Aktualisiert 20.11.2015 08:13

HotShotGG, Faker, Madlife

Ihr Gamername verrät, wie asozial Sie sind

Wissenschaftler haben Nutzernamen von 500'000 Online-Gamern ausgewertet. Die Pseudonyme sagen mehr über das Spielverhalten aus, als man denkt.

von
pst

«Sag mir Deinen Namen, und ich sage Dir, wie Du spielst.» – Wie treffend diese Redewendung im Bereich von Online-Games ist, haben Forscher der University of York jetzt herausgefunden. Für eine Studie über das Spielverhalten von Gamern, die sich online mit anderen messen, haben sie 500'000 anonymisierte Spielerdaten des Onlinegames «League of Legends» («LoL») ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass man aufgrund eines Gamernamens (auch Gamertag genannt) nicht nur Rückschlüsse auf das Alter des Spielers ziehen kann, sondern auch, ob sich die Person im richtigen Leben eher sozial oder asozial verhält (siehe Bildstrecke).

70 Millionen Spieler weltweit

Das Online-Rollenspiel «League of Legends» wird weltweit von etwa 70 Millionen Menschen gespielt. Im Game kämpfen zwei Teams aus jeweils drei oder fünf Spielern gegeneinander. Jeder von ihnen wählt zu Beginn einer Partie einen Helden mit individuellen Kampffähigkeiten. Ziel ist es, die gegnerische Mannschaft zu besiegen. Nach einer Partie können die Gamer ihre Mitspieler bewerten.

Die von den Wissenschaftlern um Athanasios Kokkinakis von der University of York ausgewerteten «LoL»-Spielerdaten enthielten lediglich die Nutzernamen sowie Informationen über das Verhalten der dazugehörigen Spielfigur und die von Mitspielern abgegebenen Bewertungen der Gamer. Daraus versuchten die Forscher, Hinweise auf Alter und Persönlichkeit der Spieler zu gewinnen.

Verräterisch wie Facebook-Daten

Die Forscher sind sich sicher, dass die Nutzerprofile von Online-Games genauso verräterisch sein können wie etwa die aus sozialen Netzwerken gesammelten Nutzerdaten. «Wir denken, dass dies erst die Spitze des Eisbergs ist», so Athanasios Kokkinakis.

Die riesigen Datensätze seien für die Wissenschaftler ein einzigartiges Tool, um die menschliche Psyche weltweit zu erforschen. Für Kokkinakis und sein Team sind Gamernamen Fenster zur Persönlichkeit der Spieler.

Der Name definiert den Spielstil

«Wir haben festgestellt, dass Menschen, die einen antisozialen Nutzernamen wählen, dazu neigen, auch im Spiel eher antisozial zu agieren», sagt der Autor der Studie, Alex Wade, gegenüber Scinexx.de. Wessen Spielername etwas Negatives aussagt oder Kraftausdrücke enthält, der oder die gibt Mitspielern weniger positive Bewertungen und bekommt selber auch weniger davon. Gamer, die hingegen eher positiv geprägte oder neutrale Gamertags haben, verhalten sich auch im Spiel sozialer.

Zudem fanden die Forscher heraus, dass sich jüngere Gamer beim Zocken asozialer verhalten als ältere. So würden Spieler zwischen 22 und 26 Jahren deutlich seltener negative Bewertungen abgeben als Gamer zwischen elf und 15 Jahren. Auf das Alter eines Gamers lässt sich übrigens oft ganz einfach schliessen. Viele Online-Spielernamen enden nämlich mit der Geburtsjahreszahl des Gamers.

Fehler gefunden?Jetzt melden.