Basel: «Ihr Name stand in seinem Notizbuch» – und schon waren 93’000 Franken weg

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Basel«Ihr Name stand in seinem Notizbuch» – und schon waren 93’000 Franken weg

Ältere Frau (82) wird Opfer einer skrupellosen Betrugsmasche. Die Täter täuschen sie durch falsche Tatsachen und erbeuten Tausende von Franken.

von
Gandalf Weidemann
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Eine Basler Seniorin ging falschen Polizisten auf den Leim und übergab Unbekannten schliesslich insgesamt 93’000 Franken, die sie bei sich daheim aufbewahrt hatte. (Symbolbild)

Eine Basler Seniorin ging falschen Polizisten auf den Leim und übergab Unbekannten schliesslich insgesamt 93’000 Franken, die sie bei sich daheim aufbewahrt hatte. (Symbolbild)

20min/Matthias Spicher
Der angebliche Polizist hatte der Seniorin erzählt, ihr Name sei im Notizbuch eines Verhafteten gestanden. Deshalb müsse sie ihre Wertsachen in Sicherheit bringen. (Symbolbild)

Der angebliche Polizist hatte der Seniorin erzählt, ihr Name sei im Notizbuch eines Verhafteten gestanden. Deshalb müsse sie ihre Wertsachen in Sicherheit bringen. (Symbolbild)

Kantonspolizei Innerrhoden
Die Basler Staatsanwaltschaft rät, keinen angeblichen Beamten Geld zu übergeben. Man solle jeder fremden Person misstrauisch begegnen und beim geringsten Zweifel sofort die Kantonspolizei über den Notruf alarmieren.

Die Basler Staatsanwaltschaft rät, keinen angeblichen Beamten Geld zu übergeben. Man solle jeder fremden Person misstrauisch begegnen und beim geringsten Zweifel sofort die Kantonspolizei über den Notruf alarmieren.

JSD Basel-Stadt

Darum gehts

  • Es häuften sich in letzter Zeit die Fälle von Telefonbetrügen, warnt die Basler Staatsanwaltschaft.

  • In einem Fall hat eine Basler Seniorin den angeblichen Polizisten über 90’000 Franken ausgehändigt.

  • Obwohl die Behörden seit Jahren vor Telefonbetrugsmaschen warnen, sind die Täter anhaltend erfolgreich.

Als die 82-jährige Rentnerin das Telefon abnahm, erkannte sie nicht, dass sie sogleich das Opfer eines Telefonbetruges werden würde. Am anderen Ende der Leitung erzählte ihr ein angeblicher Polizist, dass ihr Name in dem Notizbuch einer festgenommenen Person stehe. Dem «Polizisten» gelang es mit seiner Lüge, die 82-jährige Seniorin so weit unter Druck zu setzen, dass sie anschliessend 93’000 Franken in bar an zwei fremde Personen vor ihrer Haustür aushändigte. Diesen Fall machte die Basler Staatsanwaltschaft am Dienstag bekannt.

Die Behörde warnt, dass in den vergangenen Tagen vermehrt Anrufe von Betrügern gemeldet worden seien. Den Opfern werde erzählt, dass bei ihnen beinahe ein Einbruch stattgefunden haben solle oder ihre Bank kurz davor war, von falschen Abbuchungen betroffen gewesen zu sein. Aus Gründen der «Spurensicherung» solle man doch deshalb sein Geld abheben und den angeblichen Ermittlern übergeben.

Fette Beute mit alter Masche

Die Maschen mit den falschen Polizisten oder angeblichen Verwandten in Notlagen machen seit Jahren die Runde und sind aller Warnungen der Behörden zum Trotz anhaltend erfolgreich. Aktuelle Zahlen der Kantonspolizei Zürich, die die Website Telefonbetrug.ch betreibt, verzeichnen dieses Jahr bereits 60 vollendete Telefonbetrugsfälle bei einer Gesamtdeliktsumme von über 4,6 Millionen Franken. Umgerechnet sind das durchschnittlich fast 77’000 Franken Beute pro erfolgreichem Telefonbetrug.

Die Zahlen des bevölkerungsreichsten Kantons der Schweiz, in dem sowohl urbane als auch ländliche Gebiete abgebildet werden, dürften ein guter Querschnitt für die ganze Schweiz sein. Derzeit schätzen die Zürcher Behörden allein in ihrem Kanton die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Telefonbetrugsfälle auf über 11’000. 

Auch Clevere gehen ihnen auf den Leim

«Mir kann das nicht passieren», sei der grösste Irrglaube, warnt die Zürcher Kantonspolizei. Ihrer Erfahrung nach würden auch clevere und bodenständige Personen getäuscht werden. «Die Betrüger bauen innerhalb kurzer Zeit grossen psychischen Druck auf und lösen ein Gefühl der Verpflichtung zur Hilfeleistung aus», so die Polizei. Man dürfe nie die Macht der Situation unterschätzen.

Die Basler Staatsanwaltschaft weist zudem darauf hin, dass die Polizei «nie Geld verlangt oder dazu auffordert, Geld abzuheben». Bei geringsten Zweifeln, ob es sich um echte Polizisten handle, solle man sofort über den Notruf die Kantonspolizei alarmieren. 

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