Bündner Baukartell: Illegale Preisabsprachen – Amt in Erklärungsnot
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Bündner BaukartellIllegale Preisabsprachen – Amt in Erklärungsnot

Bei ihren illegalen Preisabsprachen konnten sich Engadiner Bauunternehmen auf die Behörden verlassen. Die Affäre bringt auch die BDP in Bedrängnis.

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lad
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Im Bündner Bauwesen kam es zu illegalen Kartellabsprachen. (Archiv)

Im Bündner Bauwesen kam es zu illegalen Kartellabsprachen. (Archiv)

Keystone/Gaetan Bally
Während des Baus sind Absprachen nötig. Treffen sich Firmenvertreter aber schon während der Ausschreibungsphase, entsteht Kartellverdacht.

Während des Baus sind Absprachen nötig. Treffen sich Firmenvertreter aber schon während der Ausschreibungsphase, entsteht Kartellverdacht.

Imago Stock&people
In abgelegenen Tälern wie im Unterengadin ist die Gefahr für Kartellabsprachen gross.

In abgelegenen Tälern wie im Unterengadin ist die Gefahr für Kartellabsprachen gross.

Keystone/Christian Beutler

Gemeinsame Sache im Engadin: Jahrelang haben Engadiner Bauunternehmen Aufträge unter sich aufgeteilt und illegale Preisabsprachen getroffen. Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, konnten sie sich dabei auf die Bündner Behörden verlassen. Dank ihnen konnten sie ihre Abmachungen treffen, bevor die Aufträge überhaupt ausgeschrieben waren.

Über Jahre hinweg Preise abgesprochen

Wie die Zeitung schreibt, bereinigte das Bündner Tiefbauamt jeweils im Dezember die anstehenden Projekte für das kommende Jahr. Anhand von internen Listen, die offensichtlich umgehend bei den Bauunternehmern landeten, konnten diese die Vergabe der Projekte bereits im Januar vorbereiten – obwohl die Aufträge noch gar nicht offiziell ausgeschrieben waren.

Laut der Zeitung schildert diese Praxis der frühere Unternehmer Adam Quadroni, der das Bündner Baukartell auffliegen liess. Er selbst hatte sich einst an den illegalen Absprachen beteiligt. Doch 2012, einige Jahre nach seinem Ausstieg, brachte er die Untersuchung der Wettbewerbskommission Weko ins Rollen.

Vergangene Woche nun verhängte die Weko in diesem bisher grössten Fall eines Baukartells Bussen in der Höhe von 7,5 Millionen Franken gegen Firmen im Unterengadin. Über Jahre hinweg hatten die Firmen bei über 400 Beschaffungen im Hoch- und Tiefbau die Preise abgesprochen. Doch weshalb und wie diese Informationen des Amts so früh zu den Unternehmen gelangten, bleibt offen.

«Ich weiss nichts von solchen Vorgängen»

Stefan Engler, damaliger zuständiger Regierungsrat, sagt, er habe keine Kenntnis von den Listen: «Ich weiss nichts von solchen Vorgängen», wird er von der Zeitung zitiert. Laut Engler hätten die Firmen auch anhand der jeweils im Herbst verabschiedeten Budgets wissen können, welche Vergaben im nächsten Jahr anstanden. Quadroni widerspricht: In früheren Jahren habe man aus den Budgets nur ungefähr über die Vergaben Bescheid gewusst. «Damit hätte man das Kartellsystem nicht praktizieren können.» Man sei auf komplette Listen angewiesen gewesen.

Kantonsingenieur und Chef des Tiefbauamts Reto Knuchel sagt, es sei ihm zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, zur Projektliste Stellung zu nehmen. Er stellt jedoch eine detaillierte Ausarbeitung der früheren Vorgänge in Aussicht. Im Rahmen einer externen Überprüfung sichere er zu, dass auch der Aspekt einer angeblichen Kooperation seitens der Behörden angeschaut werde.

BDP in der Krise

Die Affäre um das Bündner Baukartell stürzt auch die Bürgerlich-Demokratische Partei BDP in die Krise. Am Freitag ist Parteipräsident Andreas Felix zurückgetreten, gleichzeitig gab er seine Regierungsrats-Kandidatur auf. Da er gleichzeitig auch Geschäftsführer des Graubündnerischen Baumeisterverbands ist, lässt sein Rücktritt Raum für Spekulationen. Felix sagt, nichts von den Absprachen gewusst zu haben. Wie die «Südostschweiz» schreibt, sei er zu seinem Rücktrittsentschluss nach reiflicher Überlegung gekommen und er wolle betonen, dass er sich nichts zu Schulden habe kommen lassen.

Nebst Felix ist auch Volkswirtschaftsdirektor Jon Domenic Parolini ins Scheinwerferlicht geraten. Grund: seine angebliche Nähe zu den involvierten Bauunternehmen. Sechs Wochen vor den Wahlen sind solche Schlagzeilen Gift für die Partei. Da Felix im Wahlkampf nicht ersetzt wird, gibt die BDP ihren zweiten Sitz in der Regierung vorzeitig auf. Der Partei droht ein Debakel.

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