Weg von Social Media: «Ich wollte weg vom Handy und Social-Media und ging darum ins Kloster»
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Weg von Social Media«Ich wollte weg vom Handy und Social-Media und ging darum ins Kloster»

Das Smartphone mehrere Tage in eine Schublade stecken und den Kopf durchlüften – viele träumen von einem solchen Digital Detox. Der 21-jährige David Beer, Model und Influencer, hat es tatsächlich getan.

von
Dominique Zeier
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Model und Influencer David Beer hat einen Digital Detox durchgemacht.

Model und Influencer David Beer hat einen Digital Detox durchgemacht.

David Beer
Dabei hat er fünf Tage lang auf sein Smartphone verzichtet. 

Dabei hat er fünf Tage lang auf sein Smartphone verzichtet.

David Beer
Die Zeit verbracht hat er im Benediktinerkloster in Engelberg.

Die Zeit verbracht hat er im Benediktinerkloster in Engelberg.

Kloster-engelberg.ch

Darum gehts

  • Eine Arbeitswoche lang hat David Beer dem Internet und dem Rest der Welt den Rücken gekehrt.

  • Für einen Digital Detox ist der Influencer in ein Kloster in Engelberg gezogen.

  • Die Tage seien anstrengend aber auch äusserst bereichernd gewesen.

  • Mit 20 Minuten hat er über diese Erfahrung gesprochen.

Handys, Tablets und Computer sind unsere ständigen Begleiter – während der Corona-Zeit mehr denn je. Ein häufiger und lang anhaltender Smartphone-Gebrauch wird in der Wissenschaft aber auch immer wieder mit einem Risiko, an Depressionen, Stress oder Schlafstörungen zu leiden, in Verbindung gebracht.

Aus erster Hand erfahren hat dies David Beer, Schweizer Model und Influencer. «Ich habe gemerkt, dass ich mich selbst plötzlich nicht mehr richtig gespürt habe», erklärt der 21-Jährige. Das sei durch den ganzen Stress der Pandemie und der ständigen Flut an Informationen und dem vermehrten Gebrauch von Social Media nur noch verschlimmert worden. Daher entschied er sich dafür, eine Woche einen Digital Detox durchzuführen.

Ab ins Kloster

Digital Detox – oder ein digitaler Entzug – bedeutet, Abstand zu allen Plattformen und Geräten zu halten, die sonst so viel Aufmerksamkeit einnehmen. «Ich wollte einfach weg von meinem Handy und von Social-Media-Seiten wie Instagram», so Beer. Also buchte er sich fünf Tage lang in das Benediktinerkloster in Engelberg zum Digital Detox ein.

«Gleich zu Beginn musste ich technologische Geräte und andere Luxusgüter, die ich bei mir hatte, abgeben, das war schon ein seltsames Gefühl», erzählt das Model. Als er auf sein Zimmer geführt worden sei, habe er erst einmal gar nicht gewusst, was er mit sich anfangen solle. «Da gab es halt nur eine Bibel und die weisse Wand.»

Die ersten zwei Tage lang sei der Digital Detox wirklich anstrengend gewesen. «Ich habe nur auf das Essen gewartet und bin zu den Gebeten gegangen, weil das das einzige war, was man eben tun konnte. Mir war das am Anfang wirklich unwohl und ich habe mich ständig gefragt, wie ich mich jetzt denn unterhalten soll.» Dabei habe Beer mehr Anschiss als spirituelle Erleuchtung empfunden. Auch sein Handy habe er vermisst und sich ständig gefragt, welche Nachrichten er denn gerade verpasse.

Gute Vorsätze

«Ab dem dritten Tag hat es dann aber Klick gemacht», erzählt er. Im Kloster habe er einen Raum mit einem Klavier gefunden, auf dem er gerne gespielt habe. Ausserdem sei plötzlich eine Ruhe in ihn eingekehrt, die er vorher nicht gekannt habe. «Ich bin in meinem Zimmer gesessen und habe einfach nur ins Leere gestarrt, weil mein Gedankenfluss so ruhig geworden ist. Ich habe gelernt, den gleichmässigen Rhythmus der Tage zu geniessen und habe begonnen, mir zu allem Möglichen tiefgründige Gedanken zu machen, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass sie mich beschäftigen.»

