Krieg in Nahost: IKRK wirft Israel Verstoss gegen Völkerrecht vor

Aktualisiert

Krieg in NahostIKRK wirft Israel Verstoss gegen Völkerrecht vor

Das Internationale Rote Kreuz hat Israel einen Verstoss gegen das humanitäre Völkerrecht vorgeworfen, weil Helfer vier Tage lang nicht zu einem bombardierten Haus in Gaza gelangen konnten. Derweil beschoss Israel einen UNO-Hilfskonvoi.

Im bombardierten Haus harrten während der vier Tage vier Kinder neben der Leiche ihrer Mutter aus, wie der Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Pierre Wettach, am Donnerstag in Genf mitteilte.

«Das israelische Militär muss von der Situation gewusst haben, tat aber nichts, um den Verletzten beizustehen», sagte Wettach. Weder den IKRK-Helfern noch den Sanitätern des Palästinensischen Roten Halbmonds sei es ermöglicht worden, die erforderliche Hilfe zu leisten. Erst vier Tage nach dem Granatenangriff auf das Haus in der Siedlung Sajtun sei die Genehmigung dafür erteilt worden, sagte der IKRK-Sprecher.

In drei Häusern seien dann 15 Tote und 18 Verletzte geborgen worden. Unter Letzteren waren auch die vier Kinder, die den Angaben zufolge so geschwächt waren, dass sie nicht mehr stehen konnten.

«Das israelische Militär hat bei diesem Vorfall versäumt, seine im humanitären Völkerrecht verankerte Verpflichtung zu erfüllen, für Verletzte zu sorgen und sie zu evakuieren», hiess es in einer Erklärung des IKRK. Die Verzögerung bei der Zulassung der Rettungsdienste an den Ort des Angriffs sei inakzeptabel.

Der israelische Botschafter in Genf, Aharon Leshno-Yaar, wies den Vorwurf des Verstosses gegen das Völkerrecht zurück. «Sobald die militärische Aktivität beendet war, war es den humanitären Teams möglich, die Verletzten zu evakuieren», sagte der Diplomat. Israel respektiere das internationale Völkerrecht und arbeite mit Hilfsorganisationen zusammen, damit Verletzte versorgt werden könnten. In besonders schweren Fällen würden diese auch in israelische Krankenhäuser gebracht.

Erneut dreistündige Feuerpause

Die israelische Armee hat am Donnerstag erneut eine dreistündige Feuerpause im Gazastreifen begonnen. Ein israelischer Armeesprecher sagte, sie sei wieder von 13.00 Uhr Ortszeit (12.00 MEZ) in Kraft.

Dies soll der notleidenden Zivilbevölkerung ermöglichen, sich mit Lebensmitteln einzudecken. Ausserdem soll es den Einsatz der Hilfsorganisationen ermöglichen, der bislang durch die heftigen Kämpfe behindert wurde.

Das israelische Verteidigungsministerium teilte mit, etwa 300 Menschen mit ausländischen Pässen sollte während der Waffenruhe die Ausreise aus dem umkämpften Gebiet ermöglicht werden. Während des Tages sollten etwa 100 Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern in den Gazastreifen einfahren und 500 000 Liter Treibgas geliefert werden.

UNO-Konvoi beschossen

Während der Feuerpause haben israelische Soldaten einen Konvoi des UNO-Hilfswerks UNRWA beschossen. Dabei wurde ein Fahrer getötet und ein weiterer Helfer verletzt.

Das bestätigte der UNRWA-Sprecher Adnan Abu Hasna in Gaza. Der Angriff erfolgte in der Nähe des nach Israel führenden Grenzübergangs Erez. Die Lastwagen seien mit UNO-Flaggen gekennzeichnet, die Fahrer mit UNO-Westen ausgestattet gewesen, fügte er hinzu. Der Konvoi sei mit dem israelischen Militär abgestimmt gewesen. Bei den Chauffeuren habe es sich nicht um unmittelbare UNRWA-Mitarbeiter gehandelt, sondern um Vertragspartner, die vom Hilfswerk engagiert wurden.

Die israelische Armee hatte am Mittwoch erstmals seit Beginn der Militäroffensive im Gazastreifen vor knapp zwei Wochen die Kampfhandlungen vorübergehend eingestellt, um Hilfslieferungen zu ermöglichen. Auch die radikal-islamische Hamas schoss während der dreistündigen Feuerpause keine Raketen auf südisraelisches Gebiet ab.

EU-Aussenkommissarin Benita Ferrero-Waldner forderte am Rande eines Treffens der EU-Aussenminister in Prag eine länger dauernde Waffenruhe im Gazastreifen. In Kairo trafen am Donnerstag zwei Gesandte der israelischen Regierung ein, um mit der ägyptischen Führung über einen Plan für eine Waffenruhe im Gazastreifen zu sprechen.

(dapd)

Papst setzt sich für Waffenruhe ein

Papst Benedikt XVI. hat zu einer Waffenruhe im Gazastreifen und einer Wiederaufnahme der Friedensgespräche aufgerufen. Eine Waffenruhe sei unabdingbar für die Wiederherstellung akzeptabler Lebensbedingungen für die Bevölkerung, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Donnerstag in Rom. Er verurteile Gewalt in jeglicher Form. Wichtig sei auch, dass bei bevorstehenden Wahlen Politiker erfolgreich seien, die sich für eine Versöhnung zwischen den Konfliktparteien einsetzten. In Israel wird am 10. Februar ein neues Parlament gewählt. (ap)

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