Befreite Geisel: «Ich wusste nichts über den Islam oder den IS»

Aktualisiert

Befreite Geisel«Ich wusste nichts über den Islam oder den IS»

Die irakischen Kurden befreien eine 16-Jährige aus den Fängen des IS. Im Video erzählt die Schwedin vom Leben in Mossul.

von
kmo

Marlin Stivani Nivarlain war 15 und im sechsten Monat schwanger, als sie vergangenes Jahr mit ihrem 19-jährigen Freund nach Mossul reiste. In der irakischen Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) merkte sie schnell, dass sie einen grossen Fehler gemacht hatte und kontaktierte ihre Mutter. Am 17. Februar gelang es einer Spezialeinheit der irakischen Kurden, das Mädchen zu befreien, wie die kurdische Regionalverwaltung laut dem Portal Kurdistan24 meldete.

In einem im nordirakischen Erbil gedrehten Video erzählt Nivarlain ihre Geschichte. Sie sei 14 gewesen, als sie ihren Freund kennengelernt habe. Am Anfang sei alles toll gewesen. Er habe sich immer mehr IS-Videos angeschaut und ihr davon erzählt, sie habe aber nichts verstanden. Irgendwann habe er sie gefragt, ob sie mit ihm nach Syrien zum IS reisen würde. «Ich sagte: ‹Okay.› Ich wusste nichts über den Islam oder den IS», sagt das Mädchen.

«Ich sagte, ich wolle nach Hause kommen»

Am 31. Mai 2015 reisten die beiden ab. Nivarlain berichtet detailliert, wie sie von Schweden nach Mossul gelangt sind. In der IS-Hochburg hätten sie ein Haus bekommen, das allerdings nicht ihren Vorstellungen entsprach: «Im Haus hatten wir nichts – keinen Strom, kein Wasser, nichts. Es war völlig anders als in Schweden. In Schweden haben wir alles.»

Als sie ein Telefon in die Hände kriegte, rief sie ihre Mutter: «Ich sagte, ich wolle nach Hause kommen. Sie kontaktierte die Behörden ...» In diesem Moment unterbricht Nivarlain ihre Erzählung und sagt jemandem hinter der Kamera, sie könne etwas nicht «sehen». Daraufhin gibts einen Schnitt und die 16-Jährige beendet das Video mit den Worten: «Jetzt bin ich in Erbil und möchte dem Sicherheitsrat des kurdischen Regimes danken. Und ich möchte ihm danken, dass er mich heim nach Schweden schickt, damit ich meine Familie wiedersehen und ein glückliches Leben führen kann.»

Der kurze Unterbruch könnte darauf schliessen lassen, dass Nivarlain für einige ihrer Aussagen eine schriftliche Vorlage hatte. Dass die Kurden nach ihrer erfolgreichen Befreiungsaktion ein PR-Video drehten, ist vorstellbar – zumal ein entsprechender Versuch im Oktober gescheitert war. Laut eigenen Angaben wurde die kurdische Regionalverwaltung von der Familie des Mädchens und der schwedischen Regierung um Hilfe gebeten. Details zur Befreiung sind nicht bekannt. Auch hat die schwedische Regierung bislang keine Medienanfragen zu diesem Fall beantwortet. Über das Schicksal des Babys ist ebenfalls nichts bekannt.

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