Drogen und Gewalt: «Ich würde Justin auf sein Zimmer schicken»
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Drogen und Gewalt«Ich würde Justin auf sein Zimmer schicken»

Autorennen unter Drogeneinfluss, Übergriffe auf einen Chauffeur, Konflikte mit Nachbarn – Justin Bieber stürzt immer tiefer. Experte empfiehlt erzieherische Massnahmen.

«Vor uns haben wir einen Teenager mit endlos viel Geld, endloser Berühmtheit und sehr begrenzter Betreuung», sagt Ex-Staatsanwalt Michael Grieco in Miami Beach (Florida). «Ich habe schon viele Leute vertreten, die glauben, in einer Welt ohne Konsequenzen zu leben - entsprechend schwer fällt es, sie dazu zu bringen, sich mit der Welt zu arrangieren, in denen der Rest von uns lebt.»

In Miami Beach wurde Bieber vergangene Woche festgenommen, weil sich unter dem Einfluss von Alkohol, Marihuana und Medikamenten ein privates Autorennen geliefert haben soll. Nicht einmal eine Woche später stellte sich der Popsänger der Polizei im kanadischen Toronto, weil er dort nach einem Discobesuch Ende Dezember im Streit einen Chauffeur angegriffen haben soll.

Bieber sonnt sich in Punta Chame

Ärger rund um die Welt

Der 19-Jährige sorgte in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen: Konflikte mit Polizei und Nachbarn rund um seine noble Villa im kalifornischen Calabasas nordwestlich von Los Angeles, Ärger mit den Behörden in Australien und Brasilien wegen Graffitis. In Rio wurde er abgelichtet, als er unter einer Decke ein stadtbekanntes Bordell verliess.

«Ja, Justin braucht Hilfe»

Im Gegensatz zu seinen US-Kollegen könnte der Kanadier jedoch theoretisch aus den USA abgeschoben werden. In einer Petition ans Weisse Haus forderten bereits mehr als 200'000 Menschen die Ausweisung des «gefährlichen, rücksichtslosen, destruktiven und Drogen konsumierenden Justin Bieber». Nun ist die Regierung zu einer offiziellen Stellungnahme verpflichtet.

Bieber stellt sich der kanadischen Polizei

Unrühmliche Vorbilder

Bieber steht in einer Reihe mit Lindsay Lohan, Britney Spears, Macaulay Culkin aus «Kevin allein zu Haus», Demi Lovato und dem Star von «High School Musical», Zac Efron. Auch Michael Jackson war ein Kinderstar, der offensichtlich mit der Welt der Erwachsenen nur schlecht zurecht kam.

Justin Bieber gegen Kaution frei

In der vergangenen Woche verglich sich Bieber, der mehr als 49 Millionen Followers auf Twitter hat, in einem Eintrag auf der Online-Plattform Instagram mit Jackson. Das Bild zeigt ihn in einem dunklen Kapuzenshirt, wie er nach der Verlesung der Anklage vor der Haftanstalt in Miami seinen Fans zuwinkt. Daneben stellte Bieber ein rund zehn Jahre altes Foto von Jackson, als dem King of Pop sexuelle Belästigung von Kindern vorgeworfen wurde.

Bieber sonnt sich in Punta Chame

Gnadenlos im Scheinwerferlicht

Die kanadische Zeitung «Globe and Mail» bezeichnete Biebers Eskapaden als Folge «moderner freizügiger Elternschaft, eine warnende Geschichte über eine vaterlose Erziehung mit einer alleinerziehenden Mutter». Nach Medienberichten war Biebers Vater Jeremy, der sich schon früh von der Mutter getrennt hatte, an dem angeblichen Autorennen im Miami beteiligt.

Zwar haben sich junge Prominente auch früher schon daneben benommen. Doch heute zerren die sozialen Netzwerke im Internet jeden Fehltritt gnadenlos ins Scheinwerferlicht. «Wäre ich sein Manager, so würde ich Justin einfach drei Monate auf sein Zimmer schicken», sagt Robert Thompson, Dozent für Popkultur an der Syracuse-Universität.

Eine neue Art von Promi-Hype

«Das Problem ist, dass 400 Paparazzi vor seinem Zimmer Bilder machen, ganz zu schweigen davon, dass er von drinnen twittert.» Ex-Staatsanwalt Grieco stimmt dem zu: «Twitter und andere soziale Netzwerke haben eine neue Art von Promi-Hype mitgeschaffen. Doch die Prominenten selbst tragen häufig viel zu dem Problem bei.»

Die «Globe and Mail» jedenfalls freut sich über die Geschichten um Justin Bieber. Sie seien Stoff für ein «Drama, das man nicht besser hätte schreiben könnte»: «Es gibt Unschuld. Es gibt Pathos. Es gibt Spannung. Und es gibt Tragik.» (sda)

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