Schon wieder Anschlag: Im Asylheim geht die Angst um
Aktualisiert

Schon wieder AnschlagIm Asylheim geht die Angst um

Nach zwei Brandanschlägen fürchten Asylbewerber in Affoltern am Albis um ihr Leben. Die Täter haben die Unterkunft offenbar mit Anzündwürfeln in Brand gesetzt.

von
Janko Skorup
Diese zwei Eingangstüren waren das Ziel der Brandstifter.

Diese zwei Eingangstüren waren das Ziel der Brandstifter.

Unbekannte haben im zürcherischen Affoltern am Albis in der Nacht auf Samstag ein Haus, das von Asylsuchenden bewohnt wird, mit Brandsätzen attackiert - zum zweiten Mal innert Wochenfrist. «Die Täter haben die Eingangstüren mit Anzündwürfeln in Brand gesteckt», sagt der irakische Bewohner ­Samiri F.* «Wir haben alle grosse Angst. Hier wohnen auch Frauen und Kinder.»

Zwar habe in der Nacht nach der Tat ein Security Wache geschoben, «aber wir wissen nicht, wie lange er noch bleibt», äussert sich F. verunsichert. Auch Daniel L.* aus Äthiopien ist verängstigt: «Ich wohne schon sieben Jahre hier, aber so etwas ist noch nie passiert.»

Unzufriedenheit mit der Asylpolitik

Eine Brandanschlagsserie auf Asylantenheime gab es in der Schweiz zuletzt vor zehn Jahren. Der Extremismus-Experte Samuel Althof erklärt sich die jüngsten Anschläge mit der «aufgeheizten, fremdenfeindlichen Stimmung» im Land. Gewaltbereite, unzufriedene Menschen würden dadurch zu Tätern. «Sie haben das Gefühl, durch Vertreibung der Asylbewerber eine bessere Welt zu schaffen», so Althof. Eine ähnliche Stimmung habe in den Siebzigerjahren geherrscht, als ge­gen die italienischen Einwanderer Stimmung gemacht wurde.

FDP-Nationalrat Peter Ma­lama vermutet hinter den Anschlägen eine starke Unzufriedenheit mit der Asylpolitik: «Bundesrätin Sommaruga ist dafür mitverantwortlich. Sie muss dieses Signal ernst nehmen und dafür sorgen, dass Asylgesuche schnellstmöglich behandelt werden.» Auch SP-Nationalrat Andreas Gross sieht in der Gewalt «einen Hinweis darauf, dass sich Menschen nicht verstanden fühlen». Ihrer müsse man sich annehmen und deren Not ergründen und beheben.

*Namen der Redaktion bekannt

Deine Meinung