14.02.2015 07:51

Neues Katzen-Gadget

«Ihre Krallen waren plötzlich rosa»

In einem Tierheim in Genf wurde eine Katze mit einem speziellen Accessoire abgegeben. Tier-Experten sind davon nicht begeistert.

von
ced
Auf die Krallen der Katze Brocoli wurden «soft claws» angebracht.

Auf die Krallen der Katze Brocoli wurden «soft claws» angebracht.

Die Katze Brocoli wurde bereits drei Tage, nachdem sie beim Tierheim SOS-Chats in Genf abgeholt worden war, wieder zurückgegeben. «Die kurzzeitige Besitzerin hatte eine allergische Reaktion», sagt die Leiterin Valérie Derivaz. Zurück kam die Katze aber nicht so, wie sie das Heim verlassen hatte: Ihre Halterin hatte ihr ein rosarotes Souvenir mit auf den Weg gegeben.

Laut Derivaz wurde Brocoli mit dem Produkt Soft Claws ausgestattet, einem Plastikaufsatz, der Katzen oder Hunden auf die Krallen geleimt werden kann. Er dient gemäss Hersteller dazu, Möbel und Holzböden vor Kratzspuren zu schützen und ist in verschiedenen Farben erhältlich. Einmal angebracht, halte der Krallenschutz mindestens vier Monate.

Werden Katzen eingeschränkt?

«Diese Krallenkappen schränken die Katzen ein. Krallen werden zur Pflege, zum Klettern und zum Festhalten nach einem Sprung benötigt», sagt Derivaz zu «Le Matin». Sie wäre nicht verwundert, wenn mit diesem Produkt ausgestattete Katzen ein auffälliges Verhalten zeigen würden.

Für den Tierarzt Rodolphe Spycher wird der Alltag der Katzen vor allem im Freien erschwert. Er rate deshalb von einer Verwendung des Produkts ab. «Auch bei Hauskatzen gibt es Alternativen. Man kann ihnen zum Beispiel einen Kratzbaum zur Verfügung stellen, um ihr Interesse vom Ledersofa wegzulenken», so Spycher.

«Hoffentlich kein neuer Trend»

Wie das Verterinäramt des Kantons Genf mitteilt, ist die Anbringung von Soft Claws rechtlich erlaubt. Es könnte aber ein Verstoss gegen Tierschutzgesetze vorliegen, wenn die Katze nicht mehr klettern kann. Dann werde sie in ihrem natürlichen Verhalten eingeschränkt.

In der Schweiz ist der Krallenschutz über verschiedene Onlineportale erhältlich. Zahlen über die Verbreitung gibt es keine. Valérie Derivaz sagt jedoch: «Gleich nachdem Brocoli zurückgegeben wurde, habe ich auf der Strasse eine weitere Katze mit farbigen Plastikaufsätzen gesehen. Ich hoffe, das wird kein Trend.»

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