Doktor Sex: «Ich würde lieber Rasen mähen als Sex haben!»
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Doktor Sex«Ich würde lieber Rasen mähen als Sex haben!»

Mirko (34) hatte noch nie so richtig Lust auf Sex. Mittlerweile sieht er das Liebesspiel mit seiner Freundin als «notwendiges Übel» an. Er fragt sich, wie er es ihr am besten verständlich machen kann. Doktor Sex weiss einen Rat.

von
Julia Ullrich
Hier sieht man zwar nicht Mirko, aber er würde lieber Rasen mähen als mit seiner Freundin ins Bett zu gehen (Symbolbild).

Hier sieht man zwar nicht Mirko, aber er würde lieber Rasen mähen als mit seiner Freundin ins Bett zu gehen (Symbolbild).

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Frage von Mirko (34) an Doktor Sex:

Ich (34) war schon immer wenig bis gar nicht interessiert an Sex. In meiner Jugend hatte ich weder das Verlangen nach Pornos noch bin ich mit heraushängender Zunge den Pausenplatzprinzessinnen nachgelaufen.

In meiner Beziehung versuchten wir es mit Swingerclubs, anonymen Sextreffen und Rollenspielen, um meine Lust zu wecken. Es hat nichts gebracht. Auch psychologische Einzel-, Paar- und Sexualtherapien waren erfolglos.

Mittlerweile sehe ich Sex als notwendiges Übel, um die Dame des Hauses bei Laune zu halten. Aber eigentlich würde ich in dieser Zeit lieber etwas fürs Geschäft erledigen, meine Weiterbildung vorantreiben oder den Rasen mähen. Ich weiss, dass ich damit nicht der Norm entspreche. Trotzdem sehe ich keinen Grund, mich für den Rest des Lebens zu etwas zu zwingen, was ich nicht wirklich will. Wie kann ich dies meiner Freundin verständlich machen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Mirko

Weder ist sexuelle Lust dem Menschen zwingend als Eigenschaft angeboren, noch hat sie bei denen, die sie – mehr oder weniger ausgeprägt – haben, eine über die Zeit konstant starke Intensität. Abhängig von unzähligen Faktoren kann sie sich phasenweise mal stärker und mal schwächer zeigen. Bei manchen Menschen ist sie lebenslang nur minimal vorhanden. Bei anderen fehlt sie gänzlich – man spricht in diesem Fall auch von Asexualität.

Asexualität wird den sexuellen Orientierungen zugeordnet. Ähnlich wie die Hetero-, Homo- oder Bisexualität ist sie Teil der Identität eines Menschen. Deshalb ist es auch nicht möglich, nach eindeutigen Kriterien zu bestimmen, ob jemand asexuell ist oder nicht.

«Rede nicht lange um den heissen Brei herum!»

Wie kannst du deiner Freundin verständlich machen, dass du keinen Sex willst? Dem geliebten Menschen etwas zu kommunizieren, was die Beziehung, wie sie bisher bestanden hat, infrage stellt, ist eine Herausforderung. Ich vermute, du weisst das. Und auch, dass die von dir in deiner Frage vorgetragene Begründung nichts daran ändert.

Wahrscheinlich ist deine Partnerin nicht völlig ahnungslos. Es erübrigt sich daher, lange um den Brei herumzureden. Tatsache ist, dass der Sex in Zukunft anders sein wird. Sinnvollerweise überlegst du dir vor dem Gespräch, ob du gänzlich auf körperliche Intimität verzichten willst oder ob es Aspekte gibt, die du weiterhin mit ihr teilen möchtest. Zentral ist, ob sich deine Partnerin unter den gegebenen Umständen vorstellen kann, die Beziehung mit dir weiterzuführen. Und auch, ob und wie sie die Teile eurer Sexualität kompensieren will, die sie in Zukunft nicht mehr mit dir leben kann.

Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex
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Du kannst deine Frage E-Mail an doktor.sex@20minuten.ch schicken oder im untenstehenden Formular einreichen.

Bruno Wermuth

Bruno Wermuth

Bild: Gian Losinger

Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch

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