Der neue Stadtrat: «Ich will weder Velo noch Auto verteufeln»
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Der neue Stadtrat«Ich will weder Velo noch Auto verteufeln»

Filippo Leutenegger übernimmt am 7. Mai das Zürcher Tiefbaudepartement. Der neue Chef über Zürichs Strassen sagt, wie er die Geschicke der Stadt lenken will.

von
ann

Sie favorisierten den Tiefbau gegenüber dem Sozialdepartement. Wieso?

Filippo Leutenegger: Es gab ja nur die Wahl zwischen den zwei Departementen und ich habe den Tiefbau leicht bevorzugt, weil es eine besonders schwierige und anspruchsvolle Aufgabe ist. Schwierige Aufgaben sind besonders interessant.

Liegen Ihnen die Themen auch?

Ich war im Nationalrat früher mal in der Verkehrskommission und seit fünf Jahren habe ich raumplanerische Fragen behandelt. Ich denke aber auch, dass ich mithelfen kann, das ideologisch aufgeheizte Thema Verkehr zu beruhigen. Das ist wichtig, in den letzten Jahren waren die Positionen verhärtet.

Sie wollen den Kanton besänftigen?

In der Kommunikation zwischen der Stadt und dem Kanton wurde viel Geschirr zerschlagen. Zürich ist aber eingebettet in den Kanton und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die ganze Schweiz. Darum muss man miteinander das Gespräch pflegen und gemeinsame Lösungen suchen. Das ist in der Schweiz der einzige Weg.

Werden Sie Projekte vorantreiben, die den motorisierten Verkehr einschränken?

Entscheide, die von Volk und Parlament getroffen worden sind, muss ich umsetzen. Und das mache ich auch. Bei der Umsetzung kann ein Stadtrat aber Akzente setzen. Meiner wird sicher Pragmatismus sein. Die Massnahmen sollen etwas nützen, also effizient sein.

Können Sie etwas konkreter werden?

Ich werde bestimmt die Bedeutung der einzelnen Verkehrsträger wie Velo, ÖV und Auto pragmatisch einbringen. Ist ein Verkehrsmittel effizient, sollte man dies auch berücksichtigen. Es sollte weder das eine verteufelt noch das andere glorifiziert werden.

Wollen Sie damit sagen, dass Velo oder ÖV in Zürich bisher glorifiziert wurden?

Nein, aber man sollte das ganze Verkehrssystem im Auge behalten und nicht ein Verkehrsmittel gegen das andere ausspielen.

Harsche Kritik zu Ihrer Departementszuteilung gibt es von den Grünen. Wie reagieren Sie darauf?

Selbstverständlich werde ich auch mit den Grünen das Gespräch suchen. Mir dieses Departement zu geben, war aber ein Mehrheitsentscheid des Stadtrates, inklusive der Linken. Das sollten die Grünen bedenken.

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