Abgemagerte Tiere: Igel und Frösche leiden nach mildem Winter
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Abgemagerte TiereIgel und Frösche leiden nach mildem Winter

Verkehrte Welt: Der warme Winter hat Igeln, Fröschen oder Zecken zugesetzt. Im Zoo haben exotische Tiere hingegen den Plausch.

von
sst
Der warme Winter hat dem Igel stark zugesetzt. In den Igelstationen werden derzeit viele abgemagerte Tiere aufgepäppelt.

Der warme Winter hat dem Igel stark zugesetzt. In den Igelstationen werden derzeit viele abgemagerte Tiere aufgepäppelt.

In den Gärten spriessen die Gänseblümchen, die Vögel zwitschern von den Bäumen. Der Frühling hat die Schweiz fest im Griff: Der Februar war drei Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt, in manchen Regionen wie dem St. Galler Rheintal gar mehr. Der äusserst milde Winter hat insbesondere die Tierwelt auf den Kopf gestellt: «Seit Januar sind bereits 40 Anrufe wegen verwirrter Igeln eingegangen, letztes Jahr waren es nur sieben», sagt Liliane Männlein von der Igelberatungsstelle St. Gallen. Auch in den Igelzentren, wo kranke Tiere aufgepäppelt werden, laufen die Drähte heiss: In Kreuzlingen mussten dieses Jahr bereits 28 Igel gepflegt werden.

Grund dafür ist der zu warme Winter: Normalerweise schlafen Igel den Winter durch. Ihr Herz schlägt nur noch um die zehn Mal pro Minute anstatt 200 mal, die Körpertemperatur sinkt auf unter zehn Grad. Dadurch verbrauchen sie kaum Energie und kommen mit dem angefressenen Fett durch den Winter. Dieses Jahr sind die Igel wegen den hohen Temperaturen jedoch früher aufgewacht oder machten gar nie erst einen Winterschlaf.

Abgemagerte Tiere unterwegs

Da sie sich nun bewegten, verbrauchten die nachtaktiven Insektenfresser ihre Fettreserven schneller und wurden hungrig. «Das Nahrungsangebot war aber sehr begrenzt», sagt Roschi Schmitz von der Igelstation Kreuzlingen. Deshalb sah man in den letzten Wochen viele Igel, die auch am Tag unterwegs waren auf der Suche nach Essen. Abgemagerte Tiere, die am Tag unterwegs seien, solle man in eine Kartonschachtel stecken, wägen und dann eine Igelstation anrufen. Oftmals seien die Tiere nicht krank, sondern nur ausgehungert.

Bernhard Bader von Pro Igel Schweiz warnt jedoch, man solle die Hände von den Tieren lassen. «Der Igel ist ein Wildtier, es können nicht alle Igel den Winter überleben», so Bader. Füttere man die Tiere durch, würden sich die Tiere daran gewöhnen und mit Krankheiten angesteckt.

Nach Rekordjahr weniger Zecken

Nicht besser ergeht es momentan den Fröschen und Kröten. «Viele Tiere sind erschöpft und abgemagert», sagt Amphibienspezialist Jonas Barandun. Viele Frösche seien bereit verhungert, die Population nehme dieses Jahr ab. Auch sie sind frühzeitig aus der Winterstarre erwacht und verbrauchten dadurch zu viel Energie.

Erfreulich aus Sicht des Menschen ist, dass es den Zecken gleich erging wie den Fröschen und Igeln. Auch sie erwachten frühzeitig aus der Winterstarre: Weil ihre «Batterie» leer war, fanden sie aber keine Nahrung und verhungerten. «Dieses Jahr wird es darum sicher weniger Zecken in den Wäldern haben», erklärt Zeckenexperte Norbert Satz. Nach dem Rekordjahr vom letzten Jahr nimmt die Population also dieses Jahr erstmals wieder ab. Dies heisse jedoch nicht, dass es auch weniger Infektionen gebe: «Man muss trotzdem vorsichtig sein», warnt Satz. Je mehr Menschen sich im Freien aufhalten würden, desto mehr Infektionen gebe es auch.

Im Zoo freuen sich die Tiere

Einen angenehmen Winter verbrachten die Tiere im Zoo. «Sie spüren den Frühling schon lange», sagt Ernst Federer vom Walter-Zoo in Gossau. Deshalb herrscht Ramba-Zamba: Im Gehege der Biberratten geht es heiss zu und her, die Pfauen-Männchen balzen um ihre Weibchen und das Stumpfkrokodil beginnt einen Monat früher als sonst ihre Eier zu legen. Laut Federer spüren jedoch nicht nur die Tiere den Frühling: «Die Besucherzahlen sind dieses Jahr höchst erfreulich.»

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