Symbol gegen Homophobie bei der EM - «Ihr seid peinlich, schämt euch!» – Uefa verbietet Regenbogen-Arena
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Symbol gegen Homophobie bei der EM«Ihr seid peinlich, schämt euch!» – Uefa verbietet Regenbogen-Arena

Der Beschluss der Uefa, die EM-Arena in München nicht in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen, steht fest. Fans sind fassungslos und wütend. Selbst eine Fussball-Legende mischt sich ein.

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So hätte die Münchner EM-Arena am Mittwoch gegen Ungarn erstrahlen sollen. Die Uefa lehnte dies ab.

So hätte die Münchner EM-Arena am Mittwoch gegen Ungarn erstrahlen sollen. Die Uefa lehnte dies ab.

Tobias Hase/dpa
Bei dem Spiel Portugal – Deutschland am Samstag hatte der deutsche Nati-Goalie Manuel Neuer bereits mit seiner Captain-Binde für Aufsehen gesorgt. Diese darf er beim Spiel gegen die Ungarn jedoch tragen. 

Bei dem Spiel Portugal – Deutschland am Samstag hatte der deutsche Nati-Goalie Manuel Neuer bereits mit seiner Captain-Binde für Aufsehen gesorgt. Diese darf er beim Spiel gegen die Ungarn jedoch tragen.

Pool via REUTERS
Auch kleinere Verbände zeigen Flagge und setzen ein klares Zeichen.

Auch kleinere Verbände zeigen Flagge und setzen ein klares Zeichen.

Screenshot: Instagram / Screenshot: lsvdsaar

Darum gehts

  • Die Uefa verbietet die Beleuchtung der Münchner EM-Arena in Regenbogenfarben.

  • Der Grund: Die Uefa sei eine «politisch und religiös neutrale Organisation.»

  • Fans sind über diesen Entscheid wütend.

Das EM-Stadion in München wird beim Gruppenfinal der deutschen Fussball-Nationalmannschaft gegen Ungarn an diesem Mittwoch nicht in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen. Die Europäische Fussball-Union lehnte einen entsprechenden Antrag des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD) am Dienstag ab. Die Uefa sei «aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt – muss die Uefa diese Anfrage ablehnen», teilte der Dachverband mit.

Die Arena wird daher wie vorgesehen in den Farben der Uefa und der teilnehmenden Nationen leuchten. Der Dachverband habe der Stadt München aber vorgeschlagen, das Stadion entweder am 28. Juni – dem Christopher Street Liberation Day – oder zwischen dem 3. und 9. Juli, der Christopher Street Day Woche in München, mit den Regenbogenfarben zu beleuchten.

Andere Städte setzen stattdessen ein Zeichen

Angesichts der Uefa-Absage wollen zumindest andere deutsche Stadionbetreiber Zeichen setzen. So sollen wohl die Fussball-Arenen in Frankfurt am Main und Köln am Mittwoch während der EM-Partie der deutschen Mannschaft gegen Ungarn bunt erstrahlen. «Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga», twitterte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann in der Nacht zum Dienstag. Auch Berlins Olympiastadion wird in Regenbogen-Beleuchtung erhellt sein.

Hintergrund des Protestes ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transgender einschränkt. Ungarns Parlament hatte am Dienstag vergangener Woche ein von der Fidesz-Partei des rechtsnationalistischen Regierungschefs Viktor Orban eingebrachtes Gesetz verabschiedet, das «Werbung» für Homosexualität oder Geschlechtsangleichungen bei Minderjährigen verbietet. Bildungsprogramme zu Homosexualität oder Werbung von Grossunternehmen, die sich mit Homosexuellen solidarisch erklären, sollen demnach künftig verboten werden, ebenso wie Aufklärungsbücher zu dem Thema. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, das umstrittene Gesetz zu prüfen.

Münchens Oberbürgermeister Reiter hatte sich in einem Schreiben an die Uefa und den Deutschen Fussball-Bund für eine Ausnahmegenehmigung stark gemacht, um «ein weithin sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis» zu senden. In Ungarn war dieser Vorstoss nicht gut angekommen. «Für die linke Münchner Stadtführung haben wir wiederum die Botschaft: Die Politik hat auf dem Fussballplatz nichts zu suchen. Weder in brauner noch in roter noch in regenbogenfarbener Verpackung», schrieb die regierungsnahe Budapester Tageszeitung «Magyar Nemzet» am Dienstag.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Ungarns Aussenminister Peter Szijjarto, ein Angehöriger von Orbans Fidesz-Partei, der vor dem Uefa-Entscheid noch einen unhaltbaren Nazi-Vergleich zog, das Urteil als Erfolg feierte: «Ich danke Gott, dass im Kreis der europäischen Fussballbosse der gesunde Menschenverstand überwiegt und diese politische Provokation nicht mitmachte. Die Uefa hat richtig entschieden.» Englands Fussball-Legende fordert München dazu auf, das Stadion trotzdem als Regenbogen erleuchten zu lassen. Er schreibt: «Tu es, München. Tu es. Erhellt es, damit es die ganze Welt sehen kann.»

«Wir machen jetzt einfach, was Uefa und Ungarn wollen?»

Und die Fans? Viele sind wütend. So wird derzeit die Seite der Uefa mit Regenbögen und Pride-Flaggen überhäuft. Dutzendfach ist der Hashtag loveislove zu lesen. Und auch auf Twitter sind die Userinnen und User empört. Der deutsche SPD-Politiker Lars Klingbeil meint: «Liebe Uefa, es ist nicht so, dass ich von euch viel erwartet habe. Aber ihr seid noch peinlicher, als ich dachte. Schämt euch!» Ein anderer Twitter-User meint: «Das Märchen unserer Zeit: Der unpolitische Sport.» «Liebe #UEFA , ist Euch schon mal in den Sinn gekommen, dass Eure Entscheidung AUCH ein politisches Statement ist?», wütet ein weiterer. Oder: «Und wir machen jetzt einfach, was die Uefa und Ungarn wollen, oder wie?»

Immerhin: Einen kleinen Erfolg im Zeichen der Toleranz kann der deutsche Nationalkeeper Manuel Neuer setzen. Seine Binde, die er bereits am vergangenen Samstag beim Spiel gegen die Portugiesen getragen hatte, darf er auch beim Spiel gegen die Ungarn am Arm tragen. Auch dies wurde seitens der Uefa diskutiert, ihm aber schlussendlich erlaubt.

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(dpa/skl/nih)

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