Ricardo Rodriguez: «Ich zähle mich auf meiner Position zu den drei Besten in ganz Italien»

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Ricardo Rodriguez«Ich zähle mich auf meiner Position zu den drei Besten in ganz Italien»

Nati-Verteidiger Ricardo Rodriguez absolviert gegen Tschechien in der Nations League sein 100. Länderspiel. Im Interview mit 20 Minuten spricht er über die goldene Generation und sein Leben in Turin.

von
Tobias Wedermann
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Gegen Spanien absolvierte Ricardo Rodriguez sein 99. Länderspiel. 

Gegen Spanien absolvierte Ricardo Rodriguez sein 99. Länderspiel. 

freshfocus
Gegen Tschechien wird es also ein Jubiläum geben – 100 Länderspiele! 

Gegen Tschechien wird es also ein Jubiläum geben – 100 Länderspiele! 

Toto Marti/Blick/freshfocus
Im Oktober 2011 gab er gegen Wales unter Ottmar Hitzfeld sein Nati-Debüt. 

Im Oktober 2011 gab er gegen Wales unter Ottmar Hitzfeld sein Nati-Debüt. 

Urs Lindt

Darum gehts

Ricardo Rodriguez, gegen Tschechien machen Sie Ihr 100. Länderspiel für die Schweiz. Was bedeutet Ihnen das?

Ich bin sehr glücklich und stolz. Das schafft nicht jeder. 

Welche sind die schönsten Erlebnisse aus elf Jahren und 100 Spielen in der Nati?

Die Turniere, klar. Aber die Nati-Zeit bedeutet auch immer, meine Freunde zu treffen, mit denen ich seit Jahren zusammenspiele. Das ist schön. 

Ist das auch ein Erfolgsrezept dieser Nati-Generation?

Es gibt einen Kreis von Spielern, die seit Jahren zusammentreffen bei der Nati. Xhaka, Shaqiri, Sommer oder Seferovic und ich. Wir alle sind lange dabei und pflegen ein gutes Verhältnis. Wenn man so lange gut zusammenarbeitet, kommt logischerweise Erfolg dabei heraus.

Mario Gavranovic war auch Teil dieser Gruppe. Beim Rücktritt lief nicht alles sauber. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Es ist schade für uns Spieler, dass er seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Wir hatten alle ein gutes Verhältnis zu Gavra. Er hat vieles geleistet für dieses Team, wichtige Tore geschossen. Was sich hinter den Kulissen abgespielt hat, kann ich nicht beurteilen, da ich in die Sache nicht involviert war. Ich wünsche ihm jedoch für die Zukunft nur das Beste.

Macht man sich auch selber Gedanken um die Wertschätzung?

Im Fussballbusiness kann alles immer wahnsinnig schnell gehen. Wertschätzung allgemein ist keine Stärke dieses Geschäfts.

Wie erleben Sie das Aufeinandertreffen der Alphatiere Murat Yakin und Granit Xhaka?

Granit ist ein Super-Typ, ein Leader mit grossem Herzen. Die beiden pflegen ein gutes und gesundes Verhältnis. 

Sie erlebten mit Hitzfeld, Petkovic und Yakin auch drei starke Charaktere als Nati-Trainer.

Das gute und professionelle Verhältnis, welches ich mit Hitzfeld und Petkovic hatte, pflege ich nun auch mit Yakin. Sie sind alle drei grossartige Trainer.

Sie machen bei der Nati aktuell eine Doku-Serie. Wie ist es, permanent Kameras dabei zu haben?

Es ist völlig okay, aber nichts für mich ganz ehrlich. Mein Job ist es, Fussball zu spielen, mich zu fokussieren und Spiele zu gewinnen. Wir wollen etwas erreichen an der WM. 

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an die WM in Katar denken?

Das erste Spiel gegen Kamerun. Es ist wichtig, dass wir das gewinnen. Wir haben eine schwierige Gruppe. Ich hätte mir andere Gegner gewünscht, weil wir Brasilien und Serbien schon vor vier Jahren hatten. 

