Horst Heldt: «Ich ziehe den Hut vor Strellers Entwicklung»
Aktualisiert

Horst Heldt«Ich ziehe den Hut vor Strellers Entwicklung»

Am Tag vor dem Champions-League-Hit gegen Basel schwärmt Schalke-Manager Horst Heldt von Trainer Murat Yakin, Edeljoker Valentin Stocker und Captain Marco Streller.

von
Eva Tedesco

Nach einem unrühmlichen 3:3 (nach einer 3:1-Führung) gegen Hoffenheim am Wochenende ist Schalke-Trainer Jens Keller froh, auf das Duell gegen den FCB fokussieren zu können. Schalke-Sportdirektor Horst Heldt musste sich am Montagabend im Pressecenter des Joggeli noch Fragen der deutschen Journalisten zum Remis und der Suspendierung von Jermaine Jones beantworten.

Während der Schalker Sportdirektor am Sonntag am liebsten alle elf Spieler in die Wüste geschickt hätte – «Hören Sie mir auf mit der scheiss Mentalitätsfrage. Wir haben individuell wahnsinnige Fehler gemacht, das hat aber nichts mit der Mentalität zu tun. Das hat bei dem ein oder anderen mit der Birne zu tun» –, äusserte er sich in Basel moderater. «Jermaine hat eine Denkpause erhalten», sagte er. Der Mittelfeldakteur hatte in Hoffenheim schlecht gespielt und mit einer fahrlässigen Aktion beinahe noch das 3:4 verursacht. Man habe die zweite Halbzeit gegen Hoffenheim analysiert, die Tore und das Verhalten vor den Gegentoren angeschaut – er habe Einzelgespräche geführt.

«Mit Entscheidungen, die man ad hoc fällt und aus der Emotion heraus, kann man keinen Laden führen», so Heldt. «Aber ich schreie nicht. Denn wer schreit, ist feige. Was man sagt, muss Wirkung haben.» Die Wirkung erhofft sich der Sportchef im Duell gegen den FC Basel, wo er in Marco Streller auf einen alten Bekannten aus Stuttgarter Zeiten trifft. Mit dem FCB-Captain hat Heldt bis Ende 2005 zusammengespielt, bevor er Sportdirektor bei den Schwaben und damit Strellers Boss wurde.

Herr Heldt, freuen Sie sich auf das Wiedersehen mit Marco Streller?

Horst Heldt: Wir haben uns kurz gesprochen, als ich auf dem Weg hierher war. Es hat mich sehr gefreut, Marco zu sehen. Ich muss den Hut vor seiner Entwicklung ziehen, denn er hatte keine einfache Zeit in Stuttgart. Dass er Qualität hat, steht ausser Zweifel, aber mit seiner Verletzung konnte er nie richtig Fuss fassen.

Was konkret lässt Sie den Hut ziehen?

Dass er nun so zurückkehrt, damit habe ich nicht gerechnet. Er ist ein toller Typ, der es schafft, den Fünfer gerade sein zu lassen, aber als Profi dennoch gierig genug ist. Es ist erstaunlich, wie sehr er in seiner Persönlichkeit gereift ist. Wer sich mit dem FC Basel beschäftigt, kennt viele Namen. Der des Kapitäns wird dabei immer erwähnt. Er ist ein absoluter Führungsspieler und das habe ich ihm so nicht zugetraut. Aber er muss es ja nicht unbedingt im Spiel gegen uns zeigen – sonst trete ich ihm in den Hintern.

Sie haben sich offenbar in der Transferzeit auch mit dem FC Basel beschäftigt. Schalke soll Interesse an Valentin Stocker gehabt haben. Oder haben das die Medien erfunden?

Das war definitiv keine erfundene Sache.

Auch nicht, woran es gescheitert ist oder ob Schalke einen neuen Vorstoss machen wird?

Ein Vorstoss wäre respektlos gegenüber dem Spieler und auch gegenüber dem Verein. Fakt ist, dass er hier unter Vertrag steht. Was ich sagen kann: Er hat viel Qualität, hat in den letzten Jahren viele Titel mit dem FC Basel geholt und ist ein führender Kopf der Mannschaft. Auch, dass seine Leistung sicher nicht schlechter wird.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie beim Blick über die Grenzen auch gern in die Schweiz schauen. Haben Sie Murat Yakin diesen Erfolg als Trainer zugetraut?

