55 Musiker in Basel: Illegal im Orchestergraben
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55 Musiker in BaselIllegal im Orchestergraben

Ein Abteilungsleiter des Basler Amts für Wirtschaft und Arbeit hat ausländischen Musikern widerrechtlich Arbeitsbewilligungen erteilt. Jetzt droht 55 Musikern die Ausreise.

von
lha
Freischaffenden Musikern aus Drittstaaten, die für verschiedene Basler Orchester tätig sind, wurden vom Amt für Arbeit widerrechtliche Arbeitsbewilligungen ausgestellt.

Freischaffenden Musikern aus Drittstaaten, die für verschiedene Basler Orchester tätig sind, wurden vom Amt für Arbeit widerrechtliche Arbeitsbewilligungen ausgestellt.

Eine Strafuntersuchung gegen den Abteilungsleiter des Basler Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA) brachte den Stein im vergangenen Herbst ins Rollen. Dieser stellte Arbeitsbewilligungen für Grenzgänger aus, obwohl dafür die gesetzliche Grundlage fehlte. Darob wurde eine Untersuchung wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch eröffnet.

Wie Recherchen des «Regionaljournal Basel» von Radio SRF nun zeigen, hat der fehlbare Chefbeamte aber nicht nur bei Grenzgängern rechtliche Vorgaben ignoriert. Grosszügig war er auch mit Musikern aus Drittstaaten ausserhalb der Europäischen Union. Dies bestätigt Antonina Stoll, Bereichsleiterin Arbeitsbeziehungen des AWA gegenüber SRF.

Spezialbewilligungen nur für Festangestellte

Von der laxen Bewilligungspraxis betroffen sind demnach 55 Musiker, die als Freischaffende für verschiedene Orchester in Basel arbeiten, etwa für das Theater Basel oder das Kammerorchester. Diese dürften keine reguläre Arbeitsbewilligung erhalten, weil sie nicht fest angestellt sind. Bei Musikern aus Drittstaaten müsste das Orchester aber zuerst den Nachweis erbringen, dass es innerhalb der EU keine geeigneten Musiker gefunden hat.

Laut Stoll müssen die meisten der 55 betroffenen Musiker nun damit rechnen, dass sie nicht mehr die gleiche Bewilligung erhalten und einige von ihnen ausreisen müssen.

Berufsorchester beugen vor

Das Basler Sinfonieorchester teilt auf Anfrage mit, von diesem Fall nicht betroffen zu sein. Für Teilzeitarrangements würden Drittstaatangehörige gar nicht verpflichtet. Und für die Besetzung von festen Positionen setze man auf ein Evaluationsverfahren, das auch vom Staatssekretariat für Wirtschaft geprüft sei.

In einem offenen Verfahren werden jeweils zwischen 30 und 50 Kandidaten zum Vorspielen eingeladen und der beste erhält den Job. «Da können sich auch Kandidaten aus Drittstaaten qualifizieren, da haben wir nachher keine Probleme», so Sprecher Simon Niederhauser. Dieses Verfahren würde im Übrigen von allen Schweizer Berufsorchestern angewandt.

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