Brand in Kathedrale: «Ich wollte grossen Schaden anrichten»
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Brand in Kathedrale«Ich wollte grossen Schaden anrichten»

Ein 62-jähriger Schweizer, der Anfang Januar einen Brandanschlag auf die St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn verübt hat, soll zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt werden.

Ein 62-jähriger Schweizer hat sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern für den Brandanschlag auf die St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn verantworten müssen. Der Staatsanwalt fordert vier Jahre Gefängnis und eine stationäre therapeutische Massnahme.

Vor dem Amtsgericht sass ein kaum auffallender Mann mit grauen Haaren und feiner Brille. Seinen dunklen Pullover trug er locker über den Schultern.

Er wirkte wie ein Frührentner. Seit dem Brandanschlag auf das imposante Gotteshaus in der Solothurner Altstadt am 4. Januar befindet er sich in Haft.

Fachmännisch und kenntnisreich versuchte er dem Gericht die Brandstiftung zu erläutern. Letztlich wirkten seine Aussagen weitgehend wirr und kaum nachvollziehbar. «Ich wollte einen massiven Schaden anrichten», betonte er.

Keine Reue

Auf die Frage des Amtsgerichtsvorstehers, ob er die Brandstiftung erneut machen würde, gab der Angeklagte zu Protokoll: «Solche Kunst macht man nur einmal.»

Er habe die «Bevölkerung aufrütteln und Aufsehen erzielen» wollen, sagte der Geständige. Die Brandstiftung mit rund zwanzig Litern Benzin bezeichnete er als «massgeschneidert». Er zeigte keine Reue.

Beim Brand entstand ein Sachschaden von 3,5 Millionen Franken. Die 1773 fertiggestellte St.-Ursen-Kathedrale wird derzeit renoviert und bleibt daher bis Herbst 2012 geschlossen.

Stationäre Therapie gefordert

Der Staatsanwalt beantragte für den Schweizer wegen qualifizierter Brandstiftung eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Er forderte für den Mann vor allem eine stationäre therapeutische Massnahme.

Diese sieht vor, dass er in eine geschlossene psychiatrisch- forensische Klinik eingewiesen wird. Wie lange die Therapie dauert, wird von deren Erfolg abhängen. Das Gericht wird das Urteil am Mittwoch eröffnen.

Auch im Falle einer Verurteilung durch das Amtsgericht droht dem Angeklagten kein Gefängnisaufenthalt. Sollte die Massnahme nach weniger als vier Jahren erfolgreich sein, kommt er auf freien Fuss. Wenn die Behandlung jedoch mehr als vier Jahre dauert, muss der Angeklagte länger in der geschlossenen Klinik bleiben.

Gutachten: Mann hat Wahnvorstellungen

Der Pflichtverteidiger forderte für seinen Mandanten einen Freispruch. Der Angeklagte sei nicht schuldfähig. Der Verteidiger sprach sich jedoch wie der Staatsanwalt für die Anordnung einer stationären Massnahme aus.

Das Handeln des Angeklagten habe «Demonstrativcharakter» gehabt. Dieser habe sich ungerecht behandelt gefühlt und daher zu «Selbstjustizmitteln» gegriffen. Der Mann habe ein «Fegefeuer» veranstalten wollen, um die katholische Kirche zu schädigen.

Ein psychiatrisches Gutachten attestierte dem geständigen Brandstifter eine schwer verminderte Zurechnungsfähigkeit. Er habe eine paranoide Persönlichkeitsstörung und Wahnvorstellungen, sagte der Gutachter. Die psychischen Störungen seien nur schwer behandelbar.

Bahnpassagiere erschreckt

Der Schweizer musste sich vor Gericht auch für zwei frühere Taten verantworten. Im März 2009 hatte er beim Bahnhof Olten-Hammer SO eine aus Abfallstücken zusammengeschweisste Stahlkonstruktion auf das Bahngeleise gelegt, um einen Zug entgleisen zu lassen. Ein Zug drückte die Konstruktion allerdings weg, ohne dass Menschen oder Sachen geschädigt worden wären.

Im Juli 2010 zog sich der Mann auf einer Zugfahrt von Göschenen UR nach Airolo TI eine zuvor selbst gebastelte Weste über. Er drohte den Fahrgästen, die Weste in fünf Minuten zu zünden. Es kam niemand zu schaden. Der Angeklagte gestand auch diese Taten. (sda)

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