So wars auf der «Allegra»: «Ich wollte keine Salami länger bleiben»
Aktualisiert

So wars auf der «Allegra»«Ich wollte keine Salami länger bleiben»

Kein Strom, defekte Toiletten und den ganzen Tag nur Brot und Wurst: Die ersten Passagiere erzählen an der Hafenmole von Mahé von ihrem dreitägigen Abenteuer an Bord der «Costa Allegra».

von
hag

Die havarierte «Costa Allegra» ist am Donnerstagmorgen auf den Seychellen angekommen und hat dabei im Hafen der Hauptinsel Mahé angelegt. Für die Passagiere gingen damit drei anstrengende Tage zu Ende. Einige von ihnen berichteten direkt an der Hafenmole von ihren Erlebnissen und wie sie die Tage, an denen das manövrierunfähige Kreuzfahrtsschiff auf dem Indischen Ozean trieb, erlebten.

«Wir waren alle entspannt an Deck am Sonnenbaden, als plötzlich furchtbarer Rauch aus den Kaminen kam», erzählt eine ältere Passagierin gegenüber der BBC. Niemand habe genau gewusst, was los war. Sofort wurden sämtliche Crew-Mitglieder zu ihren jeweiligen Einsatzräumen gerufen. Sie selbst seien in die Kabinen gegangen, um die Schwimmwesten zu holen. Anschliessend sollten sich alle Passagiere an Deck versammeln und sich in Reihen aufstellen. «Anfangs war die Organisation recht chaotisch», so die Frau. Alle hätten gedacht, sie müssten das Schiff verlassen, da niemand genau wusste, wie gross das Feuer im Maschinenraum wirklich war.

Wasser, Weissbrot und Salami

Die Crew hatte die Rettungsboote bereits zur Hälfte ins Wasser gelassen, als die Information kam, dass das Feuer gelöscht und die Gefahr gebannt sei. «Aber natürlich fiel alles aus. Es gab kein Licht, keine Klimaanlage. Keine funktionierenden Toiletten, nichts. Es war schrecklich», erzählt die Frau aufgeregt.

Zur Versorgung mit Lebensmittel sagte die Frau, es habe ausreichend Trinkwasser gehabt, nur das Essen sei etwas eintönig gewesen: «Drei Tage lang gab es morgens, mittags und abends das gleiche: Weissbrot mit einer Scheibe Salami drauf. Das war alles. Glauben Sie mir, ich wollte keine Salami länger auf dem Schiff bleiben.»

Costa Allegra wird abgeschleppt

(Video: YouTube/AP)

Übler Geruch in den Kabinen

Eine 62-jährige belgische Passagierin bestätigt gegenüber der französischen Nachrichtenagentur afp, es sei eine sehr anstrengende Überfahrt gewesen und sie sei froh, dass nun alles vorbei sei. «Wegen der defekten Klimaanlage und wegen des Gestanks in den Kabinen, - die Toilettenspülung fiel aus - mussten wir an Deck schlafen», beschreibt sie die Situation an Bord. Es habe genug zu Essen gegeben, aber nichts Warmes. «Wir haben viel Brot gegessen.»

Auch das amerikanische Rentner-Paar Gordon und Eleanor Bradwell ist froh, dass die Odyssee zu Ende ist. «Die Toiletten sind übergelaufen», sagte die Frau. «Es hätte schlimmer kommen können», beschwichtigt ihr 72-jähriger Mann. «Es hätte katastrophal werden können. Wir sind hier, wir sind am Leben.» Ein 82-jähriger Franzose sagte nur: «Es war schrecklich!»

Das Rote Kreuz hat im Hafen Zelte aufgebaut, um die Passagiere zu versorgen. Mit Bussen werden sie anschliessend in Hotels gebracht. Einige Passagiere wollten sofort - mit Charterflugzeugen - nach Europa zurückkehren, andere setzen ihre Ferien auf Kosten der Reederei auf den Seychellen fort.

(Video: YouTube/tempoGold1)

Augenzeugen gesucht

Waren Sie an Bord der «Costa Allegra»? Kennen Sie jemanden? Dann schicken Sie ein Mail an: feedback@20minuten.ch oder senden Sie ein MMS an 2020 oder kontaktieren Sie uns via Leser-Reporter-Funktion auf der 20Minuten-App.

(YouTube/euronews)

Die Einfahrt der «Costa Allegra» in den Hafen

(Video: YouTube/2MSF)

Augenzeugen gesucht

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Nationalität und jeweilige Anzahl der Passagiere an Bord:

Italien 135

Frankreich 127

Österreich 97

Schweiz 90

Deutschland 38

Grossbritannien 31

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