Aktualisiert 01.10.2018 10:28

Flexibler – aber teurer?

Ikea vermietet in der Schweiz bald Möbel

Wer knapp bei Kasse ist oder sich nicht entscheiden kann, der erhält bei Ikea bald die Option, Möbel zu mieten. Das machts flexibler, könnte aber unterm Strich teurer sein.

von
rkn
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Ikea will künftig Möbel vermieten, sagt CEO Jesper Brodin zur «NZZ am Sonntag».

Ikea will künftig Möbel vermieten, sagt CEO Jesper Brodin zur «NZZ am Sonntag».

epa/Sascha Steinbach
Das Unternehmen arbeite intensiv am Konzept, bestätigt ein Sprecher von Ikea Schweiz gegenüber 20 Minuten. Wann genau das Angebot lanciert wird, will Ikea aber noch nicht verraten.

Das Unternehmen arbeite intensiv am Konzept, bestätigt ein Sprecher von Ikea Schweiz gegenüber 20 Minuten. Wann genau das Angebot lanciert wird, will Ikea aber noch nicht verraten.

AP/Frank Augstein
Das Angebot richte sich vor allem an Personen, deren Lebensumstände sich schnell ändern könnten, etwa Studenten, Expats oder Familien.

Das Angebot richte sich vor allem an Personen, deren Lebensumstände sich schnell ändern könnten, etwa Studenten, Expats oder Familien.

ina Fassbender

Schon bald können Kunden bei Ikea Möbel mieten. Das sagt Ikea-CEO Jesper Brodin zur «NZZ am Sonntag». Das Angebot richte sich vor allem an Personen, deren Lebensumstände sich schnell ändern könnten, etwa Studenten, Expats oder Familien. Auch in der Schweiz soll das Mietangebot lanciert werden.

Das Unternehmen arbeite intensiv am Konzept, bestätigt ein Sprecher von Ikea Schweiz gegenüber 20 Minuten. Wann genau das Angebot lanciert wird, will Ikea aber noch nicht verraten.

Nur so viel: Die Firma werde das Mietangebot mit einem ausgewähltem Sortiment lancieren. Im Vordergrund stehen die Bedürfnisse der Kunden: Ein Student etwa brauche keine komplette Wohnwand mit Fernsehernische, sondern eher einen Tisch oder ein Sofa, so der Sprecher.

Mieten wird mehr und mehr akzeptiert

Insbesondere jüngeren Generationen sei es weniger wichtig, Dinge zu besitzen, vielmehr wollten sie Zugang dazu haben, sagt der Sprecher weiter. Tatsächlich findet Mieten statt Kaufen laut Christian Fichter, Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule, heute breitere Akzeptanz als früher. Tilman Slembeck, Wirtschaftsprofessor an der Zürcher Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sagt zu 20 Minuten: «Mich wundert es, dass es das nicht schon lange gibt.» In Ländern wie den USA sei das Vermieten von Möbeln seit Jahrzehnten etabliert.

Dadurch, dass Konsumenten mobiler würden, würden sie sich mehr Flexibilität wünschen, sagt Slembeck. Er ist überzeugt, dass Ikea damit auf ein grosses Kundenbedürfnis reagiert und sich neue Märkte erschliesst.

Einfacher Ersatz

Auch Fichter von der Kalaidos Fachhochschule sieht Vorteile: So könnten Kunden ihre alten Möbel einfacher ersetzen, wenn sie ihnen verleiden. Und wer die Wohnung wechselt, weiss, wohin mit der alten Einrichtung.

Ein Nachteil könnte allerdings sein, dass das Mieten von Möbeln unter dem Strich teurer sein könnte, sagt Fichter. Ob das schlussendlich zutrifft, sei allerdings abhängig vom Geschäftsmodell von Ikea.

Hemmungen mit Mietmöbeln

«Wenn einem die Einrichtung nicht gehört, kann es zudem sein, dass sich Konsumenten nicht so ganz zuhause fühlen», gibt Fichter zu bedenken. Dadurch, dass man Angst hat, die Mietmöbel zu beschädigen und allenfalls bei der Rückgabe draufzahlen zu müssen, traue man sich nicht, die Einrichtung hemmungslos zu benutzen.

Dass die gemieteten Möbel bereits gebraucht sind, sei für Konsumenten in der Regel kein Problem, sagt Slembeck von der ZHAW: «Wer eine Polstergruppe für wenig Geld im Monat mietet, nimmt in Kauf, dass sie nicht mehr neu ist.»

Wer sichs leisten kann, kauft

Gerade für Studenten oder junge Familien dürfte es auch bei einem Stoffsofa oder dergleichen nicht so schlimm sein, dass es sich dabei um ein gebrauchtes Möbel handelt, so Fichter. Konsumenten, die viel Wert auf ihre Einrichtung legen und es sich leisten können, sofort zu kaufen, dürften diesen Weg hingegen in vielen Fällen weiter bevorzugen, glaubt der Experte.

Ikea bietet bereits heute ein Retourenprogramm: Kunden können genutzte Möbel ins Geschäft zurückbringen und erhalten dafür eine Entschädigung. Das Angebot wird laut CEO Brodin genutzt: «Es werden pro Woche 100 Möbelstücke zurückgebracht, Tendenz steigend.» Bei der Lancierung dieses Programms setzte die Firma auf die meistgekauften Artikel.teu

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