In Falle gelockt und angeschossen: «Ich wollte der Katze nur einen Denkzettel verpassen»
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In Falle gelockt und angeschossen«Ich wollte der Katze nur einen Denkzettel verpassen»

Wegen mehrfacher Tierquälerei musste sich am Mittwoch ein Mann vor der dem Bezirksgericht Andelfingen verantworten. Nun wurde ein Urteil gefällt.

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Katze in Falle gelockt und angeschossen: Am Mittwoch musste sich ein Mann wegen mehrfacher Tierquälerei vor Gericht verantworten. 

Katze in Falle gelockt und angeschossen: Am Mittwoch musste sich ein Mann wegen mehrfacher Tierquälerei vor Gericht verantworten.

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Das Bezirksgericht Andelfingen hat den 75-Jährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten und einer Busse von 3000 Franken verurteilt.

Das Bezirksgericht Andelfingen hat den 75-Jährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten und einer Busse von 3000 Franken verurteilt.

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Darum gehts

  • Katze Gini wurde im Januar 2019 in eine Falle gelockt und angeschossen.

  • Das Tier überlebte schwer verletzt.

  • Nun stand am Mittwoch ein Rentner wegen mehrfacher Tierquälerei vor dem Bezirksgericht Andelfinden.

Immer wieder hatte sich ein Rentner aus dem Kanton Zürich über die Katzen in seinem Garten geärgert. «Sie fressen alle Vögel. Früher hatten wir bis zu 30 verschiedene Arten bei unserem Futterhäuschen. Heute muss ich mich freuen, wenn überhaupt mal ein Vogel kommt», sagte der 75-Jährige am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Andelfingen ZH.

Dabei sei ihm besonders eine rothaarige Katze ein Dorn im Auge gewesen. Aus Frust stellte er im Januar 2019 eine Lebendfalle in seinem Garten auf. Als Köder legte er Wurstware rein. In die Falle tappte aber nicht die rothaarige Katze, sondern Nachbarskatze Gini. Trotzdem feuerte der 75-Jährige zweimal mit einem Luftgewehr auf das eingesperrte Tier. «Ich dachte, ich hätte die Katze nicht verletzt. Es war ja nur ein Luftgewehr.»

Danach öffnete er laut Anklageschrift die Falle und liess Gini frei. Das Tier schleppte sich schwer verletzt nach Hause. Es erlitt Verletzungen an Lunge, Magen und Dünndarm und einem Durchschuss des Zwerchfells. Nur dank der raschen medizinischen Behandlung in einer Tierklinik überlebte Gini, wie es in der Anklageschrift weiter heisst.

Vor Gericht sagte der Beschuldigte: «Ich habe einen Blödsinn gemacht und muss dazu stehen.» Er beteuert aber: «Ich wollte die Katze nicht absichtlich quälen. Ich wollte ihr nur einen Denkzettel verpassen, damit sie nicht mehr die Vögel frisst, die ich im Winter füttere.»

«Brutal und sehr verwerflich»

Auf eine Entschuldigung wartet die Katzenbesitzerin bis heute: «Ich hatte nie Kontakt mit ihr gesucht. Ich habe ihr nichts zu sagen.» Die Tierarztkosten in der Höhe von rund 10’000 Franken bezahlte er. Auf die Frage des Richters, wie er heute zu Waffen stehe, sagte der 75-Jährige: «Finger weg von Gewehren und Pistolen – ich habe alles verkauft. Ich habe nicht einmal mehr eine Steinschleuder.»

Für die Staatsanwaltschaft war das Verhalten des Rentners «brutal und sehr verwerflich», wie die Staatsanwältin sagte. Wäre Gini ein Mensch, würde man von einem Mordversuch sprechen, so die Anklägerin weiter. Dies gebe es im Tierschutzgesetz aber nicht.

Sein Anwalt räumte ein, dass es «sicher ein unglücklicher Entscheid» war, auf die Katze zu schiessen. Er hatte eine bedingte Geldstrafe gefordert, konkret 90 Tagessätze zu 90 Franken. Dies sei angemessen. Der Aufwand, den die Staatsanwältin für diesen Fall betrieben habe, sei ja «wie für eine Mordermittlung».

Aussergewöhnlich hartes Urteil

Das Bezirksgericht verurteilte den Rentner schliesslich zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten und einer Busse von 3000 Franken. Mit seinem Urteil folgte das Bezirksgericht grösstenteils dem Antrag der Staatsanwältin, die eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten gefordert hatte.

Dies ist ein für Schweizer Verhältnisse aussergewöhnlich hartes Urteil. Delikte gegen Tiere werden für gewöhnlich nur mit bedingten Geldstrafen bestraft. Das Tierschutzgesetz werde mancherorts nicht ganz ernst genommen, sagte der Richter bei der Urteilseröffnung. «Unser Gericht ist aber nicht bereit, sich da einzureihen und Tierquälerei zu verharmlosen.»

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der ehemalige Sportschütze kann es noch ans Obergericht und ans Bundesgericht weiterziehen.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

(sac, SDA)

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