45-jähriger Broker: «Ich wurde entlassen, weil ich HIV-positiv bin»

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45-jähriger Broker«Ich wurde entlassen, weil ich HIV-positiv bin»

Marco wurde zum Aussenseiter, weil er Kollegen über seine Krankheit informierte. Darum beschloss er: «Im Büro rede ich mit niemandem darüber.»

von
ann
Dass er positiv auf HIV getestet wurde, kostete Marco B. den Job. (Symbolbild)

Dass er positiv auf HIV getestet wurde, kostete Marco B. den Job. (Symbolbild)

Der Tessiner Marco B. ist 45 und ein anerkannter Broker. Er hat ein schönes Haus, ein angenehmes Leben und eine Karriere, die wie geschmiert läuft. Aber Marco B. hat auch eine unheilbare Krankheit. Anlässlich des Welttages gegen Aids erzählt er seine Geschichte.

«Ich bin HIV-positiv, aber meine Kollegen wissen es nicht.» Er schweige nicht aus Feigheit, sondern aufgrund von Erfahrungen. Aber von Anfang an: «Als ich erfuhr, dass ich den Virus habe, brach eine Welt zusammen, und ich fragte mich, warum gerade ich.»

«Aus Fairness habe ich meinen Arbeitgeber informiert»

In seiner Vergangenheit hatte er immer nur feste Beziehungen, oder besser gesagt fast immer: «Einmal während den Ferien in Griechenland habe ich ein Mädchen getroffen. Die körperliche Anziehung war gross und wir verbrachten eine intensive Woche miteinander. Ich hätte nie gedacht, dass sich der Sommer 2009 in einen Albtraum verwandeln könnte.»

Die ersten Erkrankungen seien gefolgt und mit ihnen Analysen und Ergebnisse, die keine Fragen offenliessen. Er habe einige Dinge umorganisiert und aus Fairness beschlossen, seinen Vorgesetzten zu sagen, wie es um ihn stehe. «Ich sprach mit dem Direktor und der Personalchefin der Bank, wo ich seit zehn Jahren arbeitete. Ich hoffte auf Verständnis ...»

«Mit Sex habe ich abgeschlossen»

Stattdessen habe nach einer Woche das gesamte Büro alles über seine Gesundheit gewusst. Schnell sei er geschäftlich übergangen und bei der nächsten «Reorganisation» gefeuert worden. Dabei sei er kurz zuvor befördert worden. Statt sich selbst zu bedauern, kämpfte Marco B. und fand einen neuen Job, der ihm gefiel.

«Aber meinen Kollegen kann ich nichts mehr erzählen, zu gross ist meine Angst, dieselbe schreckliche Erfahrung zu machen.» Er fürchte sich vor der Diskriminierung und davor, alles zu verlieren, was er in den letzten Jahren aufgebaut habe. Privat habe er sich abgekapselt: «Ich bin nicht mehr in der Lage, eine Freundin zu haben, mit Sex habe ich abgeschlossen.» Dank Medikamenten gehe es ihm gesundheitlich aber relativ gut.

Muss ein Arbeitgeber darüber informiert werden, wenn ein Mitarbeiter HIV-positiv ist?

Marco Coppola von der Tessiner Aids-Hilfe Zona protetta: «Fälle wie diesen, gibt es viele. Gegenüber Aids gibt es immer noch Vorurteile.» Es scheine, als ob die blosse Tatsache, Seite an Seite mit einem HIV positiven zu arbeiten, andere Personen Büro gefährden würde. «Es ist eine Art irrationale Angst, die meines Erachtens absurd ist». Ein Arbeitnehmer sei aber nicht verpflichtet, dem Arbeitgeber über seine gesundheitliche Situation Auskunft zu geben. «Auch im privaten oder gar familiären Umfeld, soll man selbst entscheiden, ob man es erzählt oder nicht.»

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