Dabei seien ihm auf einmal ganz viele neue Ideen gekommen. «Ich habe eine Liste angefertigt, mit Dingen, die ich aus dem Detox mit in mein richtiges Leben nehmen möchte und eine zweite Liste, auf der ich mir Sachen notiert habe, die ich nicht mehr in meinem Leben möchte. Dazu gehören auch ein paar Menschen, die mir einfach nicht gut tun.» So habe er sich beispielsweise vorgenommen, mehr zu sich selbst zu stehen und sich nicht immer rechtfertigen zu müssen. «Wer auf Social Media aktiv ist, erhält ständig Kritik für alles, was man tut. Da kam es schon vor, dass ich gewisse Dinge nicht gepostet habe oder nicht 100 Prozent ehrlich war, weil ich Angst vor der Reaktion hatte. Damit ist jetzt Schluss, auch im echten Leben.»

«Ich habe gar keine Lust mehr aufs Handy»

Nach dem Ablauf der fünf Tage ist Beer sich sicher: Der Digital Detox hat ihm gut getan und gewisse Dinge wird er auch in seinem richtigen Leben ändern. So legt er neu Wert drauf, morgens als erstes nicht direkt auf Instagram und Tiktok zu schauen oder Mails zu lesen. Ausserdem trinkt er seit seinem Detox keinen Alkohol mehr. «Die Erfahrung hat auf jeden Fall etwas bei mir ausgelöst. Wenn ich jetzt im Zug sitze, merke ich, dass ich auch einfach aus dem Fenster schauen kann und gar keine Lust mehr habe, im Handy zu scrollen.»

Beer kann sich durchaus vorstellen, einen solchen Detox auch in Zukunft nochmals durchzuführen. «Ich glaube, ich mache das wieder einmal, wenn das Glas übervoll ist oder wenn ich vor einer wichtigen Entscheidung stehe.» Besonders für junge Menschen, die viel auf Social Media sind und sich ab und zu überfordert fühlen, empfiehlt der 21-Jährige die Erfahrung. «Ich bin stolz, dass ich das durchgezogen habe.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele, Onlineberatung für Kinder psychisch kranker Eltern

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Digital-Push

Wenn du den Digital-Push abonnierst, bist du über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhältst du Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware als Erster. Weiter gibt es Tricks, um mehr aus deinen digitalen Geräten herauszuholen.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

Deine Meinung

36 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

TJ

05.04.2021, 07:41

Gute Idee welche jedem zu empfehlen ist, ganz gleich um wen es sich handelt. Schön wenn es ihm geholfen hat, auch wenn er weiter influenzt ( und das kann er ja machen - nobody is perfect :-) ) hat er bestimmt davon provitiert.

was ich denke

04.04.2021, 17:51

Mit meinem Handy kann ich nur telefonieren und smslen (G2). Bin froh mich mit diesen sozialen Medien gar nie so richtig befasst zu haben. Spare viel Zeit für anderes. Schaute lieber meinen Kindern auf dem Spielplatz zu. Schön zu hören, dass auch ganz junge Menschen mal ohne Handy sind. Mein Tipp für Herrn Beer - die Bibel kann man auch öffnen und lesen. Den Klosteralltag würde ich sehr gerne mal selber erleben.

Zürcher Ex-Pat

04.04.2021, 17:47

Es ist ganz einfach, alle Smartphones, I-Pads,Laptops, Computer etc haben eine "OFF" Funktion. einfach einmal alle Geräte ausschalten und 24/48 Stunden Bücher lesen, schreiben, spazieren gehen etc und man kann die reale Welt geniessen.