Aktualisiert 15.02.2018 06:44

Beat Feuz«Ich wusste, dass die Fahrt nicht für Gold reicht»

Reicht es oder reicht es nicht? Beat Feuz zitterte zweimal um die Bronzemedaille: Nach einem Ausrutscher im Mittelteil und im Zielraum.

von
A. Stäuble, Jeongseon
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Bronzemedaille für Feuz: Der Schweizer klassiert sich hinter Aksel Svindal und Kjetil Jansrud auf Rang 3.

Bronzemedaille für Feuz: Der Schweizer klassiert sich hinter Aksel Svindal und Kjetil Jansrud auf Rang 3.

AFP/Kirill Kudryavtsev
Dem Schweizer gelingt keine fehlerfreie Abfahrt, für eine Medaille reicht es dennoch.

Dem Schweizer gelingt keine fehlerfreie Abfahrt, für eine Medaille reicht es dennoch.

Keystone/Jean-Christophe Bott
Jubel über den Olympiasieg: Aksel Svindal lässt die Konkurrenz hinter sich und schnappt sich die Goldmedaille.

Jubel über den Olympiasieg: Aksel Svindal lässt die Konkurrenz hinter sich und schnappt sich die Goldmedaille.

kein Anbieter/AP Photo/Christophe Ena

Beat Feuz, Sie waren vor Svindal und Jansrud im Ziel und haben die zwischenzeitliche Bestzeit aufgestellt. Was hat Ihnen Ihr Bauchgefühl gesagt?

Dass meine Fahrt sicher nicht für den Sieg reichen wird. Als Svindal 0,18 Sekunden schneller war, hatte ich die Gewissheit, dass niemand zwei Sekunden schneller sein wird. Zugleich wusste ich aber, dass eine bessere Zeit möglich ist. Ich war im Zwiespalt. Als sich herauskristallisierte, dass die Norweger wirklich schnell sind und ich auf dem dritten Rang relativ sicher bin, konnte ich mich langsam aber sicher freuen.

Wie war das Gefühl während der Fahrt? Haben Sie die Medaille abgeschrieben?

Schwierig. Ich habe mich nicht wirklich wohl gefühlt. Es war nicht die perfekte Fahrt. Die Piste hat sich in den vier Tagen, in denen wir nicht gefahren sind, verändert. Ich habe mich schwer getan damit, aber das haben andere auch. Es war eine knappe Geschichte, doch die Norweger haben sich das verdient. Sie haben es am cleversten ins Ziel gebracht.

Sie haben keinen Hehl daraus gemacht, dass es Gold sein soll. Die Freude über Bronze ist aber bestimmt auch gross.

Sicher. Am Ende ist eine Medaille eine Medaille. Ob Silber oder Bronze ist dann nicht mehr entscheidend. Klar überragt Gold alles, aber alles andere ist auch schön. Mit einer solchen Fahrt und diesem Druck war es nicht ganz einfach. Nur 18 Hundertstel hinten zu liegen und mit Bronze dazustehen, ist für diese Saison genial.

Feuz-Fans fiebern in der Heimat mit

Der Feuz-Fanclub ist aus dem Häuschen. (Video: SDA)

Der Feuz-Fanclub fieberte in der Heimat mit. (Video: SDA)

Sie mussten sich lange gedulden, bis Sie die Abfahrt endlich fahren durften. Wie gross ist die Erleichterung?

Ich habe mich vor der Fahrt recht gut gefühlt und war nicht nervöser als bei anderen Weltcup-Rennen.

Die perfekte Fahrt hat heute niemand gezeigt, auch Aksel Svindal nicht, oder?

Svindal abschreiben darf man nie. Er hat den vorletzten Abschnitt sensationell absolviert, mir ist der letzte besser gelungen, Jansrud hat uns oben gezeigt, wie man es machen müsste. Es wäre eine schnellere Zeit möglich gewesen, wenn man das zusammensetzt. Dass am Ende die drei womöglich besten Abfahrer der Saison zuoberst klassiert sind, ist nicht normal für Olympia.

Die Highlights der 6. Olympianacht

Bronze für Feuz in der Abfahrt, erstes deutsches Paarlauf-Gold für Deutschland seit 66 Jahren und enttäuschende Schweizer Riesenslalomfahrerinnen.

Die Highlights der Nacht. (Video: Tamedia/SRF)

Wie würden Sie Ihre Fahrt beschreiben?

Es war nicht perfekt, aber das würden auch die Norweger über Ihre Fahrt sagen. Am Ende habe ich von meiner Fahrt etwas anderes erwartet. Der Ski funktionierte, aber mein Gefühl war, dass es nicht ganz funktionierte. Es kamen viele ins Ziel, die sagten, dass ich am Limit gefahren sei und viel riskiert habe. Mir ist es nicht so vorgekommen.

Wie hat sich der Schnee im Vergleich zum Training verändert?

Er ist etwas eisiger. Man ging davon aus, dass es schneller wird, wurde es aber doch nicht. An manchen Stellen fiel es leicht, einen Radius zu fahren, anderswo rutschte man aus. So wusste man nie genau, in welcher Kurve es was leiden mag. Im mittleren Teil bin ich auf dem Innenski ausgerutscht, lag fast am Boden. Dort habe ich kurz gezittert und fast drei Zehntel auf Svindal verloren. Er ist dort sehr gut gefahren.

Inwiefern spielte Ihnen das Wetter in die Karten?

Das ist ein altbekanntes Lied. Wir waren noch nicht oft hier, aber die paar Male haben gezeigt, dass um die Mittagszeit etwas Wind aufkommt, wenn das Wetter schön ist. Dieser Gefahr waren wir uns bewusst. Aus diesem Grund haben die Topshots auch die tieferen Startnummern gezogen.

Haben Sie schon viele Gratulationen aus der Heimat erreicht?

Nicht wirklich. Ich hatte meinen Verpflichtungen nachzugehen. (lacht). Für einen kurzen SMS-Austausch mit meiner Freundin hat es aber gereicht. Das war schön.

Für das Ungeborene war die Abfahrt auch eine Bewährungsprobe.

Ich habe vernommen, dass es während einer Stunde ziemlich herumturnte. Es war heute bestimmt auch wach.

Was rechnen Sie sich für den Super-G vom Freitag aus?

Das wird sich zeigen, aber ich freue mich darauf. Der Tag heute wird sich noch in die Länge ziehen, aber ich bin bereit, gerade weil der erste Druck weg ist. Am Freitag kann ich befreit fahren. Ich probiere noch einmal, alles zu geben, vielleicht klappt es sogar noch einmal. Wenn nicht, ist das nicht allzu tragisch.

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