Aktualisiert 30.03.2013 16:00

Aung San Suu Kyi

Ihr Image bekommt Kratzer

Von der Ikone zur Politikerin: Burmas Symbol des Widerstands gegen die Militärjunta, Aung San Suu Kyi, ist in der Politik angekommen. Der Heiligenschein verliert an Glanz.

Proteste und Kritik, die vielfach noch hinter vorgehaltener Hand geäussert wird: Das ist Burmas lange wie eine Heilige verehrte Freiheitsikone Aung San Suu Kyi nicht gewohnt.

Sie kennt eigentlich nur grenzenlose Bewunderung für die furchtlose Art, wie sie der Militärjunta die Stirn bot und dafür 15 Jahre Hausarrest in Kauf nahm. Das hat sich geändert, seit die 67-Jährige vor einem Jahr - am 1. April - als Kandidatin bei den Nachwahlen in Burma in die Niederungen der Politik hinabgestiegen ist.

Jetzt sitzt sie im Parlament. Und Realpolitik verlangt Kompromisse. Aung San Suu Kyi wird zwar noch immer verehrt, aber das Image der Lichtgestalt bekommt Kratzer. Nach Jahrzehnten der Militärdiktatur waren alle gesellschaftlichen Gruppen überzeugt, dass die Friedensnobelpreisträgerin nun an ihrer Seite stehen werde.

Das konnte kaum gut gehen. «Suu Kyi ist von dem Podest gefallen, das die Leute ihr gebaut haben», schreibt der Kommentator Myat Thu Pan im Online-Magazin «Mizzima». Mitte März entlud sich die Enttäuschung bei hunderten Dorfbewohnern in Monywa in Nordburma.

Suu Kyi war gekommen, aber statt die Bevölkerung bei ihrem Einsatz für den Umweltschutz zu unterstützen, forderte sie die Anwohner auf, ihren Protest gegen eine chinesische Kupfermine aufzugeben. Die Nation brauche die Einkünfte.

Keine offene Kritik in NLD

Menschenrechtler warteten lange vergeblich darauf, dass Suu Kyi die Diskriminierung der muslimischen Minderheit der Rohingya verurteilen möge. Auch die Minderheit der Kachin setzte auf Suu Kyi und hatte Protest gegen die Militäroperation erwartet, die vergangenes Jahr 100'000 Menschen in die Flucht schlug.

Doch Suu Kyi blieb vage. Sie arbeitet in Ausschüssen mit Militärs, die ein Viertel der Parlamentssitze innehaben. Den Grossteil der übrigen Sitze hält die Militärpartei USDP. «Ich mag das Militär sehr», sagte sie sogar - bezogen auf die Rolle des Militärs im Unabhängigkeitskampf, unter Führung ihres Vaters General Aung.

Mitglieder ihrer Partei Nationalliga für Demokratie (NLD), die das Militär teils jahrelang einkerkerte, reagierten konsterniert.

Doch direkte Kritik brachte vor dem ersten Parteitag in der 25-jährigen Geschichte der NLD keiner vor. «Niemand traut sich, vor Suu Kyi aufzumucken», sagte der Parteiveteran Win Tin der «New York Times», fügte aber hinzu: «Nicht aus Angst, sondern aus Bewunderung.»

Suu Kyi selbst trägt alle Kritik mit Fassung. «Das ist doch normal und natürlich, jetzt, da die Leute frei sind und reden und streiten können», sagte die Politikerin. «Wir sind eine loyale Opposition: loyal dem Land, der Nation und dem Volk gegenüber. Wir arbeiten mit anderen Parteien zusammen.»

Kooperation mit Thein Sein

Sie hat den Blick auf die nächsten Wahlen 2015 gerichtet. Die NLD boykottierte den Wahlgang 2010 und kam erst bei der Nachwahl 2012 ins Parlament. Sie gewann 42 von 43 Wahlkreisen, in denen sie antrat, hat damit aber in der Hauptparlamentskammer nicht einmal zehn Prozent der Sitze. Nun will Suu Kyi Präsidentin werden.

Dafür muss die Verfassung geändert werden. Suu Kyis freundliche Kooperation mit der Regierung trägt schon Früchte: Präsident Thein Sein hat einen Verfassungsausschuss vorgeschlagen.

Der könnte durchaus den Paragrafen ändern, der Personen wie Suu Kyi, die mit Ausländern verheiratet waren, das höchste Amt verwehrt, bestätigte der stellvertretende Vorsitzende der Regierungspartei USDP, Htay Oo. (sda)

(Bild: Keystone/AP/Nyein Chan Naing)

Suu Kyi nimmt an Militärparade teil

Ungewohntes Bild: Am Mittwoch hatte die jahrelang vom Militär unter Hausarrest eingesperrte Suu Kyi an einer Militärparade teilgenommen. Suu Kyi sass als Ehrengast in der ersten Reihe neben einem Generalmajor. Manche Burmesen betrachten diesen Schulterschluss mit den einstigen Drangsalierern mit Argwohn.

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