Illegaler Organhandel: Prügel für Carla Del Ponte
Aktualisiert

Illegaler Organhandel: Prügel für Carla Del Ponte

Es gebe keine Hinweise auf Carla Del Pontes behaupteten Organhandel-Ring im Kosovo, widerspricht ihr Nachfolger als Chefankläger am
Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien. Del Pontes frühere Sprecherin bezeichnet ihre Ex-Chefin als «verantwortungslos» und «unwürdig».

Auch nach intensiven Ermittlungen gebe es keine «substantiellen» Hinweise, die eine Einschaltung des Kriegsverbrecher-Tribunals erlaubten. Dies erklärte am Mittwoch die Sprecherin von Chefankläger Serge Brammertz, Del Pontes Nachfolger vor den Medien in Den Haag.

Die Schweizerin hatte in ihrem kürzlich erschienen Buch über ihre Zeit in Den Haag Vorwürfe über einen Organhandel-Ring unter Beteiligung führender Politiker im Kosovo erhoben.

Auch ihre frühere Sprecherin, Florence Hartmann, sprach diesen Vorwürfen jeglichen Wahrheitsgehalt ab. Del Ponte hätte nicht den geringsten Beweis für einen Organhandel durch Kosovo-Rebellen gehabt, erklärte Hartmann in einem am Mittwoch erschienen Beitrag in der Westschweizer Zeitung «Le Temps».

Scharfe Kritik

Als «verantwortungslos» und «unwürdig» (»indigne») bezeichnete Hartmann Del Pontes Darstellung. Die umstrittenen Aussagen Del Pontes finden sich im Kapitel über den Kosovo-Krieg.

Unter anderem beschreibt Del Ponte die Verschleppung von 300 Serben nach Nordalbanien. Dort seien ihnen die verwertbaren Organe entfernt worden, um damit Geld zu machen.

Die Verschleppung und Ermordung sei nach der Stationierung der NATO-Truppen im Sommer 1999 und mit Wissen hoher Mitglieder der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK), darunter der neue Regierungschef Hashim Thaci, geschehen.

Mit ihrer Vermischung von Gerüchten und Tatsachen verstärke Del Ponte nur die Verwirrung um die tatsächlichen Geschehnisse und ermutige Geschichts-Revisionisten jeglicher Ausrichtung, kritisierte Hartmann.

(sda)

Deine Meinung