23.06.2020 17:44

Raubbau an Wäldern

Ikea soll Möbel aus illegalem Holz fertigen

Der Vorwurf ist happig: Ikea verarbeite Holz aus illegalen Rodungen in Rumänien und der Ukraine zu Kommoden und Gestellen. Der schwedische Konzern hat eine Untersuchung eingeleitet.

von
Dominic Benz
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Ikea ist offenbar nicht so nachhaltig, wie der Konzern sich offiziell immer gibt.

Ikea ist offenbar nicht so nachhaltig, wie der Konzern sich offiziell immer gibt.

KEYSTONE
So soll Ikea für Möbel unter anderem auch illegales Holz aus Rumänien und der Ukraine verarbeiten, wie Recherchen des «Kassensturz» auf SRF zeigen.

So soll Ikea für Möbel unter anderem auch illegales Holz aus Rumänien und der Ukraine verarbeiten, wie Recherchen des «Kassensturz» auf SRF zeigen.

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Illegale Rodungen finden vor allem in den Karpaten (rote Stecknadel) statt.

Illegale Rodungen finden vor allem in den Karpaten (rote Stecknadel) statt.

Darum gehts

  • In Rumänien und der Ukraine werden Wälder dem Erdboden gleichgemacht.
  • Illegal gewonnenes Holz soll auch bei Ikea landen.
  • Ikea will damit nichts zu tun haben – und hat eine Untersuchung eingeleitet.

Egal ob Kommoden, Schränke, Sideboards, Gestelle – die günstigen Möbel von Ikea sind weltweit begehrt. Auch in der Schweiz gibt es kaum Wohnungen ohne ein Produkt aus dem schwedischen Einrichtungshaus. Öffentlich legt Ikea grossen Wert auf Nachhaltigkeit. So werde das Holz legal und umweltschonend gewonnen.

Doch nun kommt Kritik am Konzern auf. So soll Ikea für Möbel unter anderem auch illegales Holz aus Rumänien und der Ukraine verarbeiten, wie Recherchen des «Kassensturz» auf SRF zeigen. Insgesamt soll Ikea rund 4 Prozent des eigenen Holzbedarfs aus Rumänien beziehen.

Ikea will nicht voreilig Reissleine ziehen

Ikea betont auf Anfrage von 20 Minuten: «Illegal geschlagenes Holz hat in der Lieferkette nichts verloren.» Man nehme diese Anschuldigungen ernst und habe sie an die Kollegen in Schweden weitergeleitet. «Die wiederum haben eine interne Untersuchung eingeleitet», so eine Sprecherin. Gleichzeitig kappe man aber wegen Anschuldigungen von aussen nicht voreilig Beziehungen zu Lieferanten. «Wir prüfen diese zuerst seriös und entscheiden dann, wie wir weiter verfahren.»

Um herauszufinden, woher das Ikea-Holz stammt, hefteten sich die Reporter an die Spur einer Kommode aus der «Brimnes»-Modellreihe für 80 Franken. Man landete in Rumänien bei der Möbelfabrik Ecolor. Diese wiederum bezieht Holz vom ihrem wichtigsten Zulieferer namens Kastamonu, der in der rumänischen Holzindustrie eine grosse Nummer ist.

«Jetzt ist alles zerstört – für immer»

Zusammen mit einem Umweltaktivisten besichtigte SRF zwei Rodungsplätze von Kastamonu. Dort zeigt sich ein trauriges Bild: teilweise oder ganz abgerodete Wälder, überall Strünke von über 100 Jahre alten Bäumen. Laut dem Aktivisten betreibt man hier einen Kahlschlag. Zuvor habe es ein funktionierendes Ökosystem mit Bären, Wölfe und vielen anderen Tierarten gegeben. «Jetzt ist alles zerstört – für immer», sagt er.

In Rumänien ist Abholzen in diesem Ausmass offiziell nicht erlaubt. Gemäss Untersuchungen soll die Fläche der Lauburwälder in Rumänien in den vergangenen 15 Jahren um zwei Drittel geschrumpft sein. Jeder zweite Baum wird laut der heimischen Umweltbehörde illegal gefällt.

Sechs Förster umgebracht

Den Staat kümmerts offenbar wenig. Gegen die illegale Abholzung habe Rumänien bisher nichts unternommen, so die Aktivistin. Dahinter soll eine organisierte Holzmafia stecken, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Die rumänische Forstgemeinschaft hat laut SRF in einem Jahr 650 gewaltsame Übergriffe registriert. Sechs Förster seien gar umgebracht worden.

Auch illegal gewonnenes Holz aus der Ukraine soll für Ikea regelmässig zu Regalen oder Kommoden verarbeitet werden. Dort war es 2018 laut einer Untersuchung zu 109 illegalen Rodungen in einer Region gekommen.

Ikea will bei Ländern wie Rumänien oder der Ukraine, «in denen es in der Vergangenheit Fälle von illegalem Holzschlag gab», genau hinschauen. Man führe daher regelmässig Kontrollen bei den Zulieferern durch, um sicherzustellen, dass die Standards eingehalten würden, so die Sprecherin.

So viel verdient Ikea

Im vergangenen Geschäftsjahr hat Ikea erneut viel Geld verdient. Zwischen September 2018 und August 2019 kletterte der Gewinn auf 1,81 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 5,3 Prozent auf 39,1 Milliarden Euro. Der Konzern richtet sich neu aus. Präsent will man vermehrt in den Städten sein und nicht mehr nur in Gewerbezonen. Online nimmt Ikea immer mehr Fahrt auf. Der Umsatz stieg dort um rund 50 Prozent. Mittlerweile macht der Verkauf übers Netz 10 Prozent des gesamten Erlöses aus.

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13 Kommentare
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Marco

24.06.2020, 14:21

Wieso sind Möbel aus massiver Eiche wohl plötzlich zu jedem Preis erhältlich? IKEA schert sich einen Dreck um Nachhaltigkeit. Alles nur Marketing und heisse Luft, die Realität sieht ganz anders aus.

Martial2

24.06.2020, 14:06

Wer kauft noch bei diesem Saftladen, der konstant in negativen Schlagzeile geratet? Billigen Kisten produziert von Gefangenen, aus illegaler Holzrodung. Diese Läden gehören angeklagt dann geschlossen. Schluss!

elisa

24.06.2020, 11:25

Konzernverantwortungsinitiative unterstützen!!! So was sollte man auf keinen Fall unterstützen, keine Möbel mehr von Ikea. Es geht um unsere Umwelt.