Was erwarten Sie vom Serbien-Spiel? Sie waren 2018 in Russland dabei. 

Natürlich wird es wieder hitzig. Die Serben sind heiss auf eine Revanche. Es wird bestimmt auch Provokationen geben. Wir müssen einfach cool bleiben. 

Sie spielen in Turin Innenverteidiger in einer Dreierkette, im Nationalteam Linksverteidiger. Was gefällt Ihnen besser?

Innenverteidiger zu sein, gefällt mir sehr gut. Auf der linken Position in einer Dreierkette zähle ich mich zu den drei Besten in ganz Italien. Aber das heisst nicht, dass ich ein Problem damit habe, Linksverteidiger zu sein. 

Das sagt Trainer Yakin zum Rodriguez-Jubiläum

Wechseln wir nach Italien – Sie wurden auf diese Saison hin Captain des FC Torino. Wie gefällt Ihnen die Rolle?

Es ist eine neue Herausforderung, die mir guttut und die ich vielleicht auch gebraucht habe. 

Inwiefern?

Ich war nie ein Spieler, der viel redet. Jetzt muss ich kommunikativer sein. Ich vertrete die Interessen der Mannschaft gegenüber dem Trainer oder gebe jungen Spielern Ratschläge.

In der italienischen Liga ist oft der Fokus auf Inter, Milan oder Ihrem Stadtrivalen Juventus. Wie erklären Sie den Verein Torino? 

Es ist ein absoluter Traditionsclub und aktuell auf einem guten Niveau, vergleichbar mit Atalanta oder Fiorentina. Früher gab es Zeiten, in denen das italienische Nationalteam fast nur aus Torino-Spielern bestand. Die Serie A ist eine interessante Liga, nicht nur die Top-3-Clubs. 

Wie ist es in Turin selber? Sind alle Juventus- oder Torino-Fans?

In der Welt ist es Juve, die Stadt gehört Torino. Die Stadt ist sehr leidenschaftlich und die Fans erwarten, dass man das Trikot mit Stolz trägt. Das kriegt man an jeder Ecke zu spüren.

Sie haben für Torino noch kein einziges Tor geschossen. Das war bei anderen Clubs anders. Was ist los?

Ja, ich bin nicht mehr gefährlich (lacht). Nein, ich spiele nicht mehr Linksverteidiger, sondern bin Teil einer Dreierkette. Mein Job ist es, dass wir hinten kein Tor kassieren.

Vor einem Jahr wollten Sie eigentlich weg aus Turin.

Das stimmt. Ich wurde in der Rückrunde 2021 vor der EM vom damaligen Trainer nicht berücksichtigt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Danach kam Ivan Juric, der uns heute noch trainiert. Wir haben lange und intensive Gespräche geführt. Ich bin geblieben und jetzt bin ich Captain und Stammspieler.

Sie sind inzwischen auch Vater eines Sohnes geworden. Wie hat die Geburt Ihr Leben verändert?

Ich habe jetzt nicht nur im Team, sondern auch zuhause mehr Verantwortung (lacht). Es ist sehr schön, Vater zu sein. Es hilft mir nach einer strengen Trainingseinheit oder einem Spiel mal abschalten zu können.

Was wollen Sie in Ihrer Karriere noch erreichen?

Ich habe es schon mehrmals gesagt: In Spanien zu spielen ist ein Traum von mir. Ich liebe den Fussball dort. Vielleicht geht dies noch in Erfüllung. Ich bin mit 30 im besten Fussballalter und will so lange spielen, wie möglich.

Und nach der Fussballkarriere?

Ich weiss es noch nicht. Wir starten jetzt die Rodriguez Academy und Dutzende Kinder haben sich bereits angemeldet. Das wäre sicher was für die Zukunft – der Schweiz und auch den weniger privilegierten Kindern etwas zurückzugeben. 

Gewinnt die Nati gegen Tschechien?

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