Selbstverständlich. Er war immer selbstbewusst und schon als Spieler mit allen Wassern gewaschen. Wir haben uns nach seiner Zeit in Deutschland das eine oder andere Mal getroffen und ich habe mit Spannung verfolgt, wie er Spiele und Spieler beobachtet. Er ist mit 39 Jahren ein junger Trainer, der als Spieler viel Erfahrung gesammelt hat. Die Yakins standen schon immer für etwas Besonderes, deshalb kommt das für mich nicht unerwartet.

Könnte er auch in der Bundesliga als Trainer bestehen?

Selbstverständlich. Der FC Basel ist in der Schweiz das, was der FC Bayern in Deutschland ist. Er ist grösser und bietet die besten Rahmenbedingungen. Da muss man schon Qualität und Selbstbewusstsein liefern. Yakin hat gezeigt, dass er ein guter Trainer ist. Dass er an der Seitenlinie schnell agieren kann.

Der FCB hat mit dem sensationellen Sieg gegen Chelsea einen Coup gelandet. Hat Sie der Sieg überrascht?

Nein, das hat mich nicht überrascht. Basel hat mit dem Erreichen der Europa-League-Halbfinals in der letzten Saison gezeigt, was es kann. Der FCB hat international viele gute Spiele abgeliefert, das bleibt nicht verborgen. Und so gehen wir das Spiel am Dienstag in Basel an: Ich erwarte einen konzentrierten, sehr starken Gegner. Das Stadion wird ein Hexenkessel sein. Aber wir wollen uns in der Gruppe E eine gute Ausgangslage verschaffen.

«Yakin hat mir gesagt, wie er spielen wird» Schalke Trainer Jens Keller erwartet ein schwieriges Spiel, sagt aber auch, dass man sich nicht verstecken wird. Lob gibt es vom Bundesliga-Trainer, der mit FCB-Trainer Murat Yakin beim VfB Stuttgart eine gemeinsame Vergangenheit als Spieler hat, an die Adresse der Bebbi: «Ich erwarte eine Mannschaft, die taktisch variabel spielen kann und innerhalb des Spiels ihre taktische Ausrichtung auch des Öfteren wechselt. Wenn man gegen Chelsea ihr Umschaltspiel gesehen hat, wie sie verteidigt und immer wieder Nadelstiche gesetzt hat, war das schon grosser Sport.» Mit Yakin kam es zuletzt Anfang September am Elitetrainer-Forum in Nyon zu einem Treffen. «Er hat mir gesagt, wie er spielen wird und ich habe ihm gesagt, wie ich spielen werde. Also von dem her haben wir alles offen gelegt und wissen, was auf uns zukommt», scherzte Keller.

«Yakin hat mir gesagt, wie er spielen wird» Schalke Trainer Jens Keller erwartet ein schwieriges Spiel, sagt aber auch, dass man sich nicht verstecken wird. Lob gibt es vom Bundesliga-Trainer, der mit FCB-Trainer Murat Yakin beim VfB Stuttgart eine gemeinsame Vergangenheit als Spieler hat, an die Adresse der Bebbi: «Ich erwarte eine Mannschaft, die taktisch variabel spielen kann und innerhalb des Spiels ihre taktische Ausrichtung auch des Öfteren wechselt. Wenn man gegen Chelsea ihr Umschaltspiel gesehen hat, wie sie verteidigt und immer wieder Nadelstiche gesetzt hat, war das schon grosser Sport.» Mit Yakin kam es zuletzt Anfang September am Elitetrainer-Forum in Nyon zu einem Treffen. «Er hat mir gesagt, wie er spielen wird und ich habe ihm gesagt, wie ich spielen werde. Also von dem her haben wir alles offen gelegt und wissen, was auf uns zukommt», scherzte Keller.

Mit mehr Ernst gab Keller über Kevin Prince Boateng Auskunft, der am Morgen nicht mit der Mannschaft nach Basel geflogen war: «Er hatte einen privaten Gerichtstermin in Düsseldorf.» Sportdirektor Horst Heldt ergänzt: « Der Termin war mit uns abgesprochen und konnte leider nicht verschoben werden. Es gibt Dinge, da kann auch der Fussball nichts dagegen machen.» Im Abschlusstraining war der 12-Millionen-Euro-Einkauf der «Königsblauen» aber da. ete

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