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Vergewaltigungsopfer«Ich wünsche den Tätern, dass sie Töchter haben»

Dutzende Männer haben sich an Eloisa Santiago (16) in Rio de Janeiro vergangen. Die Täter stellten ein Video der Vergewaltigung ins Netz. Jetzt spricht das Opfer.

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Soll das Video der Vergewaltigung gedreht haben: Verdächtiger wird von der Polizei abgeführt. (30. Mai 2016)

Soll das Video der Vergewaltigung gedreht haben: Verdächtiger wird von der Polizei abgeführt. (30. Mai 2016)

Keystone/AP/Marcelo Sayao
Chefermittlerin will das Ausmass des Verbrechens beweisen: 22-jähriger Mann mit Handschellen in Polizeiauto. (30. Mai 2016)

Chefermittlerin will das Ausmass des Verbrechens beweisen: 22-jähriger Mann mit Handschellen in Polizeiauto. (30. Mai 2016)

Keystone/AP/Felipe Dana
Eloisa Samy Santiago (16) wurde am 21. Mai 2016 in einem Armenviertel von Rio de Janeiro in Brasilien von rund 30 Männern vergewaltigt.

Eloisa Samy Santiago (16) wurde am 21. Mai 2016 in einem Armenviertel von Rio de Janeiro in Brasilien von rund 30 Männern vergewaltigt.

Screenshot Youtube

In Brasilien sorgt die Massenvergewaltigung der 16 Jahre alten Eloisa Samy Santiago für Entsetzen. Rund 30 Männer sollen am Missbrauch des Mädchens in einer Favela in Rio de Janeiro beteiligt gewesen sein. Handyaufnahmen der Tat waren vergangenen Mittwoch im Internet aufgetaucht. Darauf ist die junge Frau zu sehen, wie sie nackt, blutend und offenbar bewusstlos auf einem Bett liegt, während die Stimme eines Mannes zu vernehmen ist, der sich mit der Tat brüstet.

Am Wochenende meldete sich das Opfer in der Zeitung «O Globo» zu Wort. Sie sei in eine Falle gelockt, unter Drogen gesetzt und dann missbraucht worden, berichtet Santiago. «Ich war nach einer Party zum Haus meines Ex-Freundes gegangen und legte mich schlafen. Plötzlich wachte ich ganz woanders auf. Ein Mann lag unter, ein anderer über mir. Zwei weitere hielten mich fest», erzählt sie.

Chefermittler gibt Opfer die Schuld für die Tat

«Ich fing an zu weinen. Ich zählte 28 Männer um mich herum. Sie sagten aber, sie seien 33. Das Haus war sehr dreckig. Einige der Männer hatten Gewehre und Pistolen. Ich dachte, ich würde diese Situation nicht überleben.» Die Täter hätten laut über sie geredet: «Sie nannten mich Schlampe und meinten, ich würde mir die Vergewaltigung wünschen.»

Das Mädchen beteuert, an der Party keine Drogen konsumiert zu haben. Das hatte Ermittlungsleiter Alessandro Thiers zunächst behauptet. Unter anderem hatte der Polizist auch die Frage aufgeworfen, ob die Gruppenvergewaltigung möglicherweise «mit Einwilligung» des Opfers erfolgt sein könnte und ob sich alles wirklich so zugetragen habe, wie von der jungen Frau geschildert. Bei der Einvernahme fragte er zudem Santiago, ob sie häufiger «aus Gewohnheit an Orgien teilnehme». Mittlerweile wurde Thiers wegen Frauenfeindlichkeit von seinen Aufgaben entbunden. «Das Video ist doch Beweis genug, dass ich nicht lüge», sagt Santiago dazu.

«Ich fühlte mich wie Müll»

Zehn Minuten, nachdem sie aufgewacht sei, hätten die Männer sie gehen lassen. «Zu Hause habe ich zuerst nichts davon erzählt, weil ich mich so sehr schämte», so die junge Frau. «Aber ich fühlte mich wie Müll. Ich muss immer noch fünfmal am Tag duschen». Sie hoffe, dass die Täter bald gefasst werden. «Und ich wünsche ihnen, dass sie eines Tages eine Tochter haben».

Die Polizei von Rio suchte am Wochenende in einem Grosseinsatz in einem Armenviertel westlich der Stadt die mutmasslichen Täter. Nach Angaben der Familie des mutmasslichen Opfers soll es sich um den Racheakt eines Ex-Feundes der jungen Frau gehandelt haben. Bis jetzt ist es zu keinen Verhaftungen gekommen.

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