04.06.2015 16:00

Marketing

Ikeas Trick mit dem günstigen Essen

Fast nirgendwo gibt es so günstige Hotdogs wie beim Möbelhändler Ikea. Experten sagen: Alles nur ein cleverer Verkaufstrick.

von
Kaspar Wolfensberger
1 / 5
Am 28. Mai hat Ikea im schweizerischen Vernier ein neues Restaurant eröffnet.

Am 28. Mai hat Ikea im schweizerischen Vernier ein neues Restaurant eröffnet.

Christian Brun
Auch dort gibt es den berühmten Ikea-Hot-Dog. Mit Getränk kostet er zwei Franken.

Auch dort gibt es den berühmten Ikea-Hot-Dog. Mit Getränk kostet er zwei Franken.

Ikea
Ohne Getränk kostet er einen Franken.

Ohne Getränk kostet er einen Franken.

Ikea

Für nur einen Franken gibt es in den Schweizer Ikea-Filialen einen Hotdog. Wer einen weiteren Franken drauflegt, erhält ein beliebig nachfüllbares Getränk dazu. Ebenfalls sehr günstig sind die «Köttbullar»-Fleischbällchen. Weltweit verkauft Ikea davon jährlich eine Milliarde, allein in der Schweiz sind es 18 Millionen. Zehn Stück kosten 5.59 Franken, die Beilage sind Kartoffelstock und Preiselbeeren.

Bei den tiefen Preisen wundert es nicht, dass das Food-Angebot des schwedischen Möbelkonzerns bei den Schweizern sehr beliebt ist. Mediensprecher Alexander Gligorijevic erklärt dazu: «Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, einen besseren Alltag für viele Menschen zu schaffen, nicht nur für wenige.» Dazu gehöre, dass sich möglichst viele Leute gutes Essen leisten könnten. Auch Ikea-Gründer Ingvar Kamprad habe schon immer gesagt, dass sich bei leerem Magen keine guten Möbel-Kaufentscheide treffen liessen.

Experten äussern Zweifel

Ist das Essen also so günstig, weil Ikea die Kunden derart am Herzen liegen? Nein, meint zum Beispiel das australische News-Portal news.com.au. Der Sinn der Ikea-Restaurants liege darin, das Tiefpreis-Profil des Möbelhauses in den Köpfen der Kunden zu verankern. Niemand wisse auswendig, was eine Couch oder ein Stuhl in einem anderen Geschäft kosten. Für die Kunden sei nicht auf den ersten Blick ersichtlich, dass Ikea hier besonders günstig ist. Anders sei dies beim Essen, bei dem jedermann die Preise der Konkurrenz im Kopf habe. Es entstehe schliesslich das Gefühl bei den Kunden, dass Ikea generell unschlagbar günstig sei.

Nicht ganz einverstanden mit dieser Argumentation ist Anne Herrmann, Wirtschaftspsychologin an der Fachhochschule Nordwestschweiz: «Wichtigster Grund für die tiefen Preise in den Ikea-Restaurants ist, dass die Einrichtungshäuser meist in Gewerbegebieten liegen.» Umsatz durch Laufkundschaft gebe es daher keinen. Ikea müsse daher die Kunden möglichst regelmässig mit anderen Mitteln in die Geschäfte locken. «Das preisgünstige Angebot im Ikea-Restaurant ist also hauptsächlich ein Lockmittel, damit wir wieder einmal bei Ikea vorbeischauen», so die Expertin.

Jeder Besuch ein Möbelstück

Die Idee dahinter: Der Gewinn durch zusätzliche Umsätze macht den Verlust durch den Rabatt auf das Essen wieder wett. «Diese Rechnung geht auf, denn die meisten, die bei Ikea vorbeischauen und dort essen, kaufen dort auch einiges ein», erklärt Herrmann. Dabei biete jeder Besuch eine Chance für Ikea, dass ein grösseres Möbelstück gekauft wird. Die Wirtschaftspsychologin stellt klar: «Durch einen Besuch bei Ikea wird das Interesse geweckt, zum Beispiel das alte Sofa durch ein neues von Ikea zu ersetzen.»

Weiter erklärt Herrmann, dass die Ikea-Restaurants meist strategisch günstig liegen würden – nämlich zwischen Möbelausstellung und Markthalle. «So können die Kunden nach der Möbelausstellung noch einmal Kraft tanken, um danach frisch gestärkt die Markthalle zu besuchen, in der sie dann ihre Einkaufswagen füllen.» Hier wiederum trifft sich die Einschätzung der Expertin mit jener von Ikea-Gründer Kamprad. Schon dieser hatte ja gesagt, dass es sich mit leerem Bauch schlecht shoppen lasse.

Die Markenerlebniswelt von Ikea

Für André Briw, den Leiter des Competence Center Marketing der Hochschule Luzern - Wirtschaft, gehören die Restaurants mit den günstigen Preisen zur «Markenerlebniswelt von Ikea», wie er auf Anfrage von 20 Minuten erklärt. So sollen die Kunden Ikea auch mit all ihren Sinnen wahrnehmen können, wozu auch der Geschmacksinn gehört. Mit Gerichten wie den «Köttbullars» könne ausserdem ein guter Bezug zu Schweden hergestellt werden, dem Herkunftsland von Ikea.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.