Andri Ragettli: «Ich wusste, ich muss einen draufsetzen»
Aktualisiert

Andri Ragettli«Ich wusste, ich muss einen draufsetzen»

Andri Ragettli geht all-in und steht am Ende doch mit leeren Händen da. Die Schweizer Medaillenhoffnung ist tief enttäuscht.

von
A. Stäuble
Bokwang

Bittere Erfahrung: Andri Ragettli ist über seinen Wettkampf enttäuscht. (Video: Tamedia/SRF)

24 Stunden nach dem Doppel-Coup durch Sarah Höfflin und Mathilde Gremaud wollte Andri Ragettli dem Slopestyle-Wettbewerb an den Olympischen Spielen endgültig den Schweizer Stempel aufdrücken. Was er von seinen Teamkolleginnen am Samstag vorgeführt kriegte, spornte den 19-jährigen Bündner zusätzlich an. «Es zeigte mir noch einmal auf, wie sehr ich es will.»

Der Fahrplan stimmte. Dank starken 95 Punkten hatte sich Ragettli als Zweiter für den Final der besten Zwölf qualifiziert. Doch nach dem ersten von insgesamt drei Runs sah er sich gezwungen, das Risiko zu erhöhen, um seine Medaillenchancen zu wahren. Das Niveau war hoch. «Ich wusste, ich muss noch einen draufsetzen.»

Ragettli ging all-in, der «Nose Butter Triple Cork 1620», der mit Abstand schwierigste Sprung des ganzen Feldes, glückte ihm aber nicht mehr wie zuvor im Training und in der Qualifikation. Rang 7 und ein Diplom anstatt das erträumte Olympia-Gold. Die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben und die Tatsache, dass er es ausgerechnet am Tag x nicht hinkriegte, frustrierte ihn. «Klar war ich nervös, aber unter Druck bin ich normalerweise besser.»

Der Ansporn ist da

Heute und morgen werde er seine Enttäuschung noch nicht verbergen können, sagte Ragettli, bei dem im Zielraum die Tränen flossen. Nichtsdestotrotz vermochte er sich im wohl bittersten Moment seiner noch jungen Karriere das Positive vor Augen zu führen. «Ich verfüge nun über Ansporn für die nächsten vier oder acht Jahre, um das Beste aus mir rauszuholen und zu gewinnen. Eigentlich weiss ich, wie es geht. Nun muss ich es irgendwann nur noch machen.»

In der vorletzten Saison verblüffte der Jüngling der Szene mit dem Gewinn des Gesamt-Weltcups, unlängst kam Bronze an den prestigeträchtigen X-Games hinzu. Zeit, seine für sein Alter beachtliche Erfolgssammlung um Olympiagold zu erweitern, hat er noch genug. Den Gesamtweltcup hat Ragettli auch diesen Frühling im Visier.

Drei von zwölf Finalisten sind Schweizer

Auch wenn es nicht Gold und Silber wie bei den Frauen wurde: Die Bilanz der Männer-Equipe im Slopestyle kann sich sehen lassen. Die Tatsache, dass mit Elias Ambühl (9.) und Jonas Hunziker (10.) zwei weitere Schweizer im Final der besten Zwölf mitmischten, zeigt das grosse Potenzial auf. Einzig Fabian Bösch schaffte es nicht in den Final.

Gold ging an den Ostyein Braaten (Norwegen), Silber an Nick Goepper (USA) und Bronez an Alex Beaulieu-Marchand (Kanada).

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