Dominique Aegerter im Interview - «Ich wollte nicht schon wieder 400'000 Franken selber investieren»
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Dominique Aegerter im Interview«Ich wollte nicht schon wieder 400'000 Franken selber investieren»

Eigentlich würde der Schweizer Töff-Star Dominique Aegerter gerne in der Moto2 fahren. Doch weil er nicht 400’000 Franken einbringen wollte, fährt er jetzt in der MotoE und in der Supersport-WM.

von
Nils Hänggi
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Dominique Aegerter geht es gut. Der Schweizer Töff-Star macht das, was er liebt. 

Dominique Aegerter geht es gut. Der Schweizer Töff-Star macht das, was er liebt.

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Am Wochenende fuhr er zum Saisonstart in der MotoE in Jerez auf Platz zwei. 

Am Wochenende fuhr er zum Saisonstart in der MotoE in Jerez auf Platz zwei.

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Im Interview mit 20 Minuten sagt er: «Ich liebe es einfach. Es ist meine Leidenschaft. Geschwindigkeit, Adrenalin. Ich mag es, mich mit anderen zu messen. Der Beste zu sein. Töfffahren ist mein Leben.»

Im Interview mit 20 Minuten sagt er: «Ich liebe es einfach. Es ist meine Leidenschaft. Geschwindigkeit, Adrenalin. Ich mag es, mich mit anderen zu messen. Der Beste zu sein. Töfffahren ist mein Leben.»

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Darum gehts

  • Am Wochenende fuhr der Schweizer Töff-Star Dominique Aegerter (30) in der MotoE auf Rang zwei.

  • Im Interview spricht er nun über seine Karriere – und die Ziele, die er noch hat.

  • So sagt er beispielsweise: «Das Ziel ist schon, dass ich wieder in der Moto2 fahren werde.»

  • Und: «Doch ich will nicht in ein Team, bei dem ich Geld mitbringen müsste, um dann noch nur hinterherzufahren, weil das Material des Teams einfach nicht so gut ist.»

Dominique, am Wochenende hattest du dein erstes Saisonrennen in der MotoE, bist aufs Podest gefahren. Wie geht es dir?

Dominique Aegerter: Ja, mir geht es gut. Ich bin wunderbar von Jerez nach Hause gereist. Hatte vom Rennen am Wochenende, vom Start in die Saison, sicherlich noch mehr erwartet. Aber ja, der zweite Platz ist sicherlich gut. Ich kann zufrieden sein.

Vor allem wolltest du in der letzten Runde ja nochmals attackieren, bist dann aber beinahe gestürzt …

Die acht Runden bei den MotoE-Rennen sind immer sehr kurz. Ich sah, wie viele Fahrer stürzten und wollte dann eigentlich nicht mehr zu viel riskieren. Doch in der letzten Runde gab ich nochmals Gas. Ich wollte den ersten Platz, attackierte nochmals. Dann habe ich einmal etwas zu viel am Gasgriff gedreht und bin fast vom Töff gefallen. Also habe ich danach lieber die Punkte für den zweiten Rang genommen.

Was sind denn deine Saisonziele? Du fährst ja nicht nur in der MotoE sondern auch in der Supersport-WM …

Die sind ganz klar. Ich will zu den Besten gehören. In der MotoE hatte ich jetzt das erste Rennen, in der Supersport-WM habe ich es in ein paar Wochen. Die ersten Tests gingen gut. Ich freue mich aufs Team. Aber ich muss schauen, wie es läuft. In der MotoE ist es verdammt wichtig, immer ganz vorne zu sein. Die Saison geht nur acht Rennen lang. Wenn du einmal schlecht fährst, hast du ein Problem.

Wie gross sind die Chancen, dass du Ende der Saison zweifacher Weltmeister bist?

(lacht) Sicherlich nicht einfach. Vor allem auch, weil ich an einem Wochenende zwei Rennen habe. Das wird ein grosser Stress, muss vielleicht einmal gar aussetzen. Aber wer weiss. Ich muss einfach konstant fahren. Nicht nur jetzt, auch im Sommer und Herbst. Auch dann sind nämlich noch Rennen. Aber ja, wenn ich konzentriert fahre, werde ich am Schluss vorne stehen.

Die Corona-Pandemie trifft dich auch?

Corona kommt dazu. Ich muss immer einen negativen Test vorweisen können. Im Ernst: Ich muss mich so oft testen lassen! Jede Woche sicherlich zwei PCR-Tests. Ich brauche sie fürs Fliegen, das Fahrerlager und nachher dann für die Rückreise in die Schweiz. Bei der MotoE werden die Kosten vom Team übernommen. Bei den Tests für die Supersport-Serie muss ich die Kosten selber zahlen.

Du bist jahrelang in der Moto2 gefahren. Vermisst du die Serie?

Ja. Das Ziel ist schon, dass ich wieder in der Moto2 fahren werde. Doch ich will nicht in ein Team, bei dem ich Geld mitbringen müsste, um dann nur hinterherzufahren, weil das Material des Teams einfach nicht so gut ist. In Jerez habe ich das Moto2-Rennen auch angeschaut und ja: Wenn die Moto2- oder die MotoGP-Töffs durchfahren, stellt es mir jedes Haar am Körper auf. Ich weiss nicht, ob mir das Gleiche passieren würde, wenn ich ein MotoE-Rennen anschauen würde.

Hättest du denn die Möglichkeit gehabt, Moto2 zu fahren?

Bei NTS oder MV Agusta hätte ich fahren können. Vielleicht bei anderen Teams auch noch. Doch ich hätte 300’000 bis 400’000 Franken mitbringen müssen. Und das wollte ich nicht. 2018 und 2019 habe ich das schon gemacht. Das wollte ich nicht mehr. Bei den Teams zahlt man Geld und das Material reicht dann doch nicht für die Top zehn.

Jetzt musstest du kein Geld mitbringen?

Nein. Bei der MotoE bekomme ich ein Salär. Und so sollte es doch sein. Wenn man arbeitet, sollte man Geld bekommen – und nicht extra zahlen (lacht). 2018 musste ich von meinem Ersparten nehmen. Seitdem ich mit dem Töfffahren begonnen habe, lebe ich von den Sponsoren. Das, was es vom Team gibt oder von den Prämien, das genügt nicht. Davon kann man nicht leben.

Was hast du denn lieber: MotoE oder Supersport?

Ganz klar Supersport. Bei den Töffs kann man schalten, sie machen Lärm und sie stinken. Auch haben sie viel mehr Power als so ein MotoE-Töff.

Und was liebst du so am Töfffahren insgesamt?

Ich liebe es einfach. Es ist meine Leidenschaft. Geschwindigkeit, Adrenalin. Ich mag es, mich mit anderen zu messen. Der Beste zu sein. Töfffahren ist mein Leben.

Du bist jetzt 30 Jahre alt. Welche Ziele hast du noch?

Grundsätzlich schaue ich von Rennen zu Rennen. Langfristig will ich aber eben schon in die Moto2 zurückkehren – auch wenn ich mit 30 vielleicht schon alt für ein Töfffahrer bin. Wenn das nicht klappt, will ich im Superbike für ein Werkteam oder als Testfahrer in der MotoGP fahren. Kurz: Ich will sicherlich so lange auf einem Töff sitzen, wie ich schnell bin und Spass habe.

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