Protest gegen Gesetz: Im Alpstein fallen die Nackten vom Himmel
Aktualisiert

Protest gegen GesetzIm Alpstein fallen die Nackten vom Himmel

Nacktwandern war gestern, heute fliegt man nackt: Um gegen das Verbot zu protestieren, hat sich ein Mann bei einem Fallschirmsprung ausgezogen. Die Polizei hat wenig Verständnis.

von
Antonio Fumagalli

Wie die Vögel durch die Lüfte zu gleiten ist der Traum jedes Fallschirmspringers. Daniel Grieder* hat ihn sich verwirklicht – und zwar genauso, wie ein Vogel: unbekleidet. «Es gab ein grosses Gelächter am Landeplatz, aber wirklich gestört hat es niemanden», sagt der 28-jährige Österreicher über seinen Nacktsprung. Er hat sich am Dienstagabend rund 700 Meter über Boden von seinem Gleitschirm-Tandempartner gelöst und ist dann – einem Basejumper ähnlich – sicher in Wasserauen AI gelandet.

Brisanter Hintergrund der Aktion: Im Kanton Appenzell Innerrhoden ist das «nackte Aufhalten in der Öffentlichkeit» seit Juni 2009 verboten, die Landsgemeinde hatte es nach dem vielbeachteten Fall eines gebüssten Nacktwanderers im Nachbarskanton so beschlossen. Wer entblösst erwischt wird, kriegt 200 Franken Ordnungsbusse.

«Unnötiger Gesetzesparagraph»

Grieder will mit seiner Aktion dagegen protestieren: «Die Idee ist spontan entstanden. Aber es ist schon so, dass ich den Gesetzesparagraphen für völlig unnötig halte». Die Provokation liege ihm fern, er wolle einfach auf den Missstand aufmerksam machen.

Fallschirm-Flitzer bei Fussballspiel

Unterstützung erhält er dabei vom inoffiziellen Botschafter der Nacktwanderer Puistola Grottenpösch, der am Dienstag – mit einem Feigenblatt vor der Scham, wie er betont – zufälligerweise ebenfalls im Alpstein unterwegs war. «Ich begrüsse dies sehr», so der passionierte Nudist, «es ist wichtig, dass den Appenzellern ihr widersprüchlicher Umgang mit der Freiheit vor Augen geführt wird.» Das nackte Aufhalten in der Öffentlichkeit sei zugegebenermassen eine Extravaganz, habe aber im Strafgesetzbuch nichts verloren.

«Null Verständnis» bei der Polizei

Bei den lokalen Behörden hat man dafür wenig Musikgehör. Polizeikommandant Andreas Küenzle war der neuste Fall nicht bekannt, er bringt dafür «null Verständnis» auf. Werde Grieder angezeigt und könne man ihm sein gesetzeswidriges Verhalten nachweisen, werde er gebüsst. Sepp Manser-Neff, der Wanderwegverantwortliche des betroffenen Bezirks Schwende, ergänzt: «Die Menschen suchen sich offenbar ständig neue Kicks. Aber warum können sie dies nicht irgendwo tun, wo sie niemanden stören?»

«Ihr müsst springen», sagte der Ballon-Fahrer

Nacktflieger Grieder will sich nicht in die Karten blicken lassen, ob er seinem Körper demnächst wieder eine Abkühlung der besonderen Art gönnen wird. Und warum nicht mal ein Tandemsprung zusammen mit Nacktwander-Papst Grottenpösch? «Ich würde zwar eine Frau bevorzugen, aber darüber können wir reden.»

Tandem-Sprung geht schief

* Name verändert

Fallschirmjäger in Feuerhölle getötet
Dem Tod von der Schippe gesprungen

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