Wütende GC-Fans: «Ihr spielt wie Absteiger, wo ist euer Stolz?»
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Wütende GC-Fans«Ihr spielt wie Absteiger, wo ist euer Stolz?»

Die 1:3-Pleite gegen St. Gallen bringt den einst so stolzen Grasshoppers die Rote Laterne ein. Die GC-Fans sind sauer und die Spieler ratlos.

von
Eva Tedesco

GC ist Letzter. Erstmals seit der Winterpause konnte der FC St. Gallen die Rote Laterne wieder abgeben. Die GC-Fans konnten es kaum fassen: Sieben Runden vor Schluss und nach einem respektablen 2:2 in Basel folgte dieser Absturz. «Ihr spielt wie Absteiger. Das ist Arbeitsverweigerung – wo ist euer Stolz?» Rund 20 GC-Fans machten nach der 1:3-Niederlage ihrem Ärger Luft und blockierten den Ausgang an der Baslerstrasse.

GC-Trainer Ciri Sforza stellte sich als erster den zornigen Fans und versprach, dass auch die Mannschaft vor die Fans treten werde. Sforza: «Das haben sich die Fans, die uns die ganze Saison immer unterstützen, verdient.» Die Spieler kamen tatsächlich und hörten sich die happigen Vorwürfe der Fans an. Smiljanic, König und Co. suchten erst gar nicht nach einer Entschuldigung.

Bei GC schlägt man andere Töne an

«Wir haben die grosse Chance verpasst, einen Schritt vorwärts zu machen», haderte Callà noch lange nach dem Spiel. «Unsere Situation ist schwierig. Im Moment sogar sehr schwierig. Jetzt heisst es kämpfen, kämpfen und wieder kämpfen.» Angestrengt versuchte der einzige GC-Torschütze vom Mittwochabend, die richtigen Worte zu finden, als er auf den drohenden Abstieg angesprochen wurde. «Soll ich sagen, dass wir absteigen?», antwortete der Mittelfeldspieler schliesslich mit einer Gegenfrage. Jeder Spieler weiss, wo man steht. «Dafür müssen wir nicht auf die Tabelle schauen. Natürlich sprechen wir intern über gewisse Sachen. Aber intern bleibt intern.» Dennoch liess Callà durchblicken, dass im internen Gespräch auch andere Töne angeschlagen werden.

Sieben Jahre ist GC nun ohne Titel. Die Perspektiven verheissen kaum ein baldiges Ende der Erfolglosigkeit des Schweizer Rekordmeisters (27 Meistertitel). Im März bangte man um die Lizenz und dann legte sich Noch-Präsident Urs Linsi auch noch mit der Stadt Zürich an und erzwang eine Mietzinsreduktion für den Letzigrund. Im letzten Moment lenkten die Stadtoberen noch ein, sonst wäre GC wohl nicht nur erfolg-, sondern auch heimatlos geworden.

Sforza macht auf Optimismus

«Wir werden mit allen Mitteln gegen den Abstieg ankämpfen – mit mir voran», machte Sforza – wie zur Bestätigung der Aussagen seiner Spieler – auf Daueroptimismus. Nun gut, GC ist in seiner 125-jährigen Geschichte tatsächlich nur einmal abgestiegen. Das war 1949 und 1952 spielte GC wieder in der obersten Spielklasse mit. Wurde dann sogar Meister ... Aber von diesen glorreichen Zeiten ist der ehemalige Nobelklub in etwa so weit entfernt wie die Erde vom Mond.

Die Realität heisst Abstiegskampf und der geht für GC bereits am Ostermontag gegen Thun weiter. Die bisherigen drei Begegnungen zwischen den Berner Oberländern und den Hoppers endeten allesamt Remis (2:2, 0:0, 0:0). In der Zwischenzeit hatte sich Callà etwas gefasst und gab sich schon wieder zuversichtlicher in den Katakomben des Letzigrundes: «St. Gallen hat die ersten drei Begegnungen gegen uns auch alle verloren und hat uns nun besiegt. Wieso sollen wir jetzt nicht auch eine Serie brechen und drei Punkte in Thun holen?»

Sforza spricht mit den aufgebrachten GC-Fans

(Video: Keystone)

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