der Strasse, einladen: «Gäste, die wissen, dass nur ein paar Minuten Zeit sind, um das Publikum zu gewinnen - auch wenn sie sich im Nachhinein für ihren Auftritt entschuldigen müssen.»

Ihre Traumgäste sind demnach «unangepasste, aber warmherzige Künstlertypen» wie der an Krebs erkrankte Regisseur Christoph Schlingensief, von dem sie hofft, dass sie ihn noch bei «3 nach 9» begrüssen darf.

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