Ramsen SH: «Ich wurde beinahe über den Haufen gefahren»
Aktualisiert

Ramsen SH«Ich wurde beinahe über den Haufen gefahren»

Diebe vermiesten Töfffahrern den Supermoto 16 in Ramsen. Töfffahrer A.I. verfolgte einige von ihnen und verletzte sich dabei – das kostete ihn die Teilnahme am Rennen.

von
rom
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Blick über das Gelände des Swissmoto 16 in Ramsen SH, links das Fahrerlager, rechts der Besucherparkplatz.

Blick über das Gelände des Swissmoto 16 in Ramsen SH, links das Fahrerlager, rechts der Besucherparkplatz.

Auf letzterem hat sich Töfffahrer A.I. bei der Verfolgung der Diebe verletzt.

Auf letzterem hat sich Töfffahrer A.I. bei der Verfolgung der Diebe verletzt.

Zum Supermoto 16 vergangenes Wochenende in Ramsen reisten am Freitagabend rund 250 Töfffahrer an. Die meisten von ihnen campierten zusammen mit ihren Mechanikern, Freunden und Familienmitgliedern in Wohnmobilen, Lieferwagen oder anderen Fahrzeugen. Das sogenannten Fahrerlager erstreckte sich über eine riesige Wiese.

«Nachdem wir gemütlich grilliert hatten, gingen meine Freundin und ich gegen 1 Uhr in meinem Iveco-Lieferwagen schlafen», sagt Töfffahrer A.I.* Weil im Festzelt noch Musik gelaufen sei, habe er Ohropax benutzt. Gegen 4.15 Uhr habe ihn seine Freundin geweckt, die Seitentüre stehe offen. «Ich setzte mich auf und war erstaunt, weil sie tatsächlich offen war.»

«Sahen nur Umrisse von Personen»

Sekunden später habe jemand mit einer Taschenlampe in das Fahrzeug geleuchtet. «Meine Freundin rief ‹Hallo›, doch niemand antwortete», sagt I. «Wir sahen nur die Umrisse von Personen, die dann aber weggingen.» Er habe daraufhin die Schuhe angezogen und sei nach draussen gegangen.

Vor seinem Lieferwagen sei zwar niemand mehr gewesen. Dafür seien inzwischen andere Fahrer auch wach geworden und vor ihren Wohnmobilen gestanden. «Plötzlich sah ich vier Personen Richtung Besucherparkplatz rennen», sagt I. Er sei dann die rund 100 Meter über die Wiese gerannt, um nachzusehen.

Mit der Faust auf Heckscheibe geschlagen

Auf dem Parkplatz hörte I., wie der Motor eines Autos gestartet wurde: «Ich bin hin und stellte mich vor das Fahrzeug, damit sie nicht wegfahren konnten.» Der Fahrer des Skodas mit slowakischem Nummernschild habe aufs Gas gedrückt, wegen der Wiese aber nicht beschleunigen können. «Zum Glück für mich – aber sie hätten mich beinahe über den Haufen gefahren», sagt I. Er sei zur Seite gesprungen und habe mit der Faust noch heftig auf die Heckscheibe des Autos geschlagen.

Diese zerbarst daraufhin – mit bösen Folgen. «Ich hatte mich am Arm verletzt, bloss bemerkte ich das erst zurück im Fahrerlager», so I. Die Wunde musste im Spital genäht werden. Das Rennen war für den 27-Jährigen damit gelaufen. «Zwar habe ich am Samstag mal kurz probiert zu fahren, doch es blutete und ich konnte den Lenker nicht richtig halten.» Er sei enttäuscht, denn der Veranstalter habe eine perfekte Strecke gebaut.

Diebe auch am Sonntag unterwegs

«Ich habe noch nie erlebt, dass ein Supermoto derart von Dieben heimgesucht worden ist», sagt I. Auch am Sonntag seien erneut dubiose Gestalten auf dem Gelände aufgetaucht und hätten die Autos inspiziert. «Als wir sie angesprochen haben, sagten sie nur ‹nix deutsch› zu uns.» Teils hätten sie die Typen gefilmt. Ob er immer so unerschrocken reagiere? I. sagt: «Ich lasse mir einfach nicht alles bieten.» Er habe Anzeige wegen Diebstahlversuchs erstattet.

Als «löblich» bezeichnet Patrick Caprez, Sprecher der Schaffhauser Polizei, den Einsatz des jungen Töfffahrers: «Trotzdem raten wir bei solchen Aktionen zur Vorsicht.» Idealerweise schalte man möglichst rasch die Polizei ein und merke sich die Kontrollschilder. Weitere Anzeigen wegen Diebstahlsdelikten am Supermoto 16 seien bislang keine eingegangen. Die Polizei sucht Zeugen.

*Name der Redaktion bekannt

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