Geld spielt eine Rolle: «Ich wollte wissen, ob mein Partner Schulden hat»
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Geld spielt eine Rolle«Ich wollte wissen, ob mein Partner Schulden hat»

Doch kein Tabu? Schweizer sprechen in einer Beziehung über Geld, das zeigt eine Studie. Und sie mischen sich ein, wenn sie Ausgaben des Partners unnötig finden. Zwei Frauen und ein Mann erzählen, wie sie in ihrer Beziehung über Finanzielles reden.

von
Anja Zingg
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Deborah (25) kann offen mit ihrem Partner über das Thema Geld reden.

Deborah (25) kann offen mit ihrem Partner über das Thema Geld reden.

zvg
 Für sie war klar: «Bevor wir zusammenziehen, will ich über die finanzielle Situation meines Partners Bescheid wissen.»(Symbolbild)

Für sie war klar: «Bevor wir zusammenziehen, will ich über die finanzielle Situation meines Partners Bescheid wissen.»(Symbolbild)

imago images/SKATA
Bei Julian (25) und seiner Freundin werden die Ausgaben durch zwei geteilt. «Im grossen und ganzen Stimmt die Balance bei uns.»

Bei Julian (25) und seiner Freundin werden die Ausgaben durch zwei geteilt. «Im grossen und ganzen Stimmt die Balance bei uns.»

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Darum gehts

  • Eine Studie der Bank Cler zeigt, dass es Paaren wichtig ist, über Geld zu sprechen.

  • Über 90 Prozent wissen, wie viel ihr Partner verdient.

  • Deborah, Noemi und Julian erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen.

Schweizer sprechen nicht gern übers Geld? Zumindest in Beziehungen scheint dieses Klischee nicht zuzutreffen. In einer Studie der Bank Cler geben 96 Prozent der befragten Personen an, dass es ihnen wichtig sei, einen Partner zu haben, der seine Finanzen im Griff habe.

Auch wenn ihnen das Bankkonto des Partners also nicht egal ist – Paare sind beim Thema Geld durchaus grosszügig. 95 Prozent würden einen Lottogewinn mit ihrem Liebsten teilen, und mehr als die Hälfte der Partner beteiligt sich an den Ferienkosten der Liebsten, falls dieser ein tieferes Einkommen hat. Noch mehr Ergebnisse der Studie findest du hier.

Wir haben in unserer Community nachgefragt, wie wichtig das Thema Geld in der Beziehung ist:

«Ich wollte wissen, ob mein Partner Schulden hat»

Deborah (25): «Ich und mein Partner können ohne Probleme über Geld reden. Ich habe auch beim Zusammenziehen klar gesagt, dass ich wissen möchte, ob mein Partner Schulden oder Ersparnisse hat, was er verdient und umgekehrt. Denn wenn man ein gemeinsames Leben teilt, sollte man wissen, worauf man sich einlässt und wo man steht. Darum reden wir auch über grosse Anschaffungen, selbst wenn wir sie mit dem eigenen Geld tätigen. Klar, wenn jemand viel Geld zur Verfügung hat und seine Finanzen im Griff hat, kann man als Partnerin auch bei teuren Dingen, nicht gross etwas sagen. Aber schlussendlich ist es doch so, dass man über solche Dinge spricht, wenn man zusammen ist. Aber gemeinsame Ausgaben wie die Miete sollten 50:50 aufgeteilt werden, unabhängig vom Einkommen. Ich kann mir aber vorstellen, dass – wenn wir zum Beispiel verreisen möchten, aber sein Budget sehr klein ist – ich dann einen Teil von ihm übernehme. Aber dann wirklich als Geschenk, zum Beispiel auf Weihnachten. Ich finde, man muss da einen Kompromiss finden, vielleicht muss man dann auch seine eigenen Ansprüche etwas runterschrauben. Oder ich kann mir vorstellen, meinem Partner etwas vorzuschiessen, sodass er mir das Geld monatlich zurückzahlen kann.»

«Mein Freund unterstützt mich finanziell»

Noemi (24): «Wir sprechen sehr offen über Geld. Wie kennen beide unsere Löhne und die Kontostände auf unseren Sparkonten. Diese Offenheit kam nach rund einem Jahr Beziehung. Nicht über Geld zu sprechen, ist für mich ein No-go. Es würde für mich bedeuten, dass kein Vertrauen da ist. Seit wir zusammen wohnen, haben wir ein Haushaltskonto, um gemeinsame Ausgaben zu tätigen. Da ich noch studiere und weniger verdiene, unterstützt mich mein Freund finanziell. Darum teilen wir zum Beispiel auch die Miete nicht genau durch zwei. Ich schätze, dass er mir unter die Arme greift und würde es im umgekehrten Fall sicher auch für ihn machen. Aber ja, ein bisschen stecke ich auch in einem Dilemma. Ich wäre natürlich gerne komplett unabhängig, aber mit dem Studium geht das halt einfach nicht. Aber es ist zum Glück ja nur ein temporärer Zustand.»

«Geld hat bei uns noch nie zu Streit geführt»

Julian (25): «Meine Freundin und ich sind seit fünf Jahren zusammen und reden ganz offen und ehrlich über Geld. Wir teilen uns sowohl die Miete als auch die Autoversicherung und die Fahrzeugkosten. Die Balance stimmt unter uns mal mehr, mal weniger, im Schnitt funktioniert es aber ganz gut. Wir teilen gemeinsame Ausgaben immer durch zwei, auch wenn ich zurzeit wegen meines Studiums weniger Geld zur Verfügung habe als meine Freundin. Aber klar, wenn es jetzt etwas ist, dass nur eine Person nutzt, zahlt die andere nicht mit. Aber meistens haben wir ja beide etwas von einer grösseren Anschaffung – zum Beispiel einem neuen Fernseher. In solchen Fällen setzen wir uns einfach zu Beginn eine Höchstgrenze, was die Anschaffung kosten darf. Auch bei den Ferien gehen wir so vor. Weil wir uns sowieso zu allen grösseren Ausgaben absprechen, hat das Thema Geld bei uns noch nie zu Streit geführt.»

Armutsfalle Corona

Caritas ist gefragt wie noch nie

Caritas startet das grösste Hilfspaket seiner Geschichte. Mit der Hilfsaktion will das Hilfswerk 100’000 Menschen in der Schweiz helfen. Dies unter anderem mit Einkaufsgutscheinen, Beratungsangeboten und regional ausgerichteten Projekten. Schon vor Corona seien rund 1,2 Millionen Menschen in der Schweiz armutsgefährdet gewesen, schreibt das Hilfswerk. Durch die Pandemie habe sich die Situation für viele von ihnen verschärft.

Lebst du oder jemand, den du kennst, in Armut?

Hier findest du Hilfe:

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