Lovely Me - «Ich wünsche mir so sehr eine Freundin»
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Lovely MeMarco (27) hat Autismus – und wünscht sich eine Freundin

Marco (27) wurde unter anderem mit Autismus und Schizophrenie diagnostiziert. Der junge Mann aus Chur wünscht sich Stabilität – und möchte endlich die grosse Liebe finden.

von
Meret Steiger
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Der 27-jährige Marco lebt in Chur und arbeitet als Empfangs-Mitarbeiter. 

Der 27-jährige Marco lebt in Chur und arbeitet als Empfangs-Mitarbeiter.

privat
In seiner Freizeit geht der 27-Jährige gerne Tennis spielen, Skifahren oder Wandern mit seiner Familie und seiner Hündin Chenaia.

In seiner Freizeit geht der 27-Jährige gerne Tennis spielen, Skifahren oder Wandern mit seiner Familie und seiner Hündin Chenaia.

privat
Er verbringt gerne Zeit in den Bergen.

Er verbringt gerne Zeit in den Bergen.

privat

Darum gehts

  • Marco ist 27 Jahre alt und bei ihm wurden Autismus, Zwangsstörungen, Depressionen und Schizophrenie diagnostiziert.

  • Der junge Mann wünscht sich sehnlichst eine Freundin.

  • Dating-Apps mag er aber nicht, weil es dabei nur um das Äussere gehe.

  • Marco möchte sich gerne politisch für Menschen mit Beeinträchtigungen einsetzen.

Marco, was ist an dir besonders?

Bei mir wurden Autismus, Zwangsstörungen, Depressionen und Schizophrenie diagnostiziert.

Wie hat das angefangen?

Ich habe schon früh bemerkt, dass etwas an mir anders ist. In der Schule war mir oft übel, bei Vorträgen bin ich manchmal zusammengebrochen, weil es mir einfach zu viel war – ich hatte richtig Angst vor der Schule. Bis zur Diagnose verging allerdings nochmals einige Zeit, in der ich mit dutzenden von Ärzt*innen, Therapeut*innen und Gutachter*innen gesprochen habe. Erst 2007, mit 13 Jahren, wurde von einem Neurologen in Chur Autismus diagnostiziert. Da konnten wir endlich mit einer Behandlung beginnen.

Wie hat dein Umfeld auf die Diagnosen reagiert?

Meine Familie geht sehr gut damit um, alle haben viel Verständnis und unterstützen mich, wo es nur geht. Nur meinem Bruder fällt es ein bisschen schwer, darüber zu sprechen. Das ist aber okay, ich spreche auch nicht viel darüber und erzähle nicht allen, dass ich psychische Probleme habe.

Mit welchen Problemen konfrontiert dich der Autismus im Alltag?

Für mich ist Beständigkeit sehr wichtig, also dass immer alles gleich abläuft. Dann fühle ich mich sicher im Leben. Ich habe Mühe mit Veränderungen oder unerwarteten Situationen, das überfordert mich rasch. Ich habe deswegen zum Beispiel auch grosse Probleme, Leute anzusprechen oder spontan ein Gespräch zu führen, weil ich mich darauf nicht vorbereiten kann. Die wenigsten wissen von meinen Krankheiten.

Wie äussern sich bei dir die Schizophrenie und die Zwangsstörungen?

Bei der Schizophrenie ist es so, dass ich mich manchmal beobachtet und überwacht fühle. Die Zwangsstörung äussert sich hauptsächlich in einem Ordnungszwang, ich fühle mich einfach nur wohl, wenn es sehr aufgeräumt und sauber ist.

Wurdest du in der Öffentlichkeit schon mal angefeindet oder angestarrt?

Glücklicherweise kaum. Das liegt aber wohl daran, dass Autismus eine meist unsichtbare Beeinträchtigung ist – mir merkt man das nicht auf Anhieb an. Mir ist es aber schon passiert, dass Leute mich als unhöflich bezeichnet haben oder dachten, ich starre sie an. Ich habe nicht viele soziale Kontakte und bin sehr unsicher, manchmal habe ich Angst, dass die Menschen hinter meinem Rücken über mich reden. Das fände ich furchtbar.

Wie geht es dir heute?

Heute geht es mir den Umständen entsprechend gut. Es gibt immer noch bessere und schlechtere Tage, aber ich nehme täglich meine Medikamente. Zusammen mit regelmässigen Besuchen bei einer Psychiaterin gibt mir das Stabilität. Was mir aber fehlt, ist eine Freundin: Ich hätte sehr gerne jemanden, der für mich da ist. Jemanden, mit dem ich in die Ferien gehen kann, Sachen unternehmen und dann schauen, was die Zukunft bringt. Ich möchte einfach jemanden finden, der mich so akzeptiert, wie ich bin.

Wie läuft es bei dir beim Daten?

Es ist nicht leicht. Einerseits ist ja jetzt auch noch Corona, das macht die Situation nicht leichter. Dating-Apps finde ich aber auch nicht so toll, weil es da ja immer nur ums Äussere geht und man zu Beginn gar nichts von sich erzählen kann – es geht immer nur ums Swipen! Ausserdem fühle ich mich in meiner Haut nicht wirklich wohl und traue mich deswegen oft nicht, ein Foto von mir zu schicken. Ich bin einfach unsicher, weil ich das Gefühl habe, es dreht sich alles ums Äussere und nicht mehr um den Charakter.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich möchte weiterhin als Empfangs-Mitarbeiter arbeiten können. Ich fühle mich dort sehr wohl und habe tolle Mitarbeiter*innen. Ich würde mich auch gerne politisch für Menschen mit Beeinträchtigungen einsetzen, damit sie mehr Chancen bekommen.

Marco arbeitet in der Administration und wohnt in Chur. In seiner Freizeit geht der 27-Jährige gerne Tennis spielen, Skifahren oder wandern mit seiner Familie und den Hunden Chenaia und Chira.

Lebst du oder lebt jemand, den du kennst, mit Autismus?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

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