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Abgelaufener Pass«Ich wurde von der Polizei festgehalten»

Der Pass einer US-Touristin war bei ihrer Ankunft in der Schweiz nur noch 85 Tage lang gültig. Die Frau gibt an, am Flughafen Zürich verhaftet worden zu sein.

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mat/doz
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Der Pass einer amerikanischen Touristin war bei ihrer Einreise in die Schweiz nur noch 85 Tage gültig.

Der Pass einer amerikanischen Touristin war bei ihrer Einreise in die Schweiz nur noch 85 Tage gültig.

Keystone/Ennio Leanza
Deshalb wurde sie direkt nach der Ankunft von der Zürcher Polizei in Gewahrsam genommen.

Deshalb wurde sie direkt nach der Ankunft von der Zürcher Polizei in Gewahrsam genommen.

Keystone/Christian Merz
Die Schuld daran gibt die Amerikanerin der Swiss.

Die Schuld daran gibt die Amerikanerin der Swiss.

Keystone/Christian Merz

Sie hatte sich ihre Ferien anders vorgestellt, als sie in San Francisco in den Swiss-Flieger stieg. Elena P. wollte sich endlich den Eiffelturm von Nahem ansehen, doch sie schaffte es nicht einmal nach Paris. Die Amerikanerin sei beim Versuch, in die Schweiz einzureisen, am Zürcher Flughafen von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Das schreibt ein von ihr beauftragtes Anwaltsbüro.

Zwar war Elena P. schon beim Buchen der Europa-Reise aufgefallen, dass ihr Reisepass im Mai ablaufen würde. Da sie den Rückflug jedoch bereits im März antreten wollte, dachte sie sich aber nichts weiter dabei.

Bestimmungen für den Schengen-Raum

Was die Amerikanerin nicht wusste: Für die Einreise in die Schweiz ist ein Reisepass nötig, der mindestens noch 90 Tage nach der Ausreise gültig ist. Der Pass der Reisenden war bei ihrer Ankunft allerdings nur noch 85 Tage lang gültig.

Diese Regelung gilt für US-Bürger bei der Einreise in den Schengen-Raum, zu deren 26 Mitgliedstaaten auch die Schweiz gehört. Elena P. hatte sich nicht über die Einreisebestimmungen informiert, der Fehler lag eindeutig bei ihr.

Nacht im Polizeigewahrsam

Doch kam noch eine Portion Pech dazu: Weil am gleichen Tag kein Flug von Zürich zurück in die USA ging, musste die Frau nach Angaben des Anwaltsbüros die Nacht im Polizeigewahrsam verbringen, was sie als «sehr unangenehme Erfahrung» erlebte. Auch fielen ihr so Unkosten für das gebuchte Hotel in Paris an, ganz zu schweigen vom Ärger über den verpatzten Urlaub.

Elena P. verstand nicht, wieso die Swiss sie überhaupt mit Dokumenten an Bord gelassen hatte, die zur Einreise nach Europa nicht ausreichten. Deshalb forderte sie von der Flugline eine Wiedergutmachung von 3000 US-Dollar – und wurde abgewiesen.

Online und ohne Gepäck eingecheckt

Die Swiss verweist auf die Absätze 13.2 und 13.3 ihrer Beförderungsbestimmungen, wonach der Kunde verpflichtet ist, über für das jeweilige Zielland gültige Reisedokumente zu verfügen. Auch schliesst die Fluglinie eine Haftung aus im Falle der Nichteinhaltung.

Doch spricht auch die Swiss auf von einem «bedauerlichen Fall». Wie jede Fluggesellschaft sei die Swiss nur dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass alle Fluggäste über die notwendigen Reisedokumente verfügen. Normalerweise würde aber auch ein Verstoss gegen die Einreisebestimmung bereits vor Flugantritt, nämlich beim Check-in am Flughafen, bemerkt.

«Rückerstattung und Kulanz»

Im Falle von Elena P. sei dies jedoch nicht geschehen, weil die Kundin online eingecheckt hatte und kein Gepäck aufgab. «Deshalb konnte bedauerlicherweise keine Kontrolle der Dokumente stattfinden», schreibt die Swiss auf Anfrage.

Den Eiffelturm hat Elena P. noch immer nicht gesehen. Doch die leidige Geschichte hat mittlerweile ein Happyend gefunden: Die Lufthansa, über deren Seite sie den Swiss-Flug gebucht hatte, habe der Kundin die Kosten für den Flug zurückerstattet, wie das Anwaltsbüro schreibt. Auch die Swiss reagierte kulant und entschädigte die Kundin mit einem Reisegutschein über 300 US-Dollar.

Frei bewegen im Transitbereich

Die Kantonspolizei Zürich, die am Flughafen Zürich für die Grenzkontrolle verantwortlich ist, hält fest, dass es aufgrund von ungültigen Reisedokumenten nicht zu Verhaftungen komme.

Zum konkreten Fall von Elena P. kann Mediensprecherin Carmen Surber nichts sagen. Sie betont aber, dass sich Personen, denen die Einreise verwehrt wird, bis zum Rückflug frei im Transitbereich des Flughafens bewegen können.

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