Bundesrätin Simonetta Sommaruga gibt Rücktritt bekannt

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Rücktritt Sommaruga«Ihr Entscheid zu Gunsten ihres Mannes verdient allergrössten Respekt»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga tritt zurück.  Auf Social Media melden sich Politiker-Kolleginnen und -Kollegen zu Wort.

von
Monira Djurdjevic
Marino Walser
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Bundesrätin Sommaruga tritt zurück. Der Grund ist unter anderem der Gesundheitszustand ihres Ehemannes.

Bundesrätin Sommaruga tritt zurück. Der Grund ist unter anderem der Gesundheitszustand ihres Ehemannes.

REUTERS
Die SP-Politikerin ist seit November 2010 Bundesrätin.

Die SP-Politikerin ist seit November 2010 Bundesrätin.

20min/Simon Glauser
Seit Januar 2019 ist Sommaruga Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. 

Seit Januar 2019 ist Sommaruga Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. 

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

Bundesrätin Simonetta Sommaruga gab am Mittwoch ihren Rücktritt bekannt. Der Grund ist unter anderem der Gesundheitszustand ihres Ehemannes. Für SVP-Parteipräsident Marco Chiesa kommt der Rücktritt Sommarugas nur teilweise überraschend. «Sie ist bereits zwölf Jahre im Amt. Ein Ende zeichnete sich ab.»

Dass der Rücktritt aber derart schnell kommt, sei auch für ihn nicht vorhersehbar gewesen. «Ich respektiere diese Entscheidung. Erst recht, wenn es aufgrund familiärer Angelegenheiten ist», sagt Chiesa gegenüber 20 Minuten. 

«Ich kann den Rücktritt aufgrund der familiären Verhältnisse nachvollziehen», sagt auch SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi. Nach dem Rücktritt von Sommaruga und Ueli Maurer freue er sich auf die Zusammenarbeit mit dem neu zusammengesetzten Bundesrat.

«Der Rücktrittsgrund ist leider ein sehr trauriger»

Für FDP-Parteipräsident Thierry Burkart kam der Rücktritt überraschend, sei aber aufgrund der privat geschuldeten Umstände nachvollziehbar. «Dies gilt es zu respektieren», so Burkhart. Er habe während der gemeinsamen Zusammenarbeit immer einen guten und konstruktiven Austausch mit Simonetta Sommaruga gepflegt.

«Sie war immer mit sehr viel Engagement bei der Sache und ich hatte den Eindruck, dass sie weitermachen wollte», sagt Jürg Grossen, Präsident der Grünliberalen Partei. Sommaruga habe immer gut zugehört, den Austausch mit allen gesucht, Gespräche auf Augenhöhe geführt und sei sehr zuvorkommend gewesen.

Auch auf Social Media melden sich Politiker-Kolleginnen und -Kollegen zu Wort. Bundesrat Alain Berset schreibt auf Twitter: «Liebe Simonetta, so sehr ich deinen Entscheid bedaure, verstehe und respektiere ich ihn auch. Vielen Dank für dein immenses Engagement und die Zusammenarbeit in all den Jahren – und von Herzen alles Gute.»

«Auch, wenn ich selten mit Frau Sommaruga einer Meinung war, möchte ich mich herzlich für ihren Einsatz bedanken. Der Rücktrittsgrund ist leider ein sehr trauriger», schreibt FDP-Politiker Alain Schwald. 

«Mit dem Rücktritt von Sommaruga verliert die Schweiz eine leidenschaftliche und erfolgreiche Kämpferin für Klimaschutz und Menschenwürde, eine grosse Europäerin und einen feinen Menschen im Bundesrat», schreibt SP-Nationalrat Fabian Molina auf Twitter. Ihr Entscheid zu Gunsten ihres Mannes verdiene allergrössten Respekt.

«Vorbild, Pionierin, Kämpferin. Danke für alles», schreibt SP-Nationalrätin Tamara Funiciello.

SVP-Politiker Michael Frauchiger wünscht der Bundesrätin alles Gute: «Auch, wenn ich nicht viel einig hatte mit Ihnen, dennoch respektiere ich jeden Magistraten für seinen jahrelangen Einsatz für unser Land.»

«Mit dem Rücktritt von Sommaruga aus dem Bundesrat verlässt eine der ganz Grossen die Schweizer Politik», schreibt die Basler SP-Grossrätin Michela Seggiani.

«Wir bedauern den Rücktritt von Simonetta Sommaruga ausserordentlich und danken ihr von Herzen für ihr riesiges Engagement im Bundesrat. Die SP hat grössten Respekt und Verständnis für ihren Entscheid. Er zeugt davon, mit welcher Hingabe und Sorgfalt sie ihr Amt ausübt», teilte die SP mit. Die SP-Fraktion will ihre Nachfolge am 26. November nominieren.

Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli dankt Sommaruga für das lange beherzte Engagement als Bundesrätin: «Für sie war Politik kein Game, sondern ernsthafter und hartnäckiger Einsatz für tragfähige Lösungen», schreibt er auf Twitter. 

«Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat immer für die Menschen Partei ergriffen: Sie hat den Klimaschutz vorangetrieben, Lohngleichheit eingefordert, sich im Namen der Schweiz bei Verdingkinder entschuldigt. Mit Leidenschaft, Glaubwürdigkeit, Wertschätzung. Danke für alles, liebe Simonetta», schreibt SP-Nationalrätin Mattea Meyer.

Seit 2010 Bundesrätin

Die SP-Politikerin ist seit November 2010 Bundesrätin und seit Januar 2019 Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Von 2010 bis 2018 leitete sie das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement. 

Bei einer spontan einberufenen Medienkonferenz am Mittwoch verkündete die 62-Jährige ihren Rücktritt. «Ich habe heute Vormittag meine Kolleginnen und Kollegen über meinen Rücktritt informiert. Er kommt abrupt und früher als vorgesehen», sagte Sommaruga vor den Medien.

Ihr Mann Lukas Hartmann hat kürzlich einen Schlaganfall erlitten. «Das war ein grosser Schock für uns beide», so die Bundesrätin. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Den Einschnitt, den sie vor zehn Tagen erlebt habe, habe ihr deutlich gemacht, dass sie die Schwerpunkte in ihrem Leben anders setzen will.

«Deshalb trete ich als Bundesrätin per Ende dieses Jahres zurück», so Sommaruga. Sie habe die letzten zwölf Jahre ein Leben geführt, in dem das Amt als Bundesrätin immer oberste Priorität hatte. «Ich habe diese Intensität und Präsenz gelebt, weil es das aus meiner Sicht braucht in diesem Amt. Ich bin bis zum Schluss gerne Bundesrätin.»

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