04.10.2020 21:21

Best-of Doktor Sex«Ihre Vagina ist praktisch tabu für mich!»

Seit 2008 beantwortet Bruno Wermuth als Doktor Sex wöchentlich die dringendsten Fragen rund um Liebe, Beziehungen und Sex. Wir zeigen in einem Best-of die spannendsten Fragen unserer Leserinnen und Leser.

von
Bruno Wermuth, Julia Ullrich
Tim (22) würde seine Freundin gern öfter nackt sehen. Doch diese hat damit ein Problem. Doktor Sex weiss Rat. 

Tim (22) würde seine Freundin gern öfter nackt sehen. Doch diese hat damit ein Problem. Doktor Sex weiss Rat.

Unsplash 

Frage von Tim an Doktor Sex

Ich (22) bin seit noch nicht allzu langer Zeit mit meiner ersten richtigen Freundin zusammen. Wie sich herausstellt, hat sie ziemliche Probleme damit, sich mir nackt zu zeigen. Nach einiger Zeit mit vielen Gesprächen und dem Aufbau von Vertrauen geht sie mit ihren Brüsten nun schon lockerer um. Ihre Vagina aber ist immer noch praktisch tabu für mich. Diese und alles darum herum darf ich ausschliesslich beim Sex berühren oder streicheln. Nur anschauen darf ich sie nie. Da ich eher unerfahren bin, möchte ich diese Körperregion gern etwas erkunden und sie dadurch kennen lernen, nur schon aus Neugier. Leider konnte ich ihr Verhalten nicht nachvollziehen und habe ein wenig Druck auf sie ausgeübt. Dies hat die Situation ziemlich verschlimmert. Was können wir zusammen tun, damit sie mit ihrem Körper und insbesondere mit ihrem Geschlechtsorgan entspannter umgehen kann? Und gibt es Leser oder Leserinnen, die etwas Ähnliches erlebt haben und die uns Tipps geben können?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Tim

Auch wenn dir das Verhalten deiner Freundin möglicherweise schräg erscheint, weil du einen entspannten Umgang mit dem entblössten Körper hast, ist es nicht aussergewöhnlich. Viele Menschen verspüren Schamgefühle, wenn sie sich jemand anderem nackt zeigen sollen. Zum Beispiel, weil sie als Kinder nicht lernen durften, diesen Zustand als selbstverständlich zu erleben. Und gerade die ersten sexuellen Kontakte sind besonders geeignet dafür, solche Unsicherheiten sicht- und spürbar werden zu lassen.

Ich kann verstehen, dass du neugierig bist und Lust darauf hast, die erogenen Zonen deiner Freundin zu erkunden. Trotzdem musst du ihre Grenzen akzeptieren, allein schon deshalb, weil Druck zu machen gerade das Gegenteil dessen bewirken würde, was du damit erreichen möchtest. Und letztlich auch darum, weil die körperliche Unversehrtheit und die Entscheidungsfreiheit des Individuums unantastbar sind.

Entschuldige dich und findet gemeinsam einen Weg

Wichtig scheint mir, dass du deine Freundin aufrichtig um Verzeihung bittest und ihr darlegst, was deine Beweggründe waren, sie zu bedrängen. Sag ihr auch, dass du neugierig bist und trotz des unvorteilhaften Starts gerne einen Weg finden würdest, das gemeinsame körperliche Zusammensein entspannter zu gestalten. Hilfreich wäre sicher, sie wissen zu lassen, dass du absolut bereit bist, dich ihrem Tempo und ihren Möglichkeiten anzupassen. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass sie so quasi allein bestimmt, wie euer Sexualleben aussieht und was darin geschehen darf und was nicht.

Um den Körper der Partnerin oder des Partners zu erkunden und zu erleben, ohne sich dabei exponiert und beschämt zu fühlen, sollten der Raum und die Umstände bewusst gestaltet sein. Dazu gehören gedimmtes oder Kerzenlicht sowie Tücher, die dabei helfen, sich den Bedürfnissen entsprechend mehr oder weniger zu verhüllen. Aber auch gewisse Regeln, beispielsweise ein Stoppsignal, allenfalls auch ein klar festgelegter zeitlicher Rahmen können hilfreich sein. Den rein anatomischen Aspekt deiner Neugier dürfte fürs Erste ein illustriertes Buch zu befriedigen vermögen.

Bruno Wermuth

Bruno Wermuth

Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als Doktor Sex beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. Hier zeigen wir in den kommenden Wochen die Best-ofs der letzten Jahre. Brunowermuth.ch

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