Gibt es in Zürich bald keine Tiefgaragen mehr?

Publiziert

Betonverbot«Ideologischer Kampf gegen das Auto» – Gibts in Zürich bald keine Tiefgaragen mehr?

Weil die Produktion von Beton umweltschädlich ist, soll in der Stadt möglichst darauf verzichtet werden. Das zumindest fordern zwei Grüne Gemeinderäte.

von
Anna Ehrensberger
1 / 4
In einer schriftlichen Anfrage an den Stadtrat fordern die beiden Grünen Gemeinderäte Jürg Rauser und Yves Henz den Stadtrat dazu auf, zu prüfen, wie im Bausektor Beton eingespart werden kann. 

In einer schriftlichen Anfrage an den Stadtrat fordern die beiden Grünen Gemeinderäte Jürg Rauser und Yves Henz den Stadtrat dazu auf, zu prüfen, wie im Bausektor Beton eingespart werden kann. 

Getty Images
Insbesondere werden Bauten unter dem Terrain, also Tiefgaragen, Schutzräume und Lagerräume, ins Visier genommen. «Zurzeit ist es schwierig, bei den genannten Bereichen auf den Beton zu verzichten.»

Insbesondere werden Bauten unter dem Terrain, also Tiefgaragen, Schutzräume und Lagerräume, ins Visier genommen. «Zurzeit ist es schwierig, bei den genannten Bereichen auf den Beton zu verzichten.»

gruene.ch
Përparim Avdili,  Gemeinderat und Präsident der FDP Stadt Zürich, sieht in dieser Anfrage einen indirekten Angriff an die Autofahrenden. Man solle aber die Antwort des Stadtrates erstmal abwarten. 

Përparim Avdili,  Gemeinderat und Präsident der FDP Stadt Zürich, sieht in dieser Anfrage einen indirekten Angriff an die Autofahrenden. Man solle aber die Antwort des Stadtrates erstmal abwarten. 

Privat

Darum gehts

  • Zwei Grünen-Gemeinderäte bitten in einer schriftlichen Anfrage den Stadtrat zu prüfen, wie Beton im Bau vermindert werden kann. 

  • Insbesondere werden Tiefgaragen, Schutz- und Lagerräume ins Visier genommen. 

  • Für FDP- Gemeinderat Përparim Avdili ist diese Anfrage ein indirekter Angriff auf die Autofahrenden. 

Der Bausektor soll nachhaltiger werden: Dieser Meinung sind zumindest die beiden Grünen-Gemeinderäte Jürg Rauser und Yves Henz. «Der Bausektor ist aufgrund des hohen Betonverbrauchs zurzeit für einen grossen Teil der globalen und lokalen CO2-Emissionen verantwortlich», so Rauser. In einer schriftlichen Anfrage fordern die beiden nun den Stadtrat auf, zu prüfen, wie im Bausektor Beton eingespart werden kann. 

Mit der Anfrage wolle man vor allem bewirken, dass sich die Stadt mehr mit der Thematik auseinandersetzt, sagt Rauser. «Die Stadt soll eine Vorbildfunktion übernehmen und bei städtischen Bauten den totalen CO2-Ausstoss höher gewichten. Dadurch würden automatisch viele Architekturfirmen mehr mit nachhaltigen Materialien wie Holz bauen.»

Holz als Alternative

Von den beiden Gemeinderäten werden insbesondere Bauten unter dem Terrain, also Tiefgaragen, Schutzräume und Lagerräume, ins Visier genommen. «Zurzeit ist es schwierig, bei den genannten Bereichen auf den Beton zu verzichten», gesteht Jürg Rauser, Architekt und Baubiologe. Aus diesem Grund sei es naheliegend, so oft wie möglich auf diese Räume ganz zu verzichten.

Besitzt du ein Auto?

Beim Hochbau biete sich als Alternative zum Bau mit Beton primär Holz an, so Rauser. «Natürlich ist es manchmal aufwendiger, da man Holz aus Brandschutzgründen beispielsweise mit Gipsplatten verkleiden muss. Ebenfalls ist mir bewusst, dass Beton zurzeit noch günstiger und einfacher anwendbar als Holz ist.» Doch der Grünen-Politiker relativiert, dass beim Bau mit Holz bei den Produktionskosten und dem Transport gespart werden könnte. «Das Holz kann primär aus Schweizer Wäldern stammen.»

«Ideologischer Kampf gegen das Auto»

Im Gemeinderat löst diese Anfrage ambivalente Gefühle aus: «Hinter solchen Anfragen steht oft ein ideologischer Kampf gegen das Auto», sagt Përparim Avdili, Zürcher Gemeinderat und Parteipräsident der FDP Stadt Zürich. «Es macht doch Sinn, Autos in einer unterirdischen Garage abzustellen, um oberhalb mehr Platz für Parks und Lebensraum zu schaffen.» Man könne allerdings gespannt sein, was der Stadtrat antworte. «Wenn man ein CO2-ärmeres  Baumaterial findet, welches zugleich den heutigen Sicherheitsstandards entspricht, sollte man dieses natürlich verwenden», so Avdili. 

Von Seiten der Stadt kann man zu der schriftlichen Anfrage noch keine Stellung nehmen, da man der Antwort des Stadtrats darauf nicht vorgreifen könne, sagt Anja Grüter, Mediensprecherin des Zürcher Hochbaudepartements. «Innert der Frist von drei Monaten wird diese Anfrage geprüft und entsprechend beantwortet.»  

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

98 Kommentare