04.06.2015 20:00

Marketing

Ikeas Trick mit dem günstigen Essen

Fast nirgendwo gibt es so günstige Hotdogs wie beim Möbelhändler Ikea. Experten sagen: Alles nur ein cleverer Verkaufstrick.

von
Kaspar Wolfensberger
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Ein typisches Ikea-Restaurant kennt jeder.

Ein typisches Ikea-Restaurant kennt jeder.

Christian Brun
Dort gibt es den berühmten Ikea-Hot-Dog. Mit Getränk kostet er zwei Euro.

Dort gibt es den berühmten Ikea-Hot-Dog. Mit Getränk kostet er zwei Euro.

Ikea
Ohne Getränk kostet er einen Euro.

Ohne Getränk kostet er einen Euro.

Ikea

Für nur einen Euro gibt es in den Ikea-Filialen einen Hotdog. Wer einen weiteren Euro drauflegt, erhält ein beliebig nachfüllbares Getränk dazu. Ebenfalls sehr günstig sind die «Köttbullar»-Fleischbällchen. Weltweit verkauft Ikea davon jährlich eine Milliarde.

Bei den tiefen Preisen wundert es nicht, dass das Food-Angebot des schwedischen Möbelkonzerns bei den Deutschen sehr beliebt ist. Mediensprecher Alexander Gligorijevic erklärt dazu: «Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, einen besseren Alltag für viele Menschen zu schaffen, nicht nur für wenige.» Dazu gehöre, dass sich möglichst viele Leute gutes Essen leisten könnten. Auch Ikea-Gründer Ingvar Kamprad habe schon immer gesagt, dass sich bei leerem Magen keine guten Möbel-Kaufentscheide treffen ließen.

Experten äußern Zweifel

Ist das Essen also so günstig, weil Ikea die Kunden derart am Herzen liegen? Nein, meint zum Beispiel das australische News-Portal news.com.au. Der Sinn der Ikea-Restaurants liege darin, das Tiefpreis-Profil des Möbelhauses in den Köpfen der Kunden zu verankern. Niemand wisse auswendig, was eine Couch oder ein Stuhl in einem anderen Geschäft kosten. Für die Kunden sei nicht auf den ersten Blick ersichtlich, dass Ikea hier besonders günstig ist. Anders sei dies beim Essen, bei dem jedermann die Preise der Konkurrenz im Kopf habe. Es entstehe schließlich das Gefühl bei den Kunden, dass Ikea generell unschlagbar günstig sei.

Nicht ganz einverstanden mit dieser Argumentation ist Anne Herrmann, Wirtschaftspsychologin an der Fachhochschule Nordwestschweiz: «Wichtigster Grund für die tiefen Preise in den Ikea-Restaurants ist, dass die Einrichtungshäuser meist in Gewerbegebieten liegen.» Umsatz durch Laufkundschaft gebe es daher keinen. Ikea müsse daher die Kunden möglichst regelmäßig mit anderen Mitteln in die Geschäfte locken. «Das preisgünstige Angebot im Ikea-Restaurant ist also hauptsächlich ein Lockmittel, damit wir wieder einmal bei Ikea vorbeischauen», so die Expertin.

Jeder Besuch ein Möbelstück

Die Idee dahinter: Der Gewinn durch zusätzliche Umsätze macht den Verlust durch den Rabatt auf das Essen wieder wett. «Diese Rechnung geht auf, denn die meisten, die bei Ikea vorbeischauen und dort essen, kaufen dort auch einiges ein», erklärt Herrmann. Dabei biete jeder Besuch eine Chance für Ikea, dass ein größeres Möbelstück gekauft wird. Die Wirtschaftspsychologin stellt klar: «Durch einen Besuch bei Ikea wird das Interesse geweckt, zum Beispiel das alte Sofa durch ein neues von Ikea zu ersetzen.»

Weiter erklärt Herrmann, dass die Ikea-Restaurants meist strategisch günstig liegen würden – nämlich zwischen Möbelausstellung und Markthalle. «So können die Kunden nach der Möbelausstellung noch einmal Kraft tanken, um danach frisch gestärkt die Markthalle zu besuchen, in der sie dann ihre Einkaufswagen füllen.» Hier wiederum trifft sich die Einschätzung der Expertin mit jener von Ikea-Gründer Kamprad. Schon dieser hatte ja gesagt, dass es sich mit leerem Bauch schlecht shoppen lasse.

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