Flucht nach Teilmobilmachung : «Ich will nicht in diesem sinnlosen Krieg sterben»

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Flucht nach Teilmobilmachung «Ich will nicht in diesem sinnlosen Krieg sterben»

Der russische Präsident Putin lässt massenhaft Reservisten für den Krieg gegen die Ukraine einziehen. Deshalb versuchen viele Männer, das Land so schnell wie möglich zu verlassen.

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Autos an der russisch-finnischen Grenze: Viele versuchten angesichts der Teilmobilmachung, Russland zu verlassen.

Autos an der russisch-finnischen Grenze: Viele versuchten angesichts der Teilmobilmachung, Russland zu verlassen.

AFP
Ein Einreisender an der Grenze zur Mongolei berichtete der Nachrichtenagentur AFP, dass er zwölf Stunden lang habe warten müssen, bis er mit dem Auto die Grenze überqueren konnte.

Ein Einreisender an der Grenze zur Mongolei berichtete der Nachrichtenagentur AFP, dass er zwölf Stunden lang habe warten müssen, bis er mit dem Auto die Grenze überqueren konnte.

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«Im 21. Jahrhundert in den Krieg zu ziehen, ist – gelinde gesagt – falsch», sagte ein 39-Jähriger.

«Im 21. Jahrhundert in den Krieg zu ziehen, ist – gelinde gesagt – falsch», sagte ein 39-Jähriger.

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Darum gehts

  • Viele Russen möchten das Land verlassen, um nicht einrücken zu müssen.

  • Vor verschiedenen Grenzübergängen gab es am Donnerstag darum lange Warteschlangen.

  • Wie viele genau zu entkommen versuchen, ist schwierig abzuschätzen.

Angesichts der von Präsident Wladimir Putin angekündigten Teilmobilmachung haben bereits zahlreiche Russen das Land verlassen, um einem Einsatz an der Front zu entgehen. Von den Grenzen zu mehreren Nachbarländern wurden am Donnerstag lange Warteschlangen gemeldet, aktuelle Zahlen von aus Russland flüchtenden Menschen waren zunächst aber nicht bekannt.

Ein Einreisender an der Grenze zur Mongolei berichtete der Nachrichtenagentur AFP, dass er zwölf Stunden lang habe warten müssen, bis er mit dem Auto die Grenze überqueren konnte. Die Ankündigung hatte auch zu einem Ansturm auf Tickets für Auslandsflüge geführt. Laut der in Russland beliebten Buchungsseite «Aviasales» waren alle Direktflüge in die nächstgelegenen ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien, Georgien, Aserbaidschan und Kasachstan am Mittwoch ausgebucht.

«Es ist ein Bruderkrieg»

Auf dem Flughafen von Eriwan in Armenien sagten Russen der AFP, vor der Mobilisierung geflohen zu sein. Der 45-jährige Dmitri liess nach eigener Schilderung Frau und Kinder in der Heimat zurück. «Ich will nicht in diesem sinnlosen Krieg sterben. Es ist ein Bruderkrieg», sagte er.

Die Situation in Russland würde jeden dazu bringen, das Land zu verlassen, sagte ein 44-Jähriger. Sein 17-jähriger Sohn fügte hinzu: «Wir wollen nicht warten, bis wir eingezogen werden.» «Im 21. Jahrhundert in den Krieg zu ziehen, ist – gelinde gesagt – falsch», sagte ein 39-Jähriger, der sich nicht sicher war, ob er jemals wieder nach Russland zurückkehren können würde.

Armenien als wichtiges Exilland flüchtender Russen

Armenien ist seit Kriegsbeginn zu einem wichtigen Exilland für flüchtende Russen geworden – armenische Behörden haben seitdem mindestens 40’000 Ankünfte aus Russland in der ehemaligen Sowjetrepublik verzeichnet. Rund 50’000 Menschen sollen ins benachbarte Georgien geflohen sein. Finnische Grenzbeamte berichteten am Donnerstag, dass die Zahl der Grenzübertritte nur «mässig» gestiegen sei – Russen benötigen dort für die Einreise ein Visum.

Während Polen und die baltischen Staaten in den vergangenen Wochen die Einreise für Russen drastisch beschränkt hatten, erklärte sich Deutschland am Donnerstag bereit, Deserteure der russischen Armee aufzunehmen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte: «Wer sich dem Regime von Präsident Wladimir Putin mutig entgegenstellt und deshalb in grösste Gefahr begibt, kann in Deutschland wegen politischer Verfolgung Asyl beantragen.»

Angeblich meldeten sich in 24 Stunden bereits 10’000

Putin hatte am Mittwoch eine Teilmobilmachung von Russen im wehrfähigen Alter angekündigt. Nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu sollen rund 300’000 Reservisten zur Verstärkung der russischen und separatistischen Kräfte in den Osten und Süden der Ukraine entsandt werden.

Nach Angaben des russischen Militärs meldeten sich binnen 24 Stunden rund 10’000 Menschen, um in der Ukraine zu kämpfen. Sie seien freiwillig und ohne auf die Vorladung zu warten in die Rekrutierungsbüros gekommen, sagte ein Militärsprecher am Donnerstag der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Am Mittwoch waren in Russland bei Protesten gegen die Teilmobilmachung landesweit mehr als 1300 Menschen festgenommen worden, wie die Bürgerrechtsorganisation OVD-Info mitteilte. 

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(AFP/bre)

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