Bradley Manning: «Ich wollte den USA nicht schaden»
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Bradley Manning«Ich wollte den USA nicht schaden»

Erstmals darf er sich öffentlich äussern: Der angeklagte Soldat Bradley Manning verlas bei seiner Anhörung eine lange Erklärung, was ihn bewogen hat, 2010 US-Geheimdokumente weiterzugeben.

Bradley Manning droht Jahrzehnte lange Haft. Er wollte mit der Weitergabe geheimer Militärdokumente eine Debatte über «Aussenpolitik und den Krieg allgemein» auslösen. (Video: Reuters)

Der US-Soldat Bradley Manning hat sich vor Gericht schuldig bekannt, Hunderttausende vertraulicher Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks gegeben zu haben. Doch beteuerte der Angeklagte am Donnerstag, er habe den USA nicht schaden wollen. Vielmehr sei es ihm darum gegangen, eine kritische Debatte über die US-Aussenpolitik anzuspornen.

Der 25-jährige Soldat hatte 2009 und 2010 als Geheimdienstanalyst in Bagdad gearbeitet. Er ist vor einem Militärgericht angeklagt, illegal militärische Analysen aus Irak und Afghanistan, diplomatische Depeschen des US-Aussenministeriums sowie weitere als vertraulich eingestufte Papiere und zwei Videos aus den Kampfgebieten an Wikileaks übergeben zu haben. Die Plattform des Australiers Julian Assange veröffentliche 2010 und 2011 tausende Dokumente, hat aber nie die Quelle genannt. Der Fall gilt als die grösste Enthüllung vertraulicher Informationen in der US-Geschichte.

Schuldigbekenntnis

Manning bekannte sich in zehn von 22 Anklagepunkten schuldig. So räumte er ein, mit der Weitergabe der Dokumente Militärvorschriften gebrochen zu haben. Er bestritt jedoch einen Verstoss gegen Spionagegesetze. Die Delikte, zu er denen sich bekannt hat, könnten ihm bis zu 20 Jahre Gefängnis einbringen. Würde er wegen Hilfe für feindliche Mächte verurteilt, droht ihm sogar lebenslange Haft.

In einer vor Gericht verlesenen Erklärung betonte er, er habe sich Sorgen wegen der Enthüllung gemacht, aber letztlich entschieden, dass sie keinen Schaden anrichten werde. Denn die Informationen seien im Militär weit verbreitet gewesen. Die Depeschen sah er nach eigenen Worten als «bestes Beispiel für eine offenere Diplomatie. «Ich glaubte, dass diese Depeschen den Vereinigten Staaten nicht Schaden würden. Allerdings glaubte ich, dass diese Depeschen peinlich wären.»

«Genussvoller Blutrausch»

Erschüttert gewesen sei er über das Video, das einen Luftangriff zeigte, bei dem auch zwei Reuters-Reporter ums Leben gekommen waren. «Der alarmierendste Aspekt des Videos war für mich der offenkundig genussvolle Blutrausch, den das Luftkampfteam hatte», sagte Manning. Er verglich die Handlungen der Soldaten mit einem Kind, das unter einer Lupe Ameisen quält.

Die US-Regierung hatte erklärt, die Veröffentlichung habe militärische und diplomatische Quellen bedroht und das Verhältnis der USA zu anderen Ländern belastet. Mannings Anhänger sehen ihn ihm einen Helden, der Kriegsverbrechen aufgedeckt und zum Beginn des Arabischen Frühlings beigetragen habe. (sda)

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