Aktualisiert 10.04.2014 22:59

Staatsanwalt grillt Pistorius«Ihre Entschuldigung war nur Spektakel!»

Staatsanwalt Barrie Nel nahm Oscar Pistorius gehörig in die Mangel. Er nannte den Sportstar einen Lügner und stellte seinen Charakter und seine Liebe zu Reeva Steenkamp in Frage.

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gux/SDA

Auch am Donnerstag ist die Staatsanwaltschaft im Mordprozess gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius hart mit dem Angeklagten ins Gericht gegangen. Diesesmal aber ging die Verhandlung ohne Zusammenbrüche und viele Tränen über die Bühne.

Den ganzen Tag stellte Staatsanwalt Gerrie Nel Pistorius' Charakter, dessen Liebe zu seiner erschossenen Freundin Reeva Steenkamp und dessen Glaubwürdigkeit in Frage. Nel kritisierte Pistorius' Entschuldigungen als «öffentliches Spektakel».

Pistorius hatte daraufhin erklärt, er habe erst im Gericht im südafrikanischen Pretoria die Eltern der getöteten Reeva Steenkamp um Verzeihung gebeten, weil er zuvor einen direkten Kontakt als «unangemessen» angesehen habe. Nel warf ihm dagegen vor, er sei einer Begegnung mit den Eltern des Opfers ausgewichen, «weil Sie keine Verantwortung übernehmen wollen».

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«Sie wollten Steenkamp erniedrigen»

«Es geht immer nur um Herrn Pistorius», sagte Nel und las Kurznachrichten des späteren Opfers Reeva Steenkamps an ihren damaligen Freund vor, in denen sie sich enttäuscht und «verängstigt» über Pistorius' Verhalten äusserte. Zudem beklagte sie sich über die Eifersucht ihres Partners.

Er habe Steenkamp regelrecht «erniedrigen» wollen: «Tu dies nicht, mach das nicht» – was für Steenkamp wichtig gewesen sei, habe keine Bedeutung gehabt, sagte Nel. Sie solle keinen Kaugummi kauen, ihn nicht am Hals berühren, auf ihren Akzent achten, führte der Staatsanwalt an.

«Das ist nicht wahr, Madam»

«Sie hat alles getan, um Sie glücklich zu machen, um Oscar glücklich zu machen – war Ihnen das egal?», herrschte Nel in Richtung Anklagebank. «Das ist nicht wahr, Madam», wandte sich Pistorius an die Richterin. «Es ging nur um Pistorius. Das war ihre Beziehung», legte Nel nach, woraufhin der Angeklagte zur Richterin gewandt erneut protestierte: «Das ist nicht wahr, Madam.»

Zum Zeitpunkt des tödlichen Vorfalls kannte sich das Paar seit gut drei Monaten. In den SMS sei von Liebe nie die Rede gewesen, merkte Nel an. Er habe nie ein Liebesbekenntnis per SMS abgelegt, sagte Pistorius und räumte ein: «Ich hatte nie die Gelegenheit, Reeva zu sagen, dass ich sie liebe.»

Sarkasmus des Staatsanwaltes

In Erklärungsnöte brachte Nel den Angeklagten mit der Schilderung einer Episode aus einem Restaurant, als der Waffennarr im Januar 2013 während eines Abendessens einen Schuss aus der Pistole eines Freundes abfeuerte. Er habe den Finger nicht am Abzug gehabt, wiederholte Pistorius mehrmals.

«Das Wunder des Schusses, der von ganz allein losgeht», sagte Nel sarkastisch. Nach Expertenmeinung sei dies unmöglich.

Anhaltender Druck

Nel hatte Pistorius bereits am Mittwoch in die Mangel genommen und dabei auch ein Foto des blutüberströmten Kopfes seiner toten Freundin gezeigt. Der Angeklagte brach dabei erneut in Tränen aus und beteuerte, er habe seine Freundin nicht töten wollen.

Pistorius hatte sich am Montag erstmals seit der Tat am 14. Februar 2013 öffentlich zu dem Fall geäussert und sich bei Steenkamps Familie entschuldigt. Nel legte am Donnerstag nach, als er harsch fragte: «Fühlen Sie sich besser nach der Entschuldigung?»

«Vom Helden zum Teufel»

Steenkamps Mutter June Steenkamp sagte der britischen Zeitung «Daily Mirror», Pistorius sei «vom Helden zum Teufel» geworden. «Er ist eine aggressive Persönlichkeit, gewöhnt daran, Bewunderer um sich zu haben, deshalb muss es jetzt ziemlich anders für ihn sein.» Sie wolle sehen, wie er sich verhalte, obwohl der Prozess für sie die «Hölle» sei.

Pistorius hatte seine Freundin in seinem Haus in Pretoria in der Nacht zum Valentinstag 2013 durch die Toilettentür erschossen. Der beinamputierte Sportler beteuert, er habe sie für einen Einbrecher gehalten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm jedoch vor, seine Freundin nach einem Streit ermordet zu haben.

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