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Star StyleIhr gehört die Zukunft

Sie ist New Yorks heissestes It-Girl - und noch keine 16 Jahre alt. Die Frage ist nicht, ob Taylor Momsen eine grosse Karriere machen wird, sondern ob es eine als Film- oder eine als Rockstar sein wird.

von
Michèle Binswanger

Ein platinblondes, turmlanges Mädchen stolpert im cremefarbenen Kleid, mit Ledermanschetten und schwarzen Plateau-Schnürstiefeln über die Bühne des New Yorker Hipster-Hotspots Annex, dem gerade angesagtesten Club. Ihre Bewegungen sind linkisch, aber ihre kehlige Stimme trägt über die bretternden Gitarren: «I'm gonna lalalala like you, I used to h-h-h-h-hate you, but now I really fuckin' love you» schreit sie. Tönt wie Punk. Bloss, dass es statt nach Bier nach Haarspray riecht. Und in der ersten Reihe keine pickligen Jungs Pogo tanzen, sondern aufgebrezelte Teen-Girls ihre iPhones draufhalten. Was ist das? Eine punky Mode-Extravaganza? Oder ein aufgeglamtes Punkrevival?

Beides. Oder nichts davon. Es ist das Debüt-Konzert von Taylor Momsen, bekannt als Jenny Humphrey aus der TV-Serie «Gossip Girl». Ausserdem ist sie Model, It-Girl und Schauspielerin. Und seit dem Auftritt ihrer Band Pretty Reckless kann man dieser Liste noch was hinzufügen: angehende Rocksensation.

Pretty Reckless (ziemlich verwegen): Das passt als Motto auch zur Karriere der 15-Jährigen. Mit drei stand sie erstmals vor der Kamera. Mit sieben spielte sie an der Seite von Jim Carrey in «The Grinch». Mit 14 stiess sie zum Cast der Seriensensation «Gossip Girl», unterschrieb kurz darauf einen Model-Vertrag bei IMG und spielte in Gus Van Sants «Paranoid Park». Im April adelte das Magazin «People» sie zu einer der 100 schönsten Showgrössen. Zeitgleich wurde sie mit ihrer Band als Eröffnungsakt für die Amerika-Tour von The Veronicas gebucht – noch bevor sie ihr erstes Konzert gegeben, geschweige denn ein Album veröffentlicht hatte. Kann man es besser machen?

Kaum. Oder doch. Denn Momsen ist nicht nur erfolgreich, sie ist angesagt. Ist es Authentizität? Ist es Stil? Egal, die Welt scheint jedenfalls darauf aus zu sein, sich ihr zu Füssen zu werfen. Sicher hat ihr «Gossip Girl» dabei nicht geschadet. Die Soap um die Sprösslinge der New Yorker Hochfinanz zwischen Intrigen und Absturz wurde trotz schlechter Quoten zur Inspiration für Designer, Moderedakteurinnen und Fashionistas. Taylors Figur Jenny Humphrey spielt dabei eine besondere Rolle. Als vergleichsweise armes Mittelschicht-Mädchen, das es in die glamouröse Welt der noblen Upper-East-Side-Prinzessinnen schaffen will, ist sie eine attraktive Schurkin.

Und Momsen bringt diesen ganz speziellen Look der Serie auf die Strasse zurück. «Ich habe keinen Stylisten oder so. Auf dem Set von ‹Gossip Girl› trage ich einfach das, was ich sonst auch tragen würde», sagt sie dazu. In der Serie sieht man einen detailverliebten Schulmädchen-Schick, privat gibt Taylor Momsen dem Ganzen aber einen kantigen Dreh. Damit macht sie sich nicht nur zum modischen Vorbild des weiblichen New Yorks zwischen zwölf und zweiunddreissig, sondern sie gilt auch als eines der heissesten New Yorker It-Girls.

Anders als ihrer Figur fehlt es ihr im realen Leben an eiskalter Berechnung. Sie nimmt das von Monat zu Monat wachsende Interesse an ihrer Person mit Verwunderung und leisem Amüsement zur Kenntnis. Und schreitet so nonchalant von Erfolg zu Erfolg, als hole sie eben mal Kaffee bei Starbucks. Fragt sich nur noch, wo ihre zweifellos grossartige Zukunft sie hinbringen wird: eher nach Hollywood oder auf die grossen Konzertbühnen dieser Welt. Für sich hat Momsen diese Frage schon beantwortet: «Ich möchte als Sängerin berühmt werden, die früher einmal schauspielerte. Und nicht umgekehrt.» So oder so werden wir noch von ihr hören.

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