19.02.2018 20:06

Rituelle Schlachtung«Illegale Schächtungen schärfer bestrafen»

Elf Personen wurden 2016 wegen der illegalen Schlachtung von Schafen strafrechtlich verurteilt. Politiker und Tierschützer fordern jetzt härtere Strafen.

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dk
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Was auf Schweizer Boden verboten ist, kam 2016 in elf Fällen trotzdem vor: Die sogennante Schächtung, die rituelle Schlachtung eines Tieres ohne vorgängige Betäubung.

Was auf Schweizer Boden verboten ist, kam 2016 in elf Fällen trotzdem vor: Die sogennante Schächtung, die rituelle Schlachtung eines Tieres ohne vorgängige Betäubung.

Keystone/Dominic Steinmann
Ein Walliser Schafzüchter hatter im September 2016 auf seinem Hof elf Schafe an ein Dutzend Personen verkauft, die dann vor Ort für das islamische Opferfest geschächtet wurden.

Ein Walliser Schafzüchter hatter im September 2016 auf seinem Hof elf Schafe an ein Dutzend Personen verkauft, die dann vor Ort für das islamische Opferfest geschächtet wurden.

Keystone/Georgios Kefalas
Für SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor sind die verhängten Bussen bis jetzt eindeutig zu tief.  «Die Kontrollen müssen darum verschärft und der Strafrahmen bei illegalen Schächtungen erhöht werden», sagt Addor.

Für SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor sind die verhängten Bussen bis jetzt eindeutig zu tief. «Die Kontrollen müssen darum verschärft und der Strafrahmen bei illegalen Schächtungen erhöht werden», sagt Addor.

Keystone/Laurent Gillieron

Der Mann setzt das Messer an, flüstert dem Tier etwas ins Ohr und vollzieht dann den Schnitt. Das Tier wird bewusstlos und das Blut fliesst aus dem aufgehängten Tier auf den Boden. Was auf Schweizer Boden verboten ist, kam 2016 in elf Fällen trotzdem vor: Die Schächtung, die rituelle Schlachtung eines Tieres ohne vorgängige Betäubung.

Ein Walliser Schafzüchter hatte im September 2016 auf seinem Hof einem Dutzend Personen elf Schafe verkauft, die dann vor Ort für das islamische Opferfest geschächtet wurden. Zeugen meldeten den Vorfall dem Walliser Veterinäramt. Der Mann kassierte schliesslich eine Busse von 1200 Franken und musste zudem die Verfahrenskosten von 600 Franken übernehmen. Schon 2014 war er wegen des gleichen Vergehens zu einer Busse von 500 Franken verurteilt worden. Die Personen, die die Schafe zwecks Schächtung erworben hatten, wurden mit jeweils 300 Franken gebüsst.

«Strafen müssen verschärft werden»

Für SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor sind die verhängten Bussen bis jetzt eindeutig zu tief. «Das Problem ist, dass die Zahl der in der Schweiz lebenden Muslime steigt, während gleichzeitig die Importquoten für Halal-Fleisch gleich bleiben», sagt Addor. So würden Muslime vor dem Dilemma stehen, illegal Fleisch zu importieren oder selber die rituelle Schlachtung vorzunehmen. «Die Kontrollen müssen darum verschärft und der Strafrahmen bei illegalen Schächtungen erhöht werden», sagt Addor. In der Schweiz lebende Juden hätten nicht das gleiche Problem, da die jüdische Gemeinschaft stabil sei und die Importquoten für koscheres Fleisch ausreichen würden.

Auch die Stiftung Tier im Recht (TIR) höre immer wieder von Schächtungen ohne vorherige Betäubung, sagt Vanessa Gerritsen, stellvertretende Geschäftsleiterin von TIR. «Viele werden aber nie angezeigt oder mangels Nachweisen oder Interesse seitens der Behörden nicht strafrechtlich verfolgt.» Das Schlachten ohne Betäubung berge ein hohes Risiko, dass das betroffene Tier qualvoll verendet. Die Täter schlachteten die Tiere vor allem aus religiöser Überzeugung oder aus Tradition. Die geringen Strafen würden der Tat aber in keiner Weise gerecht werden. «Daher fordern wir schon seit vielen Jahren generell eine drastische Erhöhung der Sanktionen, damit diese endlich ihre abschreckende Wirkung entfalten können», sagt Gerritsen.

«Gebot zur Betäubung für Muslime kein Problem»

«Derartige Zuwiderhandlungen gegen das Tierschutzgesetz können mit einer Busse von bis zu 20'000 Franken bestraft werden», sagt Eva van Beek, Sprecherin des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Ob dieser Strafrahmen immer ausgeschöpft werde, hängt von den zuständigen Gerichten ab. Von einer möglichen Zunahme von ähnlichen Fällen will van Beek nicht sprechen, da solche Fälle erst seit 2016 statistisch erfasst werden.

Die absolute Mehrheit der Muslime folge der Meinung, dass Tiere vor dem Schlachten betäubt werden dürfen, sagt Abduselam Halilovic, Sprecher der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ). «Jedoch gibt es eine kleine Minderheit, die diese Haltung nicht akzeptiert und nur Schlachtungen ohne Betäubung für richtig hält.» Diese Leute hätten die Möglichkeit, aus Deutschland und Frankreich importiertes Fleisch zu erwerben. Die Importquote würde reichen. «Das Gebot zur Betäubung stellt darum für die Mehrheit der Musliminnen und Muslime kein Problem dar», sagt Halilovic.

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