26.10.2020 17:58

Grab der Mutter zu früh geräumt«Ich wollte Abschied nehmen, doch das Grab war schon weg»

Tibbi Bracher aus Egerkingen SO wollte am Sonntag Abschied von ihrer verstorbenen Mutter nehmen. Doch sie musste feststellen, dass das Grab bereits geräumt worden war – und das vor dem angekündigten Datum.

Das Grab war bereits entfernt: Der endgültige Abschied von ihrer verstorbenen Mutter blieb Tibbi Bracher verwehrt.

Video: Lara Hofer

Darum gehts

  • Die Gemeinde Egerkingen kündigte im Sommer an, dass ab Montag, 26. Oktober, Gräber der Jahre 2000 und 2001 aufgehoben werden.

  • Am vorangehenden Sonntag ging Tibbi Bracher auf den Friedhof, um sich endgültig von ihrer verstorbenen Mutter zu verabschieden.

  • Mit Schrecken musste sie feststellen, dass das Grab bereits vor Ablauf der angegebenen Frist geräumt wurde.

  • Der Fehler liegt beim Werkdienst: Dieser hatte die Räumung vorgenommen, ohne zuvor in die Publikation der Gemeinde zu blicken.

Im «Anzeiger Thal Gäu Olten» kündigte die Solothurner Gemeinde Egerkingen im letzten August an, dass im Herbst eine Reihe von Gräbern aufgrund der abgelaufenen Ruhezeit aufgehoben werde. Unter anderem würden ab dem 26. Oktober die Urnengräber aus den Jahren 2000 und 2001 geräumt und für spätere Beisetzungen bereitgemacht.

Dieses Datum hatte sich Tibbi Bracher fest eingeprägt, wollte sie doch ein letztes Mal ihre verstorbene Mutter auf dem Friedhof besuchen. Eine Grabräumung sei für sie «wie ein zweites Sterben», sagt Bracher. «Ich hatte mich seit Wochen geistig auf diesen Abschied vorbereitet und mir gut überlegt, was ich ihr sagen will.» Auch ihr Handy habe sie bei sich gehabt, um ein paar letzte Erinnerungsfotos zu schiessen.

«Es war ein dummer Fehler»

Doch als die Egerkingerin am Sonntag an die letzte Ruhestätte ihrer Mutter herantrat, traf sie fast der Schlag: Stein und Schmuck des Urnengrabes waren weg, die Räumung hatte bereits stattgefunden – und das vor Ablauf der angegebenen Frist. «Ich war fassungslos und konnte einen Moment lang keinen klaren Gedanken mehr fassen», sagt Bracher. Als der erste Schreck überwunden war, sei die Wut gekommen: «Wofür publiziert die Gemeinde ein Datum, wenn die Gräber dann doch vorher geräumt werden? Das ist einfach pietätlos.» Andere Besucher erlebten an diesem Sonntag dieselbe böse Überraschung; Bracher zufolge war jemand sogar extra aus Winterthur angereist.

Wie sich auf Anfrage bei Egerkingens Werkhof-Chef Heinz Fischer herausstellt, handelt es sich um ein unglückliches Missverständnis. Für gewöhnlich würden die Gräber nach Ablauf der Ruhefrist Mitte Oktober aufgehoben. Davon sei er auch in diesem Jahr automatisch ausgegangen – und habe sich das Datum in der Gemeindepublikation gar nicht erst angeschaut, sagt Fischer. «Es war ein dummer Fehler von mir, und dafür entschuldige ich mich bei Frau Bracher. Ich hoffe, dass sie darüber hinwegkommt.»

(sul)

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374 Kommentare
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J.R Ipper

27.10.2020, 22:20

Die Gemeindepräsidentin Bartholdi habe ich vermisst, die steht doch sonst vor jede Kamera.

Geld ist alles

27.10.2020, 13:57

Der Grabstein ist weg. Die sterblichen Überreste sind noch im Boden. Der Herr hat sich aufrichtig entschuldigt. Irgendwie habe ich das Gefühl das es hier um Profit gehen könnte. Ein enges Verhältnis sieht für mich persönlich anders aus.

Heinerle

27.10.2020, 11:46

Wenn jemand Stirbt oder uns Verlässt ist das Traurig aber das Leben für die Lebenden geht weiter und wann war die Dame das letzte mal da