Offizielle Jobs-Biografie: «Ich wollte, dass mich meine Kids kennenlernen»
Aktualisiert

Offizielle Jobs-Biografie«Ich wollte, dass mich meine Kids kennenlernen»

Der medienscheue Apple-Gründer hat einem Journalisten Einblick in sein Leben gewährt – bis kurz vor seinem Tod. Dessen Buch über «iSteve» soll Ende Oktober erscheinen.

von
Daniel Schurter
Walter Isaacson (rechts) hat Steve Jobs mehrfach interviewt und wird in wenigen Wochen die offizielle Biografie über den Apple-Chef (links) veröffentlichen. Nach dem Tod des Apple-Chefs trauern auch seine Nachbarn in Palo Alto, Kalifornien. (Bilder: PD / AP, Paul Sakuma / PD)

Walter Isaacson (rechts) hat Steve Jobs mehrfach interviewt und wird in wenigen Wochen die offizielle Biografie über den Apple-Chef (links) veröffentlichen. Nach dem Tod des Apple-Chefs trauern auch seine Nachbarn in Palo Alto, Kalifornien. (Bilder: PD / AP, Paul Sakuma / PD)

Es ist schon vor seinem Tod unglaublich viel veröffentlicht worden über Steve Jobs. Das bewegte Leben des Apple-Gründers in Buchform festzuhalten - an dieser Aufgabe haben sich einige Autoren versucht. Doch kein Werk kann nur annähernd mit dem von Walter Isaacson verglichen werden.

Der renommierte US-Journalist und Schriftsteller konnte als erster Biograf auf die Unterstützung von Steve Jobs zählen. Die beiden fast gleichaltrigen Männer (Isaacson ist 59, Jobs wurde 56) haben in den letzten zwei Jahren an die 50 intensive Gespräche geführt. Nur wenige Wochen vor Jobs Tod fand das letzte persönliche Interview statt. Dies geht aus einem Artikel hervor, den Isaacson für das «Time Magazine» schrieb. Der Beitrag heisst «American Icon» - amerikanische Ikone.

Wochen vor dem Tod

Isaacson besuchte den schwerkranken Apple-Gründer zuletzt in dessen Heim in Palo Alto, Kalifornien. Zu jenem Zeitpunkt habe Jobs gewusst, dass er bald sterben werde. Er habe sein Schlafzimmer ins Erdgeschoss verlegt, weil er zu schwach war zum Treppensteigen. Trotz starker Schmerzen sei Jobs bei klarem Verstand gewesen und habe auch mit Humor geantwortet, schreibt Isaacson.

Beim Abschiednehmen habe ihn die Traurigkeit wie eine Woge erfasst. Um seine Gefühle zu verbergen, habe er die eine Frage gestellt, die ihn beschäftigte: Warum sich Jobs ihm gegenüber geöffnet und bereitwillig erzählt habe, obwohl er doch ansonsten kaum Privates preisgab? Jobs Antwort: «I wanted my kids to know me.» («Ich wollte, dass mich meine Kinder kennenlernen», Anmerk. d. Red.). Er sei nicht immer für seine Kinder da gewesen. Er erhoffe sich vom Buch, dass sie dadurch sein Fehlen und seine Beweggründe besser verstünden. «Ich möchte, dass sie wissen, warum, und dass sie verstehen, was ich getan habe», sagte er laut Isaacson.

Überhaupt machte sich der todkranke Apple-Gründer in den letzten Wochen seines Lebens vor allem Sorgen um seine Liebsten. «Es tat ihm furchtbar leid, dass er uns verlassen musste», sagte seine Schwester laut «New York Times».

Auch mit Feinden gesprochen

Isaacson konnte auch mit Familienmitgliedern, Freunden, Arbeitskollegen und Rivalen des langjährigen Apple-Chefs sprechen. Was viele erstaunen dürfte: Jobs, der als Kontrollfreak und Perfektionist galt, soll die Leute aus seinem privaten Umfeld ermuntert haben, offen Auskunft zu geben über ihn. Das galt auch für Ex-Freundinnen und ehemalige Angestellte, die er gefeuert und sich so zum Feind gemacht hatte.

Jobs habe niemals die Kontrolle darüber verlangt, was geschrieben werde, heisst es. So bestand der Apple-Gründer nicht darauf, seine Biografie vor der Veröffentlichung lesen zu können.

