Riehen BS: «Ich wollte nicht, dass es auf die Strasse rennt»

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Riehen BS«Ich wollte nicht, dass es auf die Strasse rennt»

Einem News-Scout ist in Riehen ein seltenes Albino-Reh vor seinem Balkon vor die Linse gelaufen. Das Tier habe einen verwirrten Eindruck gemacht. Inzwischen ist es in Sicherheit.

von
Jeanne Dutoit
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Dieses Tier ist eine Erscheinung. In Riehen verirrte es sich diese Woche auf ein Gartengrundstück.

Dieses Tier ist eine Erscheinung. In Riehen verirrte es sich diese Woche auf ein Gartengrundstück.

News-Scout
Weisse Rehe sind sehr selten. In Riehen bei Basel wird immer wieder mal eines gesichtet. Das Albino-Kitz ist inzwischen wieder in Sicherheit.

Weisse Rehe sind sehr selten. In Riehen bei Basel wird immer wieder mal eines gesichtet. Das Albino-Kitz ist inzwischen wieder in Sicherheit.

News-Scout
Das weisse Tier lebt in der Region Riehen BS und wird immer wieder von News-Scout fotografiert, wie hier im Dezember 2022. Wildhüter Walo Stiegeler appelliert: «Die Tiere sollten in Ruhe gelassen werden. Die Wege dürfen von Passantinnen und Passanten nicht verlassen werden.»

Das weisse Tier lebt in der Region Riehen BS und wird immer wieder von News-Scout fotografiert, wie hier im Dezember 2022. Wildhüter Walo Stiegeler appelliert: «Die Tiere sollten in Ruhe gelassen werden. Die Wege dürfen von Passantinnen und Passanten nicht verlassen werden.»

News-Scout

Darum gehts

«Ich musste zwei Mal hinschauen», sagt ein News-Scout, dem es am frühen Dienstagnachmittag gelungen ist, in Riehen BS ein weisses Reh zu fotografieren. Er habe das Bild von seinem Balkon aus geschossen. «Zwischen mir und dem Reh waren fünf Meter Luftlinie», schildert er. Es habe einen verwirrten Eindruck gemacht, da es sich auf dem eingezäunten Gartengrundstück eines Schulhauses aufhielt. «Es wollte weg und sprang ein paar Mal gegen den Zaun.»

Der News-Scout sorgte sich um das Reh, wie er gegenüber 20 Minuten erzählt. «Ich wollte nicht, dass es auf die Strasse rennt», darum habe er die Polizei informiert, bevor er die Szene wieder verlassen musste. 

«Lasst dem weissen Reh seine Ruhe»

Wildhüter Walo Stiegeler kennt das weisse Reh, ein Kitz. Er warnt davor, die Tiere unnötig zu stressen und damit in Gefahr zu bringen. Das Reh habe Anfang Woche einen Weg auf das Gartengrundstück gefunden. Es sei wohl unter dem Zaun durchgeschlüpft. «Die Tiere sind scheu, fotografiert man sie und kommt ihnen zu nahe, schaltet ihr Hirn ab.» Vor lauter Stress habe es den Durchschlupf und den Weg nach draussen nicht mehr gefunden.

Dass das Reh mehrfach gegen den Zaun gesprungen sei, sei sehr gefährlich. «Am Schluss rennt es auf die Strasse, wird angefahren oder verletzt sich am Hag. Uns bleibt dann nichts anderes übrig, als das Tier zu erlösen und zu schiessen», ordnet Stiegeler ein. So weit kam es nicht. Das Reh konnte inzwischen in Sicherheit gebracht werden und sei wohlauf, war am Donnerstag zu erfahren.

Der Wildhüter appelliert an diejenigen, die das weisse Reh oder auch andere Rehe sichten, die Wege im Wald oder im Naherholungsgebiet nicht für ein Foto zu verlassen. «Lasst dem weissen Reh seine Ruhe», insistiert Stiegeler. Falls sich das Albino-Kitz im Siedlungsgebiet aufhält, muss Abstand gehalten werden und es dürfe auf keinen Fall aufgeschreckt werden.

Weisses Reh bei Fondation Beyeler

Weisse Rehe sind ausgesprochen selten. Darum werden sie von Jägern auch nicht geschossen. Der Volksmund besagt, dass das Schiessen eines weissen Rehs Unglück und Tod bringen würde. In der Region werden immer wieder Rehe gesehen. Etwa auf dem Friedhof Hörnli, wo sie sich gerne über den Grabschmuck hermachen.

Kurz vor Weihnachten entdeckte ein 18-jähriger News-Scout beim Spazieren bei der Fondation Beyeler in Riehen ebenfalls ein Albino-Reh. Es könnte sich um das gleiche Tier handeln, das nun erneut gesichtet wurde.

Mercedes überführ Albino-Bock

Im Naherholungsgebiet Langen Erlen lebte vor ein paar Jahren ebenfalls ein Albino-Reh. An einem Samstagmorgen im Frühling 2020 wurde es von einem Mercedes auf der Strasse erfasst und erlitt bei der Kollision schwere Verletzungen. Die Polizei erschoss den Bock, um ihn zu erlösen.

Yannick Bucher, Ranger im Landschaftspark Wiese, sagte damals, dass sie schon länger von dem besonderen Männchen wussten, das Geheimnis jedoch wahrten. «Wir versuchten, ihn auch ein wenig zu schonen, damit er nicht durch Fotografen gestört wird», sagt er. «Wir hielten ihn quasi unter Verschluss.»

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 0800 211 222 (bei Notfällen) 

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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