Bad News für 150 Hühner: «Ich wollte kämpfen, muss aber das Handtuch werfen»
Aktualisiert

Bad News für 150 Hühner«Ich wollte kämpfen, muss aber das Handtuch werfen»

150 Hühner sind im Thurgau vor zwei Wochen dem Tod von der Schippe gesprungen. Jetzt werden sie möglicherweise dennoch getötet, obwohl dutzende Personen sie adoptieren wollen.

von
jeb

«Wir hatten Anfragen aus der ganzen Schweiz von Leuten, die Hühner aufnehmen wollen», erzählt Reinhold Zepf, Präsident des Tierschutzverbandes Thurgau (TTSV). Von überall her werde er beglückwünscht und ihm würden Mut und Kraft zugesprochen, sich für die 150 Hühner einzusetzen, die vor zwei Wochen in einem Wald bei Happerswil TG ausgesetzt wurden.

Doch zur Adoption von Hühnern wird es wohl nicht kommen. Der TTSV teilte am Freitag mit, dass es unmöglich sei, die Tiere bei verantwortungsvollen Haltern zu platzieren, geschweige denn sie zu retten. Grund dafür seien die Auflagen des Thurgauer Veterinäramtes. Das Amt stelle sich auf den Standpunkt, die Tiere seien nicht lebensfähig und müssten wegen drohender Haltungsschäden getötet werden. Ausserdem untersage das Amt die Fremdplatzierung der Hühner, so der Tierschutzverband in der Mitteilung vom Freitag.

Der Präsident des Verbandes ist der Meinung, dass das Veterinäramt die Tiere von Anfang an umgehend töten wollte. Noch Wald bei Happerswil intervenierte vor zwei Wochen Reinhold Zepf, Präsident des Tierschutzverbandes Thurgau: «Die Amtstierärztin wollte 150 Hühner vorsorglich und fahrlässig vernichten», empörte sich Zepf vor acht Tagen gegenüber 20 Minuten. «Ich kam gerade noch rechtzeitig zum Tatort im Wald bei Happerswil, um die unnötige Tötung von 150 Hühnern zu verhindern.» Als Zepf im Wald ankam, war das Schicksal der Hühner eigentlich schon besiegelt. «Die Amtstierärztin hatte schon entschieden, dass die Tiere geschlachtet werden – wegen Seuchengefahr.»

Bürokratie verhind Rettung

Tests vom Veterinäramt hatten später ergeben, dass die Tiere seuchenfrei sind. In der Zwischenzeit wurden die Hühner von Zepf bei einem Bauern untergebracht, auf Kosten des TTSV. «Die Hühner sind heute gesund und munter», so Zepf. Er würde ihnen gerne einen würdigen Lebensabend bei diversen «Adoptiveltern» ermöglichen, doch das sei nicht möglich. Denn die Hühner gelten als beschlagnahmt, zu Händen der Staatsanwaltschaft und des Veterinäramtes.

«Dem Veterinäramt ist es aber offenbar wichtiger, dass die Hühner aus der Welt geschafft werden, als dass ihnen die Chance auf ein tiergerechtes, glückliches Leben gegeben wird. Es will diese schlachten», heisst es in der Mitteilung vom TTSV. Weiter heisst es, dass Veterinäramt verlange, dass die Tiere nicht an Dritte weiter gegeben werden, dass Hühner, welche gestorben sind, tiefgekühlt aufbewahrt werden müssen, und weitere bürokratische Massnahmen. Unter diesen Umständen sei es dem TTSV unmöglich, die Tiere zu retten, was der Verband sehr bedauere.

«Ich wollte für die Hühner kämpfen»

Was mit den Hühnern genau passieren wird, ob und wann sie allenfalls getötet oder geschlachtet werden, ist unklar. Der Ball liege beim Veterinäramt, so Zepf.

Das Amt wollte am Freitag nicht zu konkreten Fragen Stellung nehmen, nur so viel: «Das Veterinäramt hat keine Kenntnis über eine Mitteilung seitens des TTSV und hat ausser den bereits bekannten von keinen Vorwürfen Kenntnis. Die Tiere sind nach wie vor in einer den Anforderungen der Tierschutzgesetzgebung entsprechenden Haltung unter der vollen Verantwortung der derzeitigen Halter untergebracht.»

Für Zepf ist das Ganze ein Desaster: «Ich wollte für die Hühner kämpfen, doch ich musste das Handtuch werfen.» Immerhin: Viele hätten nun von den unwürdigen Bedingungen, unter denen Masthühner gezüchtet werden, erfahren. «Es werden millionenfach Lebewesen derart qualgezüchtet, dass sie nur wenige Wochen leben können», so der TTSV in der Mitteilung. «Die Werbung zeigt glücklich pickende Hühner unter einem Baum auf einem Bauernhof. Die Realität ist aber eine andere.»

Ausgesetzt hatte die Hühner ein 23- Jähriger aus Weinfelden. Wieso, ist nach wie vor unklar.

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