06.07.2016 13:18

Panama Papers«Ihr Hurensöhne, macht keinen Killer aus mir»

Die türkische Zeitung «Cumhuriyet» zeigt auf, welche AKP-nahen Unternehmer in den Panama Papers auftauchen. Ein Mann ist darüber besonders erbost.

von
mlr
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Der türkische Bauunternehmer Mehmet Cengiz ist Inhaber einer Firma, die am Bau des neuen Istanbuler Flughafens beteiligt ist. Er ist einer der Geschäftsleute aus der Türkei, die in den Panama Papers auftauchen.

Der türkische Bauunternehmer Mehmet Cengiz ist Inhaber einer Firma, die am Bau des neuen Istanbuler Flughafens beteiligt ist. Er ist einer der Geschäftsleute aus der Türkei, die in den Panama Papers auftauchen.

Screenshot Twitter
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kommt in den Dokumenten nicht vor. Fünf der sechs erwähnten Geschäftsmänner gelten jedoch als AKP-nah.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kommt in den Dokumenten nicht vor. Fünf der sechs erwähnten Geschäftsmänner gelten jedoch als AKP-nah.

Keystone/AP/Kayhan Ozer
Zu den Unternehmern in den geleakten Unterlagen gehört laut der türkischen Zeitung «Cumhuriyet» auch der Baununternehmer und Hotelketten-Besitzer Fettah Tamince.

Zu den Unternehmern in den geleakten Unterlagen gehört laut der türkischen Zeitung «Cumhuriyet» auch der Baununternehmer und Hotelketten-Besitzer Fettah Tamince.

Screenshot Twitter

Dass türkische Journalisten gefährlich leben, wenn sie über brisante Themen schreiben, ist bekannt. Wie offen unliebsamen Publizisten gedroht wird, offenbart eine weitergehende Recherche zu den im Frühjahr veröffentlichten Panama Papers.

Die Tageszeitung «Cumhuriyet» kündigte am 24. Juni an, sie werde über in den Finanzskandal verstrickte türkische Wirtschaftsbosse berichten. Als einziges türkisches Medium hatte sie Zugang zu den Panama Papers bekommen. Sie veröffentlichte Fotos von sechs Männern, von denen fünf enge Kontakte zum türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan pflegen. Daraufhin seien die Redaktoren, so schreibt die «Süddeutsche Zeitung», massiv bedroht worden.

«Ich werde euch bekämpfen»

Mehmet Cengiz – einer der sechs in der Zeitung abgebildeten Unternehmer – habe in der Redaktion angerufen und gesagt: «Ihr schämt euch nicht, mein Gesicht auf die Titelseite zu setzen? Ich werde euch bekämpfen (...) Ihr Hurensöhne, macht keinen Killer aus mir.» Sprach der Bauunternehmer damit eine Morddrohung aus?

Cengiz ist Inhaber einer Firma, die am Bau des neuen Istanbuler Flughafens beteiligt ist. Seine Familie gehört zu den reichsten in der Türkei und hat Beziehungen zur AKP und zu Erdogan persönlich. Sowohl Erdogan als auch der Cengiz-Clan stammen aus der Stadt Rize. Dort sitzen Erdogans Sohn Bilal und Mehmet Cengiz gemeinsam im Beirat einer Wohltätigkeitsstiftung an der Erdogan-Universität.

Cengiz, so geht laut «Süddeutscher Zeitung» aus den geleakten Panama Papers hervor, ist Mittelpunkt eines Netzwerkes von rund 20 Briefkastenfirmen, über die offenbar Zahlungen in Millionenhöhe getätigt wurden. Eine Firma namens Bonito International Inc., deren Bevollmächtigter Cengiz gemeinsam mit seinem Bruder war, sei an der in Grossbritannien registrierten MEC Metal Equipment & Consultancy Co. beteiligt gewesen. Diese wiederum hatte einen Beratungsvertrag mit einer gewissen Vremax Properties Limited auf den Britischen Jungferninseln. Für angebliche Beratungsleistungen flossen 2008 3,07 Millionen Dollar auf ein Konto bei einer Schweizer Privatbank.

Korruptionsskandal 2013

Hat der Geschäftsmann so über verschlungene Pfade öffentliches Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet? Die Vermutung liegt nahe, da Cengiz türkischen Medien zufolge in den vergangenen Jahren mehr öffentliche Ausschreibungen gewonnen hat als jeder andere Bauunternehmer.

Zudem tauchte sein Name bereits bei einer Korruptionsaffäre im Jahr 2013 auf. In den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ging es vor allem um unrechtmässige Vergabepraktiken bei öffentlichen Ausschreibungen für Bauprojekte. Damals nahmen mehrere Minister ihren Hut, Dutzende Geschäftsleute wurden festgenommen. Als selbst Erdogans Familie in den Blick geriet, setzte der damalige Premier den Ermittlungen ein Ende und liess Tausende Polizisten und Justizmitarbeiter verhaften.

Die Zeitung «Cumhuriyet» ist sich Probleme dieser Art indes gewohnt. Chefredaktor Can Dündar wurde vor einem Monat zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, weil die Zeitung über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an syrische Extremisten berichtet hatte. Vor der Urteilsverkündung wäre Dündar fast Opfer eines Anschlags geworden.

In Sachen Panama Papers wurde die Zeitung bisher aber nur von Cengiz bedroht – auch wenn andere türkische Wirtschaftsgrössen, die beste Beziehungen zur AKP-Spitze unterhalten, ebenfalls blossgestellt werden: Fettah Tamince, Baulöwe und Inhaber der Riox-Hotelkette, besitzt Offshore-Firmen und soll fast zehn Jahre keine Unternehmenssteuer gezahlt haben. Der Diamantenhändler Cihan Kamer und der Textilunternehmer Remzi Gür gehören ebenfalls zu den sechs «Panama-Türken».

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