Termin vorverlegt

Der Erscheinungstermin der von Jobs autorisierten Biografie ist dreimal geändert worden. Zuletzt hatte es geheissen, das Buch werde weltweit am 21. November erhältlich sein. Nach dem Tod des Apple-Gründers ist der Termin nochmals deutlich nach vorne verlegt worden - auf den 24. Oktober. Der Versand erfolge «am oder um den 24. Oktober», verspricht der US-Verlag Simon & Schuster auf seiner Website. Gleichentags dürfte das eBook erhältlich sein.

Wer «Steve Jobs» auf Deutsch lesen möchte, muss sich unwesentlich länger gedulden. Der theoretisch früheste Verkaufstermin für die deutsche Erstausgabe ist der 25. Oktober. Dies erklärt die Sprecherin des deutschen Verlages C. Bertelsmann auf Anfrage von 20 Minuten Online. «Wir erhalten das Buch am 24. Oktober aus der Druckerei und liefern es so schnell wie möglich an die Buchhändler aus.»

Titel geändert

Die Verlagssprecherin geht davon aus, dass die deutsche Steve-Jobs-Biografie in den meisten Geschäften zwischen dem 26. und 31. Oktober erhältlich sein wird. Auf Deutsch umfasst das Buch 704 Seiten. Das ist deutlich mehr als das US-Original, das laut Verlag 656 Seiten zählt. Die unterschiedliche Seitenzahl hänge einzig mit der komplexeren deutschen Sprache zusammen, erklärt die Verlagssprecherin. Inhaltlich gebe es keine Unterschiede.

Das Buch, das zunächst «iSteve: The Book of Jobs» heissen sollte, ist ein Bestseller mit Ansage. Es kann seit geraumer Zeit im Internet vorbestellt werden - unter anderem bei Amazon und natürlich im Apple-eigenen iTunes-Store. Die Nachfrage sei riesig, berichtet «The Next Web». Die Vorbestellungen bei Amazon seien - nach Bekanntwerden von Jobs Tod - innert Kürze um 41 800 Prozent gestiegen.

Erfahrener Autor

Während nunmehr zwei Jahren hat der Autor am Apple-Buch gearbeitet. Es ist deutlich umfangreicher geworden als ursprünglich angekündigt. Ende August liess der Autor verlauten, dass er ein neues Schlusskapitel schreiben werde. Zu jenem Zeitpunkt trat Jobs als Apple-Chef zurück und führte kurz davor und nach dem Rücktritt die letzten Gespräche mit seinem Biografen.

Walter Isaacson ist Präsident der US-amerikanischen Denkfabrik Aspen Institute, das als Ausbildungszentrum für Führungskräfte aus aller Welt gilt. Der 59-Jährige hat bereits Biographien über Benjamin Franklin und Albert Einstein geschrieben, die sich millionenfach verkauften. Und er war für den Pulitzer-Preis nominiert.

Von Obama ernannt

Hartnäckigkeit und Ausdauer hat Isaacson schon in jungen Jahren bewiesen. Seine Karriere begann er als Reporter für die Londoner «Sunday Times». Später wurde er Chefredaktor des renommierten «Time Magazine» und arbeitete insgesamt 23 Jahre für das Medienunternehmen. Zu noch grösserer Bekanntheit gelangte er als Chef des US-Nachrichtensenders CNN, den er von 2001 bis 2003 führte. Schliesslich ernannte ihn der US-Präsident Barack Obama zum Vorsitzenden einer Regierungsbehörde mit 750-Millionen-Budget. In dieser Funktion soll er die Qualität der staatlichen Rundfunkdienste im Ausland erhöhen.

«Kein Kommentar»

20 Minuten Online hat Isaacson um eine persönliche Stellungnahme gebeten. Die Antwort kam von einem Assistenten: Walter Isaacson werde (zum jetzigen Zeitpunkt) den Tod von Steve Jobs nicht kommentieren und auch keine Fragen beantworten. Klar ist: Die Tantiemen, die er für das Jobs-Buch erhalten dürfte, werden ihn steinreich machen.

Schon früher sind zahlreiche Bücher über das Leben des Apple-Gründers veröffentlicht worden. Jobs wehrte sich mehrfach mit seinen Anwälten, weil er sich nicht korrekt dargestellt sah. Ein Buch names iCon wurde gar für immer aus den Apple Stores verbannt.

Isaacsons Buch spielt natürlich in einer anderen Liga. Wie es ihm gelingt, Steve Jobs Genialität - und seine Schattenseiten - zwischen Buchdeckel zu fassen, wird sich bald zeigen.

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